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Kinder fürchten Raser auf Schulweg

Verkehr Kinder fürchten Raser auf Schulweg

Raser tappen in die Falle: In den ersten Wochen der verstärkten Tempo-Kontrollen vor Schulen und auf Schulwegen hat das Ordnungsamt 640 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt.

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Gefahren-Zone Wehrdaer Weg: Schüler wie Luca Pomrehn-D´Introno (7) fürchten sich vor dem Verkehr und dem Überqueren der Straße. Die Stadtverwaltung reagierte auf Drängen der Eltern prompt: Sie stellte provisorisch ein Warnschild auf. Foto: Björn Wisker

Marburg. Gekehrte Hauseingänge, gepflegte Blumenkästen, Kinder die im Freien toben: Die Gegend rund um die Straße Rosengarten ist ein Mini-Idyll. Vor allem für Familien, für deren Söhne und Töchter. Doch geraten die Jungen und Mädchen aus Wehrda in Gefahr - jeden Morgen, jeden Mittag. Die Bedrohung rast auf vier Rädern den Wehrdaer Weg entlang: Autofahrer, die auf der Hauptverkehrs-Achse durch den Stadtteil die Kinder auf ihrem Schul- und Nachhauseweg übersehen.

So wie den siebenjährigen Luca. Wann immer er mit seinem Scout-Rucksack die kleine Senke des Rosengartens hinaufkraxelt und auf den Wehrdaer Weg einbiegt, rauschen Autos an ihm vorbei. Auf seinem Weg zur Waldschule muss er die - gerade zwischen 7 Uhr und 8 Uhr massiv befahrene - Straße kreuzen. Oft schlendert er mit seinen Schulfreunden die 300 Meter bis zum Zebrastreifen am Kreisverkehr nahe des FV-Sport-platzes. Doch manchmal ist die Abkürzung über die nahe Verkehrsinsel zu verlockend für Luca und seine Freunde. Und dann steigt sie, die Angst vor Autos, die über den Asphalt brettern. Vor allem bei den Eltern. „Die rauschen hier rasant vorbei. Das ist gefährlich, gerade für die Kleinen, die den Verkehr auch noch nicht einschätzen können“, sagt Maike Pomrehn-D´Introno (49).

Und da sie ihren Sohn Luca nicht immer begleiten könne, wünscht sie sich wenigstens deutliche Hinweisschilder, dass Schulkinder in der Gegend unterwegs sind. Ihre Hoffnung: „Dass Autofahrer hier vorsichtiger entlang fahren.“ Die Mutter wird initiativ, ruft die Stadtverwaltung an. Kurz danach stellt das zuständige Amt ein Warnschild auf den Gehweg, dass die Autofahrer auf Schüler, auf Verkehrsanfänger hinweist. Die Aufforderung: Langsam, vorsichtig fahren! 30 Spannbänder und 22 Plakatständer hat die Stadt zum Schuljahresbeginn aufgehängt und aufgestellt - das in Wehrda kam Stunden nach Anwohnerbitten hinzu. Dafür heimsen die Behörden Lob der Anwohner ein. „Das hat unkompliziert und schnell geklappt und dient der Sicherheit. Dafür sagen wir alle Dankeschön“, sagt Pomrehn-D´Introno.

Um Raser speziell entlang der Schulwege zu ertappen, haben Polizei und Ordnungsamt in den Wochen nach Schulbeginn Mitte August eine Blitzer-Offensive gestartet. In der Leopold-Lucas-Straße wurden vorübergehend Radaranlagen aufgebaut, Ende vergangener Woche wurde das Tempo der Autos nahe der Martin-Luther-Schule überwacht.Auch auf dem Weg zur Wehrdaer Waldschule und dem Kindergarten am Lärchenweg ist gemessen worden: Bis heute sind nach Angaben der Stadtverwaltung 13 700 Fahrzeuge vor 26 Schulen und Kindergärten gemessen worden, 640 Fahrzeuge waren zu schnell. Die Stadt kontrolliert ganzjährig die Geschwindigkeiten vor Schulen und Kindergärten. „Zu Beginn des Schuljahres werden diese Kontrollen verstärkt. Mehrere Wochen wird fast ausschließlich vor Grundschulen und Kindergärten geblitzt“, sagt Edith Pfingst, Sprecherin der Stadt.

Die Hoffnung der Anwohner in der Gegend: Ein Zebrastreifen oder andere Hilfen, um den Schulweg für die Kinder sicherer zu gestalten. In Höhe der Mengelsgasse wurde zuletzt die Einrichtung eines Zebrastreifens geprüft. Die rechtlichen Vorschriften setzen für die Einrichtung eines Zebrastreifens auf einem Schulweg voraus, dass mindestens 300 Fahrzeuge pro Stunde die vorgesehene Stelle passieren und mindestens 30 Schulkinder pro Stunde die Straße überqueren wollen. „Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor“, sagt Pfingst. Die existierende Überquerungshilfe sei ausreichend.

von Björn Wisker

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