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Kienzle beklagt Unwissen über Islam

Feier der Muslime Kienzle beklagt Unwissen über Islam

Die Islamische Gemeinde Marburg will Vorbild sein im Zusammenleben mit anderen Religionen. Ihr Gastredner Ulrich Kienzle sagte: „Die Muslime beginnen, sich zu integrieren, und die Deutschen schotten sich ab.“

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Der ehemalige TV-Kolumnist Ulrich Kienzle.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir müssen immer wieder erklären, wer wir sind und was wir tun“, sagte Monika Bunk, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde am Samstag auf der Veranstaltung „60 Jahre Marburger Muslime und 30 Jahre Marburger Moschee“ im Audimax des Uni-Hörsaalgebäudes. Das hätten die Vertreter der beiden Religionen gemeinsam. Dass der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde, Dr. Bilal El-Zayat, im vergangenen Jahr die Torarolle mit beschrieben habe, habe weltweite Aufmerksamkeit erfahren. Mit Dechant Franz Langstein von der katholischen Kirche und dem evangelischen Probst Helmut Wöllenstein waren noch weitere Vertreter von Religionen zu dem Fest gekommen.  „Islamophobe Tendenzen, die in Deutschland und Europa erschreckende Ausmaße angenommen haben, sind in Marburg bis heute überschaubar geblieben“, erklärte Dr. Mohamed Khallouk, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Muslime und selbst Marburger. „Die Marburger Muslime demonstrieren, dass sie keinen Individualglauben im Hinterhof leben, sondern bereit sind, ihren Glauben als sichtbaren Bestandteil städtischer Kultur zu praktizieren.“ Zeichen dafür sei die noch nicht fertiggestellte Moschee.

Jubiläumsfeier 60 Jahre Marburger Muslime und 30 Jahre Marburger Moschee im Audimax. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Dr. Ulrich Kienzle, früherer TV-Korrespondent für die arabische Welt, hielt den Festvortrag. „Wenn man die Grußworte gehört hat, muss man annehmen, es ist alles Friede, Freude, Eierkuchen“, sagte Kienzle. Dem sei nicht so. „Die Muslime beginnen, sich zu integrieren und die Deutschen schotten sich ab“. Jeder Zweite sei nicht der Meinung, dass der Islam zu Deutschland gehöre. „Fast jede Woche geschieht ein Attentat, fast immer sind Muslime beteiligt.“ Die Bilder in den Medien hätten dramatische Wirkung. „Es entsteht der Eindruck, dass alle Muslime Mörder wären.“ Es sei wichtig, zu erkennen, dass es den einen Islam nicht gebe, sondern viele unterschiedliche Richtungen. „Das Unwissen über den Islam ist eines der ganz großen Probleme hierzulande.“ Die Terrorgruppe Islamistischer Staat beriefe sich auf einen Satz aus Sure 9, „Tötet alle Ungläubigen“ und machte ihn zu einer politischen Ideologie. „Im Koran heißt es aber auch, ,Wer nur einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit‘“. Die Islamisten hätten es geschafft, dass der Konflikt in Deutschland stärker werde und eine Partei entstanden sei, die keine guten Absichten habe. „Das ist eine Entwicklung, gegen die wir uns wehren sollten, da sind wir alle gefragt.“ „Wir werden alles dafür tun, dass Marburg friedlich bleibt“, erklärte Dr. Hamdi Elfarra von der Islamischen Gemeinde. „Wir haben hier eine andere Auffassung vom Islam und dem Zusammenleben der Religionen und wir können ein Vorbild für alle Städte sein, deutschland-, europa- und weltweit.“ „Was wir tun müssen, ist nicht voreilig zu sein, der Anteil dieser Gruppe an der Gesellschaft ist klein“, dichtete Iman Laghmari, Poetry-Slammerin aus Köln im Anschluss. „Der Triumph über das eigene Ego ist der wahre Sieg im Islam.“

Annika Langer vom „Förderverein für das Marburger Kultur- und Bildungszentrum mit Moschee“, der sich als einer von mehreren Vereinen im Foyer vor dem Audimax präsentierte, warb für ein Lichtkunstprojekt. Finanziert mit Spenden sollen zur Eröffnung der Moschee fünf Lichtsäulen davor zu sehen sein, angelehnt an die fünf Säulen des Islams, aber auch die Vielfalt in der Stadt. „Für Marburg als Vorbild braucht es ein Symbol, das man auch von der Ferne aus sehen kann“, so Langer. El-Zayat berichtete, dass der Moscheebau langsamer voranschreite, als sich das die meisten gewünscht hätten. Er versprach: „Wir werden vor dem neuen Berliner Flughafen fertig.“ Symbolisch wurde am Samstag eine große Sahnetorte in Form einer Moschee präsentiert – und verspeist. Viele Speisen und Getränkedosen gab es gegen eine Spende – auch für die neue Moschee.

von Freya Altmüller und Anna Ntemiris

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