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„Keine Chance, ein Leben aufzubauen“

Hungerstreik im Flüchtlings-Camp „Keine Chance, ein Leben aufzubauen“

„Nicht nach Rotenburg“: Dutzende Flüchtlinge in der Cappeler Erstaufnahme-Einrichtung wehren sich gegen eine Verlegung nach Osthessen. Der Hungerstreik sei „die letzte Hoffnung, hierbleiben zu dürfen“.

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„Wir wollen in Marburg bleiben“, sagen Dutzende Bewohner des Cappeler Camps.

Quelle: Nadine Weigel

Cappel. „Man behandelt uns wie Vieh, wir haben keine Chance irgendwo richtig anzukommen und uns endlich ein Leben aufzubauen“, sagt Adbi. Der 25-Jährige wohnt seit drei Wochen in Marburg nachdem er bereits zuvor drei Mal umgesiedelt wurde. „Hier habe ich zum ersten Mal das Gefühl, erwünscht, nicht nur Teil eines Tiertransports zu sein“, sagt der Eritreer. Ende des Monats hätte er einen Termin bei der Arbeitsagentur gehabt, wie ein Dokument, das er der OP zeigt, belegt.

„Muss ich wieder woanders hin, beginnt alles wieder von Null. Das macht mich traurig, das kann doch niemandem gut tun.“

Der aus dem Irak geflüchtete und seit sieben Monaten in der Erstaufnahme lebende Tarik (44) sagt: „Wir alle lieben es hier in Marburg. Man gibt uns die Möglichkeit für guten Sprachunterricht und Bildung, wir können über die Kultur lernen.“ Wazim aus Syrien ergänzt: „Es ist hier so ruhig, so friedlich, die Menschen sind freundlich. Das wünsche ich mir als Zuhause.“

Ihren seit Freitagmorgen andauernden Hungerstreik, wonach die Bewohner (Kinder ausgenommen) weder essen noch trinken, wollen sie so lange fortsetzen, bis ihnen der Verbleib in der Marburger Erstaufnahme garantiert wird.

Für einige, speziell die Gruppe äthiopischer Bewohner sind die Aussichten auf einen dauerhaften Verbleib in Deutschland jedoch generell minimal.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sprach kurz mit den Flüchtlingen. „Diese Menschen verstehen nicht, warum sie so plötzlich das Camp verlassen sollen. Sie haben Schreckliches hinter sich, würden sehr gerne hierbleiben“ Er habe angesichts der Betreuungs-Voraussetzungen in Marburg „kein Verständnis“ für die Schließungs-Entscheidung des Landes.

von Björn Wisker

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Rund 60 Bewohner der Erstaufnahme-Einrichtung in Marburg sind in den Hungerstreik getreten.

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