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Keine Spur von Politikverdrossenheit

Erster hessischer Kinder- und Jugendkongress Keine Spur von Politikverdrossenheit

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer führte die sechsköpfige Politikergruppe an, die aus Wiesbaden nach Marburg gekommen war, um dort mit 80 Schülern aus ganz Hessen ins Gespräch zu kommen.

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Rund 80 Schülerinnen und Schüler waren aus ganz Hessen zum ersten Kinder- und Jugendkongress nach Marburg gekommen, um mit sechs Politikerinnen und Politikern aus dem Landtag über Schule, Freizeitangebote und Verkehr zu diskutieren.Foto: Marcius Hergenhan

Marburg. „Bald werdet ihr es sein, die sich in diese Gesellschaft einbringen, die unser aller Zukunft mitgestalten, wir können uns also glücklich schätzen, hier so viele an Politik interessierte Jugendliche zu haben,“ mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im Technologie- und Tagungszentrum den ersten hessischen Kinder- und Jugendkongress. „Diese jungen Menschen räumen heute mit dem Vorurteil auf, dass ihre Altersgenossen stets desinteressiert an politischen Themen sind“, sagte Landrätin Kirsten Fründt (SPD).

Das Konzept war als durchaus anspruchsvoll zu bezeichnen, sowohl für die Schüler, die in Gruppen diverse Diskussionsthemen ausgearbeitet hatten, als auch für die geladenen Politiker. Die Organisatoren Marie-Muriel Müller, Referentin des Magistrats für den Bereich Jugendbildung, Holger Marks vom Fachdienst Jugendförderung und Bürgermeister Kahle konnten zufrieden sein. Sie hatten mit Dr. Thomas Schäfer (Finanzminister/CDU), Lisa Gnadl (Jugendsprecherin/SPD), Angelika Löber (Verbraucherschutz/SPD), Daniel May (Hochschulpolitik/Grüne), Marjana Schott (Sozialpolitik/Linke) und Wolfgang Greilich (schulpolitischer Sprecher/FDP) gleich sechs Vertreter des Landtags gewinnen können. Es gab jeweils etwa eine Stunde Zeit für den Austausch, danach forderte Moderator Bo Wimmer die Vertreter des Landtags zum Gruppenwechsel auf, sodass jeder Politiker mit jeder Arbeitsgruppe über die jeweiligen Themen sprechen konnte. Auch die jugendlichen Organisatoren konnten aufatmen, der Sprecher des Kreisjugendparlaments Erik Weiershausen (17) und der Vorsitzende des Kinder- und Jugendparlaments Marburg (KiJuPa) Jona Hartmann (17) waren sichtlich zufrieden. „Wir sind sehr stolz darauf, dass in Marburg diese Parlamente überhaupt existieren, diesen Luxus haben die meisten der Schüler, die heute aus ganz Hessen hier sind, nämlich nicht.“

Der entscheidende Vorteil einer solchen parlamentarischen Jugendvertretung liegt dabei in der Möglichkeit, Anträge einzureichen, wie etwa für mehr Zebrastreifen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Tatsächlich haben die gewählten Jungpolitiker in diesem Punkt ihre gleichaltrigen Mitstreiter in der Partnerstadt Poitiers übertroffen, die seinerzeit Bürgermeister Gerhard Pätzold als Inspiration für das Marburger KiJuPa dienten.

Besuch aus Poitiers

Um diesen Fortschritt und das Event zu würdigen, war der Amtsträger für den Bereich Jugend, Francois Blanchard, extra aus Poitiers angereist und ermutigte die Kinder und Jugendlichen, diesen Kurs weiter zu verfolgen. Eben das tun die engagierten Schüler mit Erfolg. „Bislang kam der Großteil unserer Anträge auch durch, lediglich bei den Bus-tickets für Schüler, die weiter als drei Kilometer von der Schule entfernt wohnen, sind wir bislang nicht weiter,“ so Hartmann und Müller. Dieses Thema war auch einer der Diskussionspunkte, denen sich die Politiker am Gruppentisch „Verkehr“ zu stellen hatten. Den Schülerinnen und Schülern ging es dabei darum zu verdeutlichen, wie ungerecht es ist, Entfernungen per „Luftlinie“ zu bestimmen.

Natürlich waren auch klassische Streitpunkte der Schulpolitik vertreten. So setzte sich beispielsweise die Diskussionsgruppe von Nina Bellersheim (16) unter anderem für die Umgestaltung der Notenskala in „Begabungsfächern“ ein. „Wir möchten, dass Fächer wie Sport oder Kunst nur noch mit den Noten 1 bis 3 oder ,teilgenommen‘ bewertet werden, außerdem dürfen abweichende Glaubensansichten nicht mehr in die Religionsnote einfließen, was leider immer noch oft der Fall ist, und gerade verbeamtete Lehrer sollten regelmäßig getestet werden.“

von Marcus Hergenhan

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