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Keine Sperrung, aber ein "Kompromiss"

Verkehr in der Nordstadt Keine Sperrung, aber ein "Kompromiss"

Oberbürgermeister Egon Vaupel will die Verwaltung anweisen, die Planungen für den Zweirichtungsverkehr in der Robert-Koch-Straße und der Bunsenstraße sowie Tempo 30 in Bahnhofstraße und Elisabethstraße voranzutreiben.

Marburg. Das kündigte Vaupel am Dienstagabend nach der Bürgerinformationsveranstaltung zur Verkehrsentwicklung in der Nordstadt an. Die Variante sei ein „Kompromiss“ zwischen der ursprünglichen, auch von ihm selbst und der rot-grünen Koalition favorisierten Sperrung der Elisabethstraße für Pkw und der jetzigen Verkehrsführung. Das Verkehrsplanungsbüro BSW aus Aachen hatte verschiedene Varianten auf ihre verkehrstechnische Machbarkeit untersucht.

Vaupel hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung öffentlich gesagt, dass die Ergebnisse der BSW-Untersuchung eine Sperrung der Elisabethstraße für Pkw ausschlössen. Ausgeschieden war schon zu einem früheren Zeitpunkt die Überlegung, die Einbahnstraßenrichtung in der Elisabethstraße umzudrehen.

Schon im Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahr 2001 war die Sperrung der Elisabethstraße für Pkw vorgesehen wurden. Wie Axel C. Springsfeld, Verkehrsplaner bei BSW, am Dienstag vor knapp 70 Zuhörern erläuterte, setze diese Variante aber voraus, dass die Stadtbusse in beiden Richtungen durch die Elisabethstraße fahren müssten - zwischen 60 und 70 pro Stunde.

Vor allem aber müsste der Verkehr aus Richtung Wehrda über die Bahnhofstraße gelenkt werden - und würde am Knotenpunkt Bahnhofstraße/Robert-Koch-Straße/Rosenstraße das nächste Problem verursachen: Die Kreuzung mit ihren vier Fußgängerüberwegen wäre in den Spitzenzeiten mit dann bis zu 1000 Pkw pro Stunde nicht leistungsfähig genug, der Fußgängerüberweg über die Robert-Koch-Straße müsste weichen. Ein wesentliches Argument gegen diese Variante, solle doch mit der Neuregulierung des Verkehrs in der Nordstadt nicht nur die Aufenthaltsqualität im Quartier erhöht werden, sondern vor allem der schwächste Verkehrsteilnehmer geschützt werden.

Kritik durch Schuch

Tempo 30 in der westlichen Bahnhofstraße und in der Elisabethstraße gemeinsam mit der entsprechenden Umgestaltung der Straßenräume und eine Reihe anderer Maßnahmen von der Ausweitung der Außengastronomie über Begrünung getrennte Fahrstreifen für die unterschiedlichen Verkehre komme diesen Zielen nahe, sagte Springsfeld. Statt 800 Pkw in Spitzenstunden würden „nur“ noch 500 die Elisabethstraße queren.

Heftige Kritik an diesen Aussagen kam vor allem von Wolfgang Schuch. Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs erklärte, in Wortwahl und Ton ein wenig unfein, er fühlte sich von der Haltung Vaupels „schlichtweg verarscht“. Es habe im Laufe des Beteiligungsverfahrens „ganz klare Mehrheiten“ für die Sperrung der Elisabethstraße gegeben. Die Abkehr von dieser Planung produziere „Politikverdrossenheit und Wutbürger“.

Andrea Suntheim-Pichler, Stadtverordnete der „Bürger für Marburg“, hielt im Gegenzug Schuch vor, selbst 80 Teilnehmer bei dem Workshop im Januar seien nicht repräsentativ für die Stimmung in der Stadt.

Marburgs Baudirektor Jürgen Rausch machte aber noch einmal deutlich, dass die jetzt favorisierte Lösung ein Kompromiss sei. Man müsse die Ergebnisse der Verkehrsmessung zur Kenntnis nehmen. Die Ketzerbach werde bei der jetzt favorisierten Lösung deutlich vom Verkehr entlastet, die Aufenthaltsqualität erhöht.

Eine Reihe von Teilnehmern - die vermutet klare Mehrheit im Saal - äußerte hingegen Zustimmung zu den vorgestellten Plänen.

Nach telefonischer Verständigung mit dem erkrankten Bürgermeister Dr. Franz Kahle teilte der Oberbürgermeister am Ende mit, dass er die Planungen vorantreiben lassen werde. „Man muss dann einfach die Entwicklung der Verkehre beobachten“, ließ der Verkehrsdezernent aber ein Türchen für weitere Änderungen an der Planung offen.

von Till Conrad

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