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Keine Wiedervereinigung „ohne Gottes Hilfe“

Vortrag von Friedrich Bohl Keine Wiedervereinigung „ohne Gottes Hilfe“

Eingeladen zu dem Vortrag hatte der evangelische Arbeitskreis für den Kreisverband der CDU in Marburg-Biedenkopf.

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Friedrich Bohl.

Quelle: Tobias Hirsch (Archiv)

Bauerbach. „Man braucht ein Fundament, um erfolgreich arbeiten und gestalten zu können“, sagte Friedrich Bohl (CDU), ehemaliger Chef des Bundeskanzleramtes in der evangelischen Kreuzkirche Bauerbach. Dieses Fundament sei der Glaube. Bohl, der 1945 in Niedersachsen geboren wurde, entwickelte schon früh den Wunsch, aus christlicher Verantwortung Politik zu machen. Als Jugendlicher verfolgte er im Fernsehen die Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes und den Bau der Mauer. Die Ereignisse hätten ihn sehr bewegt und seinen Weg zu politischem Engagement geebnet. Sich aus christlicher Verantwortung einzubringen sei für das Funktionieren des Gemeinwesens unerlässlich. Als Politiker müsse man sich jedoch trotz der Verpflichtung dem christlichen Glauben gegenüber selbst ein Urteil bilden. Ende der Siebziger unterstützte Bohl den Nato-Doppelbeschluss zur Nachrüstung gegen die Sowjetunion, obwohl die Kirche dagegen war.

In der Politik gelte es, pragmatische Entscheidungen zu treffen, aber viele beträfen auch den christlichen Glauben, von den Ladenschlusszeiten bis hin zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. 1983 stimmte Bohls Fraktion für die Amnestie von Parteispenden, er, als Einziger, war dagegen. Der Vorschlag wurde letztlich verworfen. Für solche Gewissensfragen jedoch gebe es im Bundestag Gruppenanträge unterschiedlicher Fraktionen.

Zu der Frage, inwieweit der christliche Glaube im politischen Alltag eine Rolle spiele, zitierte der 71-jährige Referent Helmut Kohl. Der Weg zur Einheit sei wie die Durchquerung eines Hochmoors bei Nebel gewesen. Man habe sich Schritt für Schritt vorgetastet und sei wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen. „Ohne Gottes Hilfe hätten wir das nicht geschafft“, schrieb Kohl.

„Auch die Wiedervereinigung, ohne, dass ein Schuss gefallen ist, wäre ohne Gottes Hilfe nicht möglich gewesen“, ergänzte Bohl.

Anschließend sagte Zuhörerin Christiane Binz: „Ich stelle es mir wahnsinnig schwer vor, die beiden Pole in der Politik zu verwirklichen.“ Als Christin habe die Bundeskanzlerin mit der Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge sicherlich die richtige Entscheidung getroffen, aus politischer Sicht aber möglicherweise eine falsche. Bohl antwortete mit den Worten des Bundespräsidenten: „Wir wollen helfen. Unser Herz ist weit. Doch unsere Möglichkeiten sind endlich“. Dennoch könne man keine Obergrenze festlegen, da laut Artikel 16 jeder politisch Verfolgte das Recht habe, dass sein Asylantrag geprüft werde.

von Freya Altmüller

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