Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
„Kifög - wir sagen nein“ : Ein „Gesetz für die Mülltonne“

Kundgebung in Marburg „Kifög - wir sagen nein“ : Ein „Gesetz für die Mülltonne“

Flagge zeigen gegen das geplante Kinderförderungsgesetz (Kifög): Gestern sendeten 500 Menschen in Marburg ein deutliches Signal nach Wiesbaden. Dort steht heute im Landtag eine Anhörung zum Thema an.

Voriger Artikel
Name für neue Schule wird noch gesucht
Nächster Artikel
Schwarz-Grün hat keine Grundlage

Mit Trillerpfeifen und Plakaten machten die Teilnehmer deutlich, was sie vom „Kifög“ halten – nichts.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Trillerpfeifen und unmissverständliche Plakate: Gegen die „Kifög-Haltung“ oder „Kinderbetreuung im Minutentakt“ wurde protestiert. „Kinder fördern statt aufbewahren“ hieß der Gegenentwurf für das, was CDU und FDP mit dem Kifög planten. Auch das eigens für die Proteste getextete und gemeinsam inbrünstig gesungene Lied „Kifög - wir sagen nein“ machte deutlich, was Erzieher und Eltern befürchten.

Während die schwarz-gelbe Koalition eine bessere Kinderbetreuung verspricht, befürchten viele Träger von Kitas, Gewerkschaften und Elternvertreter das Gegenteil: Größere Gruppen, kürzere Öffnungszeiten, schlechtere Betreuungsqualität und weniger Fachpersonal.

Die Abkehr von der Gruppenförderung hin zu einer Förderung pro Kitaplatz werde dafür sorgen, dass die Gruppen größer werden (müssen). Die Kommunen bekämen den schwarzen Peter zugeschoben, kritisierte Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) in seinem Grußwort. Marburg habe bei der Kinderbetreuung Standards gesetzt, das werde aber nicht honoriert. Stattdessen würden Anreize gesetzt, wirtschaftlich zu denken, um in den Genuss der vollen Förderung kommen zu können. Das sei falsch, so Vaupel.

Auch die anderen Redner auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz ließen kein gutes Haar an dem Entwurf der Landesregierung. Gewerkschaftssekretär Jürgen Lauer von Verdi, das zusammen mit Eltern zu der Kundgebung aufgerufen hatte, forderte: „Zieht das Gesetz zurück“ und „diskutiert erst mit Fachleuten“, statt so etwas „von oben herab zu beschließen“.

 

Sein Verdi-Kollege Julian Jaedicke ließ die Argumentation der Landesregierung, es werde jetzt mehr Geld zur Verfügung gestellt als bisher, nicht gelten. Das sei ja, als ob man statt bisher zwei Schnitzel jetzt zehn Schnitzel kaufe und daraus folgere, dass die Qualität deutlich besser sein muss - man habe ja schließlich noch nie so viel Geld für Schnitzel ausgegeben. Ein pädagogisches Konzept fehle dem Kifög völlig, so Jaedicke. So mache man den Beruf nicht attraktiver und verschärfe eher noch den Fachkräftemangel.

Die Marburger Erzieherin Cordula Tschirschnitz verdeutlichte, wie es sich anfühlt, wenn vieles von dem, was die Arbeit ausmache, künftig nicht mehr zu leisten sei: „wie ein Förster, der nicht in den Wald gehen kann“.

Fehlende Anerkennung für das, was in den Kitas geleistet werde, stecke auch in den Plänen. Symbolisch warfen die Erzieherinnen all das in die Mülltonne, was künftig auf der Strecke bleibe - von der Kleingruppenarbeit, über Zeit und die Freude am Beruf bis zum Waldtag - um es unter dem Jubel der Teilnehmer am Ende wieder hervorzuholen. Schließlich wolle man das ja alles auch weiter in den Kitas leisten - ohne Kifög.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr