Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Kinder erfahren den Wald mit allen Sinnen

OP erfüllt Kindern Wünsche Kinder erfahren den Wald mit allen Sinnen

Den Wald mit Augen, Ohren und Nase erkunden. Was versteckt sich da im Unterholz, wie riecht Baumharz und was ist das für ein fetter schwarzer Käfer? Diese und andere Fragen stellten sich am Donnerstag zehn kleine neugierige Waldwanderer.

Voriger Artikel
Gemeinsame Beobachtungen in der Volkssternwarte
Nächster Artikel
"Lass doch einfach mal das Auto stehen"

Was versteckt sich dort zwischen den Pflanzen auf dem Boden? Lothar Feisel, der die Kinder durch den Wald führte, stellte ihnen immer wieder Aufgaben und Fragen.

Quelle: Ina Tannert

Münchhausen. Mit festem Schuhwerk, Rucksäcken und Windjacken im Gepäck, wagten sich die Kinder in die Tiefen des Burgwaldes rund um den Christenberg bei Münchhausen. Es war die neunte Aktion der Reihe „OP erfüllt Kindern Wünsche“. Bei herrlichem Wanderwetter, sonnig, aber nicht zu heiß, startete die Gruppe ihre Tour vom Waldgasthaus aus und suchte sich ihren Weg über Stock und Stein und gut begehbaren Wanderpfaden.

 

Immer mit dabei waren die erfahrenen Wanderer Lothar Feisel und Dr. Anne Archinal vom Vorstand der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“. Sie führten die Kinder sicher durch das Gelände, zeigten ihnen Besonderheiten des Waldes und forderten die Entdeckerlust der Kinder. „Ich finde es toll, dass es im Wald so viele verschiedene Tiere gibt“, sagte Romy Vollmerhausen (8 Jahre) aus Anzefahr fröhlich. Da konnte der Wanderleiter nur zustimmen. Das Problem beim Beobachten der scheuen Waldbewohner sei jedoch, dass die sich aus Angst vor den Menschen verstecken, sagte er. Daher brauche man besonders gute Augen, Ohren und Nasen, um sie zu finden.

Die Sinne der Kinder stellte er auch gleich auf die Probe. An einem Pfad hatte Lothar Feisel schon im Vorfeld verschiedene Gegenstände im Unterholz versteckt, die nicht in einen Wald gehören. Welche und wie viele das sind, wurde nicht verraten.

Die Jungen und Mädchen machten sich also auf die Suche, durchstöberten Büsche und Bäume. „Ich hab schon fünf gefunden“, verriet Tim Vollmerhausen (10 Jahre) aus Anzefahr. Das sind noch nicht alle, erfuhren die Kinder, also weitersuchen. Sie fanden fast alle versteckten Dinge, ein Spielzeugauto unter einem Farn, einen Schraubenzieher im Moos oder ein Kuscheltier auf dem Baum. Die Meeresschnecke auf dem Baumstumpf passte sehr gut in das Bild, gehört aber trotzdem nicht in einen Wald.

Der Mistkäfer ernährt sich von Dung, Pilzen und Humus

Weiter ging die Tour über kleine Lichtungen, an kräftigen Laub- und Nadelhölzern und sanft abfallenden Hängen entlang. „Da bewegt sich was im Laub“, machte Lucas Schraub (12 Jahre) aus Amöneburg die Gruppe auf ein kleines typisches Krabbeltier des Waldes aufmerksam. Ein schwarz glänzender Käfer. „Das ist ein Mistkäfer“, errieten die Kinder sofort. Die meisten Vertreter dieser Käfer-Unterfamilie ernähren sich von Dung, Pilzen oder Humus. Sie graben lange Gänge ins Erdreich und sind überall in Wäldern, Feldern oder Steppen zu finden, erklärten die Wanderleiter.

Trotz des nicht gerade vorteilhaften Namens, hat der Käfer Ähnlichkeit mit dem in Ägypten verehrten Skarabäus, fand Lucas und ließ das Tierchen über seine Hand krabbeln. Dann war eine weitere Sinneswahrnehmung der Kinder gefordert. Sie stellten sich im Kreis auf und dann hieß es: leise sein, Augen zu und dem Wald einfach zuhören. Schlagartig wurde es still in der bis dahin fröhlich plappernden Gruppe. Plötzlich hörte man auch wieder das stete Zwitschern der Vögel, der Ruf eines Raubvogels aus der Ferne, im Gebüsch knackte ein Ast. Die Kinder lauschten konzentriert, zählten still und mit erhobenen Händen die einzelnen Geräusche mit den Fingern mit. Rund 15 verschiedene Geräusche waren in der kurzen Zeit in etwa zu hören, waren sich die Kinder einig. Die meisten davon natürlichen Ursprungs, vom Geräusch des Flugzeugs hoch über dem Wald einmal abgesehen.

„Die Kinder haben wirklich gute Ohren“, lobten die Wanderleiter. Und was war nicht zu hören? „Autos, Sägen, Rauschen, Fernsehen oder Handygebimmel“, kamen prompt die Antworten. Und darum ist ein Waldspaziergang, fernab des Lärms der Zivilisation, so erholsam, waren sich alle einig. Nach einer kurzen Verschnaufpause waren die guten Nasen der Kinder gefragt. Sie erhielten kleine Döschen aus Plastik und machten sich auf die Suche nach typischen Dingen aus dem Wald, die einen besonderen Geruch haben.

Blaubeeren schmecken - und machen die Zunge blau

Dieses Spiel machte ihnen besonders Spaß. Mit Händen und Nasen durchstöberten sie Büsche, Moos und Waldboden, untersuchten die Bäume und bewiesen ihre guten Spürnasen. „Mistkäfer müssten doch eigentlich riechen oder eher stinken“, überlegte Nouh Camerin (9 Jahre) aus Lahntal lachend. Er fand sogar wieder eines der krabbelnden Tiere und zeigte es der Gruppe.

Flynn Windisch (10 Jahre) aus Marburg fand ein großes Stück Rinde voller Baumharz, das besonders stark roch. Das nahm er auch gleich als Erinnerung mit nach Hause. Lucas und sein Kumpel Tim (9 Jahre) aus Marburg fanden große Mengen Blaubeeren. Die rochen intensiv und auch so verführerisch, dass sie umgehend gesäubert und verzehrt wurden, blaue Zungen inklusive. Die beiden fanden außerdem eine alte Flasche, die jemand achtlos in den Wald geworfen hatte. Diese nahmen die aufgeweckten Jungs mit, um sie am Ende der Tour fachgerecht im Müll zu entsorgen. „Damit sich keine Tiere daran verletzen“, erklärten sie vollkommen richtig.

Dann wurde erneut gespielt. Bei dem Spiel „Füchse und Hase“ war noch mal ein gutes Gehör gefragt. Die Kinder stellten sich im Kreis auf, der „Hase“ in der Mitte bekam die Augen verbunden und eine mit Wasser gefüllte Spritze in die Hand. Dann verhielten sich alle ganz still, per Handzeichen wurde in jeder Runde ein „Fuchs“ bestimmt. Dieser schlich sich dann heimlich und leise an das Hasenkind heran, um ihm auf die Schulter zu tippen. Die „Beute“ versuchte den „Angreifer“ vorher mit den Ohren zu finden und nass zu spritzen. Die Kinder hatten einen Heidenspaß dabei, Runde um Runde jagten die Füchse die Beute, schlichen in Zeitlupe um sie herum und versuchten, keinen Laut zu machen. Die meisten von ihnen wurden jedoch mit der flüssigen „Fuchsabwehr“ erwischt.

Nach der Aktion wurden die Tiere wieder freigelassen

Anschließend gingen die Jungen und Mädchen mit Becherlupen, kleinen Plastikdosen mit einer Lupe im Deckel auf die Suche nach weiteren kleinen Waldbewohnern. In morschem Holz, in der Erde oder im Gebüsch suchten sie nach allem, was da kreucht und fleucht, um sich die Tierchen unter dem Vergrößerungsglas genauer anzusehen. Allerhand Käfer, Spinnen und Würmer wurden vorübergehend umquartiert und gemeinsam mithilfe eines Fachbuches genau bestimmt. Eine Gruppe Jungs schleppte auf der Suche nach den Krabbeltieren sogar einen großen Stein weg, um darunter zu schauen. Viele Insekten verstecken sich gerne unter Steinen, wussten die Kinder.

Nach der Aktion wurden alle Tiere wieder vorsichtig freigelassen. Den Stein rollten die Jungs auch wieder zurück. „Man soll die Natur immer so zurücklassen, wie man sie vorgefunden hat“, erklärte Lucas. „Ich habe einen kleinen Hüpfer gefunden“, lachte Nouh. „Das ist ein Springschwanz“, erklärte Lothar Feisel. Dieses kleine Tierchen gehört zu den Sechsfüßern, lebt gerne im Humus und ernährt sich von zerfallenden Pflanzen oder Aas. Diese Tiere räumen also den Wald auf.

Am Ende der rund zwei Kilometer langen Wanderung ging es querfeldein einen steilen Hang hinauf. Oben angekommen gab es zur Belohnung Eis für alle. „Das Klettern war super“, lachte Julius Kirsch (7 Jahre) aus Schweinsberg atemlos.

Alle Kinder hatten Spaß auf ihrer Burgwald-Tour. Viele nahmen sich ein Stück Holz als Andenken mit nach Hause.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr