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Kiki und Kuru geben Kraft fürs Debüt

OP-Serie zum Jubiläum: "Das wär mal eine" Kiki und Kuru geben Kraft fürs Debüt

Ein Riesenkänguru aus ­ihrer Vorstellung machte Annika Langer als Rentnerin zur Kinderbuchautorin und zur Verlegerin. Doch der Weg dahin war lang.

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Annika Langer und Anne Weigel mit ihrem Kinderbuch „Kiki und Kuru“.

Quelle: Mareike Bader

Gisselberg. Zum ersten Mal begegnete Annika Langer vor 20 Jahren ihrem Riesenkänguru. Bei einer Meditationsgruppe sollte sie sich als Aufgabe ein Krafttier vorstellen. Das Riesenkänguru schleuderte Langer in seinen Beutel. „Da war es total gemütlich“, erinnert sich die Schwedin noch heute.

Im Lauf der Zeit schrieb sie immer wieder ein bisschen an der Geschichte. Aber sie wuchs nur spärlich, bis eines Tages der Knoten platzte und sie einfach darauf los schrieb ohne es zu planen und ohne einen Zweck damit zu verfolgen, wie sie erzählt. „Es ist merkwürdig, dass sich die Idee so lange gehalten hat“, wundert sich Langer selbst, die in Gisselberg wohnt. Doch damit war das Buch noch lange nicht fertig.

Illustratorin macht Figuren lebendig

Zwei Jahre lang suchte Langer nach einem passenden Illustratoren, war aber oft nicht zufrieden mit den Entwürfen. Zufällig lud sie ihre damalige Untermieterin und deren Freund zu einem schwedischen Essen ein und erzählte natürlich auch da von ihrer Geschichte und ihrer verzweifelten Suche. „Da hab ich angemerkt, dass ich auch eine Illustratorin bin“, schmunzelt Anne Weigel, die ihren Bachelor an der Fachhochschule Münster im Fachbereich Design abgelegt hatte und nun an ihrer Masterarbeit an der Folkwang-Universität der Künste arbeitete. „Anne Weigel ist für mich ein Glücksfall“, freut sich Annika Langer. Für sie sei es besonders interessant gewesen zu sehen, wie ihre Figuren aus der Geschichte in der Vorstellung Weigels Form annahmen: „Sie wurden so lebendig – das waren sofort meine Kiki und das ist mein Kuru“. Nachdem die Illustrationen fertig waren hat Annika Langer Kiki und Kuru als Figuren selbst genäht und ihnen eine Brille angezogen, die in der Geschichte auch vorkommt. Die Figuren nimmt sie auch mit zu Lesungen, etwa in Schulen. Das käme bei den Kindern sehr gut an, berichtet die Schwedin.

Auch Anne Weigel freute sich sehr über die Zusammenarbeit, die nach der Arbeit für Gedichtbände für den Coppenrath-Verlag ihre zweite angewandte Arbeit bedeutete. „Ich war froh, dass ich meinen Stil beibehalten konnte“, sagt die Illustratorin, die auch das Layout übernommen hat. Manche Seiten sind komplett farbig, manche nur vereinzelt illustriert. Sie lässt damit Platz und Raum für die eigene Fantasie, gerade im Traum-Teil.
Auch die Suche nach einem Verlag gestaltete sich enttäuschend und frustrierend. „Das Schwierige ist die vorgefertigte Verlagswelt“, findet Anne Weigel. In diese haben Annika Langer und Anne Weigel mit ihrem Buch „Kiki und Kuru“ wohl nicht reingepasst. Irgendwann hat es für Annika Langer gepasst. „Dieses schöne Buch soll weder im Mülleimer landen noch in meiner Schublade sein Dasein fristen – es muss rauskommen. Wirmachen das jetzt selbst“, entschied die Rentnerin. Nach langer Recherche wurde sie quasi über Nacht zur Verlegerin.

„Ich bin immer noch begeistert von meinem Buch“, freut sich Annika Langer, die immer wieder neue Themen in ihrer Geschichte verwoben entdeckt. Darin geht es um das kleine Mädchen Kiki, das auf dem Nachhauseweg von der Schule etwas Schreckliches erlebt. „Heute ist es nun mal so, dass die Eltern nicht immer da sein können“, sagt Langer, die das auch nicht negativ sieht. „Das ist oft so, dass man halt das mit sich selbst ausmacht oder zu anderen geht“, so die Autorin. Kikis Mutter etwa zeigt viel Liebe und Geborgenheit, unterstützt ihr Kind aber auch, stärkt es und kann loslassen.

Kuru hilft, Ängste zu überwinden

Auch Kiki hat niemanden zu Hause, dem sie sich sofort anvertrauen könnte. Sie blättert in einem Buch über Australien, in dem sie das Bild einer Kängurumutter mit einem Kind im Beutel sieht und schläft kurz darauf ein. Im Traum, der von Anne Weigel farbenprächtig illustriert ist, lernt Kiki Kuru kennen. „Ich würde gern so groß und stark und mutig sein wie du“, wünscht sich das Mädchen. „Du musst nur wollen und bereit sein“, entgegnet ihr das Känguru. „Bereit zu üben und bereit, an dich zu glauben!“ Und so beginnt sich Kiki ihren Ängsten zu stellen. Dabei ist die Geschichte bewusst aus der Sicht des Kindes geschrieben.

Annika Langer appelliert mit ihrem Buch daran, dass Kinder eine Person brauchen, die sie unterstützt und an sie glaubt. „Das kann irgendein Mensch sein, der einfach sagt: ‚Du schaffst das‘ – egal ob Mutter, Vater, Tante oder Onkel“, sagt Langer. Sie habe das Buch nicht aus pädagogischen Gründen geschrieben, betont Langer, die ausgebildete Erzieherin und Erwachsenenbildnerin und Mediatorin ist. Neben ihren Aufgaben hat sie bei der evangelischen Familienstätte sich ehrenamtlich engagiert.

„Die Idee ist auch in der Wirklichkeit brauchbar“, sagt Langer. Gerade beim Kinder- und Jugendtelefon beriet sie oft Kinder, die gemobbt wurden. Denen riet sie, mehr Selbstvertrauen zu zeigen. „Wer an sich glaubt und selbstbewusst ist, kommt anders durch die Welt als jemand der ausstrahlt: ‚Rühr mich nicht an‘“, weiß die Schwedin, die mit ihrem Buch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene zum Nachdenken anregen will.

  • Annika Langer: „Kiki und Kuru“, Verlag Annika Langer Marburg, 52 Seiten, 14,90 Euro, ab 6 Jahren.

von Mareike Bader

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