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Keine Schuld, aber Verantwortung

Vaupels Botschaft nach Namibia Keine Schuld, aber Verantwortung

Die Menschenrechtlerin Dr. Olga Karumuao überreichte der Stadtspitze am Freitag die Forderung mehrerer namibischer Stammeshäuptlinge nach Abbau des Kriegerdenkmals in Bortshausen.

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Dr. Olga Karumuoa überreicht Briefe von Häuptlingen namibischer Völker an Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (links) und Oberbürgermeister Egon Vaupel

Quelle: Till Conrad

Marburg. Hintergrund ist die Beteiligung von Angehörigen der „Marburger Jäger“ an den Gräueltaten deutscher Soldaten an den Herero im damaligen Deutsch-Südwestafrika 1904.

„Es ist gut, dass Sie hier sind“, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel, der gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer die Briefe in Empfang nahm. Darin fordern die Häuptlinge der Herero, der Nama und anderer Völker in Namibia den Abbau des Denkmals in Bortshausen. „Es ist gut, dass wir über die Geschehnisse reden können“, fügte Vaupel hinzu und kündigte an, die Briefe übersetzen und den Fraktionen im Stadtparlament zukommen zu lassen.

„Wir tragen keine Schuld, aber wir tragen Verantwortung“, sagte Vaupel mit Blick auf die Ereignisse in Namibia 1904. Nur mit dieser Haltung könne man in Deutschland die Zukunft angehen. Für ihn gehöre zu Frieden auch gute Nachbarschaft unter den Völkern.

Vaupel machte aber auch klar, dass ihm bezüglich der Forderung aus Namibia Grenzen gesetzt sind. Derzeit ist noch eine rechtliche Auseinandersetzung im Gange, um die Frage zu klären, ob die Aufstellung des Steines auf einem Privatgelände in Bortshausen rechtens sei.

„Man hat Tätern die Aufstellung eines Denkmals ermöglicht, das in unsere Zeit nicht passt“, kritisierte Karsten Engewald von der „Initiative gegen das Kriegerdenkmal in Bortshausen“, der Olga Karumuao begleitete.

Die promovierte Lehrerin berichtete bei ihrem Besuch im Rathaus außerdem über ihre Bemühungen, in unmittelbarer Nähe der damaligen Schlachtfelder in Namibia ein Berufsbildungszentrum aufzubauen. Es handelt sich um ein Schul- und Ausbildungsprojekt, das vor allem für diejenigen Kinder und Jugendlichen gedacht ist, die keinerlei Bildung und Unterstützung erhalten. Diese sind hauptsächlich Nachfahren der nahezu von deutschen Truppen ausgerotteten Herero und Nama.

Nichtstaatliche Unterstützung für solche Projekte sei lebenswichtig angesichts des Umstands, dass Entwicklungshilfe aus Deutschland oft an den Menschen vorbei fließe, für die sie gedacht sei.

Vaupel versprach, die Briefe an ihn zu beantworten, warb aber auch um Verständnis für die Nachfahren der Täter. Auf dem Weg zur Verständigung müsse man alle Menschen mitnehmen, die mitgenommen werden möchten.

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Deutsche Kriegsverbrechen in Namibia
Karsten Engewald zeigt Dr. Olga Karumuao aus Namibia das Kriegerdenkmal in Bortshausen. Sie ist entsetzt.

Dr. Olga Karumuao (57) ist eigens nach Marburg gereist, um das Denkmal zu sehen, mit dem auch der Soldaten gedacht wird, die an dem Völkermord an den Herero 1904 bis 1908 beteiligt waren.

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