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Keine Zeit mehr für die Studierenden?

Kritik durch Asta Keine Zeit mehr für die Studierenden?

Zehn Jahre nach dem Verkauf des Universitätsklinikums an die Rhön-AG sind die negativen Folgen für die Ausbildung von Medizinstudenten nicht zu übersehen, sagt der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Philipps-Universität Marburg.

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Asta-Referentin Maria Hagen.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Maria Hagen, hochschulpolitische Referentin des Asta, spricht von „verheerenden Folgen“ für Forschung und Lehre. Die „unverantwortlich hohen Arbeitszeitverdichtungen bei den beschäftigten Ärztinnen und Ärzten“ führten zu Einschnitten in der Lehre: „Lehrende treffen verspätet zu Lehrveranstaltungen ein, weil sie noch Aufgaben in der Krankenversorgung zu erledigen haben, oder sie müssen den Hörsaal früher verlassen“, schildert die Asta-Referentin den „Alltag“ in der Mediziner-Ausbildung. Hintergrund: Hochschullehrer und Mitarbeiter des Fachbereichs Medizin sind zugleich Angestellte des Rhön-Konzerns. Und bei den chronisch überlasteten Mitarbeitern falle die Lehre als Erstes hinten runter.

Nach Auffassung des Asta ist der zu geringe Stellenwert der Ausbildung im Dreiklang zwischen Wissenschaft, Lehre und Krankenversorgung eindeutig auf die private Organisationsform des UKGM zurückzuführen. Zwar gebe es ebenfalls an anderen Hochschulstandorten Defizite, weil es auch dort Probleme mit der Finanzierung der Hochschulmedizin gebe, räumt Hagen ein. Marburg werde aber als Studienort für Mediziner zunehmend unbeliebt. „Und wer sein Medizinstudium beendet hat, verlässt Marburg so schnell wie es ihm möglich ist“, sagt Hagen.Der Asta fordert, dass die Lehrenden des Fachbereichs Medizin tatsächlich für die Dauer der Lehrveranstaltungen freigestellt werden.

Es mangelt an Promotionsplätzen

Auch die Forschung an der Uniklinik leidet durch fehlende Investitionen und Stellen, sagt Hagen. Dies schlägt sich in einer schlechten Betreuung von Promovierenden nieder. Zudem fehlen ausreichend Promotionsplätze.

Es fehlten Konzepte für eine sinnvolle Organisation des Studiums. Die Fachschaft Medizin, die Interessenvertretung der Studierenden, erarbeite zwar Regelungen, aber „es braucht eine Vielzahl von Regelungen, um das Medizinstudium qualitativ wirklich besser zu machen“.

Am 31. Januar 2006 hatte der Hessische Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP dem Verkauf von 95 Prozent der Gesellschafteranteile des Universitätsklinikums Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum AG zugestimmt.

von Till Conrad

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