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Keine Handhabe gegen "Wunderheiler"

Esoteriker in der Stadthalle Keine Handhabe gegen "Wunderheiler"

"Hilfe und Heilung auf geistigem Weg" verspricht eine Broschüre des „Freundeskreises Bruno Gröning“. Fachleute halten die Versprechen des Vereins für gefährlichen Unsinn.

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Der „Freundeskreis Bruno Gröning verspricht Schwerkranken Heilung durch einen „Heilstrom“. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. In vielen Briefkästen liegen in diesen Tagen Flyer für einen Vortrag, der am Sonntagnachmittag in der Marburger Stadthalle stattfinden soll. Der „Freundeskreis Bruno Gröning“ lädt dazu ein unter dem Versprechen: „Es gibt kein Unheilbar“.

Der 1979 gegründete Bruno-Gröning-Freundeskreis beruft­ sich auf den „Wunderheiler“ Bruno Gröning. Gröning trat ab 1949 in Deutschland als Wunderdoktor, Geistheiler und Quacksalber auf. Er behauptete, von Gott gesandten „Heilstrom“ an Kranke weiterzuleiten. Der „Freundeskreis“ macht es sich zur Aufgabe, diese Auffassung von „Heilung“ zu verbreiten - unter anderem durch öffentliche Vorträge.

Dieter Häusler, Pressesprecher des Freundeskreises, sagte auf Anfrage der OP, in Marburg würden Menschen auftreten, „die Heilung erlebt haben“. „Durch Aufnahme des Heilstroms werden sie von ihrer Krankheit frei“, behauptet der Pressesprecher, der angibt, selbst alkoholkrank gewesen und durch den „Heilstrom“ befreit worden zu sein.

Das Prinzip des Freundeskreises ist überall gleich: In den kostenlosen Vortragsveranstaltungen werden Schwerkranken Hoffnungen gemacht, sie könnten von ihren Leiden befreit werden, auch wenn die Schulmedizin nicht mehr helfen könne. „Der liebe Gott ist der Arzt“, behauptet Häusler. Und: Wer sich auf den Freundeskreis und die Lehre Grönings einlasse, tue dies völlig kostenlos und ohne­ jegliche Verpflichtung. Wer spenden oder sich engagieren wolle, könne dies aber tun. ­„Jeder gibt so viel, wie er will.“ Sicherheitshalber sagt der Pressesprecher aber noch im OP-Gespräch, Interessierte sollten ihre schulmedizinische Behandlung durch den Arzt nicht abbrechen.

Ziel ist aber laut Selbstauskunft des Freundeskreises, Interessierte für sogenannte „Gemeinschaftsstunden“ zu finden, in denen „vertiefend“ die Heilslehre von Gröning erlernt werden soll.

Fachleute sprechen von sektenähnlichen Strukturen. Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck, Pfarrer Oliver Koch, spricht von einem „okkult-magischen Weltbild“ des Freundeskreises. Die Botschaften des Freundeskreises schürten bei Kranken „utopische und übersteigerte Heilungserwartungen“, sagte Koch schon im Jahr 2015. Die Behauptung des Freundeskreises, dass es keine unheilbaren Krankheiten gebe, sei für Heilungsuchende eine gefährliche Irreführung.

Veranstaltung ist als „Arztvortrag“ angemeldet

Die Stadt Marburg hat dem „Freundeskreis“ die Nutzung der Stadthalle für den Vortrag genehmigt. Das Erwin-Piscator-Haus sei eine öffentliche Einrichtung, die jeder im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kapazitäten in Anspruch nehmen dürfe, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf Nachfrage der OP. Die Stadt könne die Vermietung öffentlicher Räume nur ablehnen, wenn es rechtliche Gründe gebe, die gegen den Mieter oder den Zweck der Anmietung sprechen. „Das heißt, wenn die Räume zum Beispiel für strafrechtlich relevante Zwecke genutzt würden“, sagte Spies.

Der OB teilte mit, dass die Stadt vor ihrer Entscheidung recherchiert habe. „Weder bei der Polizei noch beim Ordnungsamt lagen Anzeigen oder Beschwerden gegen die Organisation vor“, sagte Spies. Und Polizei-Pressesprecher Martin Ahlich sagte, der Name des Freundeskreises „sage ihm nichts“.

Laut Stadt wurde die Veranstaltung als „Arztvortrag“ angemeldet, der Veranstalter erwarte etwa 50 Gäste.

von Till Conrad

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Wunderheiler
Der Schein trügt: Auch diese Krücken wurden nach dem Vortrag über die Wunderheilungen Bruno Grönings noch benötigt.  Foto: Nadine Weigel

Es hat ein wenig von Götzenverehrung, die Zusammenkunft des Freundeskreises „Bruno Gröning“, bei der Menschen berichten, wie sie von ihren ­Leiden geheilt wurden.

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