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Keine Angst vor politischem Vollzeitjob

Oberbürgermeisterwahl: Die Kandidaten Keine Angst vor politischem Vollzeitjob

Dr. Elke Neuwohner (38) will für die Grünen die erste Frau an der Spitze des Marburger Rathauses werden.

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Die Marburger Ärztin und OB-Kandidatin der Grünen, Dr. Elke Neuwohner beim OP-Gespräch am Kaiser-Wilhelm-Turm.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Die kann das“: Das ist der Slogan, der auf den Wahlplakaten der Grünen-Politikerin Dr. Elke Neuwohner zu lesen ist. Damit soll deutlich gemacht werden, dass eine Frau und fünffache Mutter es sich zutraut, den Oberbürgermeister-Posten in der Universitätsstadt Marburg zu übernehmen und mit Leben zu füllen.

Schon bisher schafft es Neuwohner, zusammen mit ihrem Mann das Familienleben mit den Kindern im Alter von zwei bis 17 Jahren zu organisieren, auch trotz ihres Teilzeit-Jobs als Ärztin in einer Landarzt-Praxis im Ebsdorfer Grund. Hinzu kommt schon seit Jahren ihr kommunalpolitisches Engagement. So sitzt sie für ihre Partei seit 2001 im Marburger Stadtparlament.

 

Dennoch weiß sie auch, dass der Posten einer Oberbürgermeisterin noch einmal zeitraubender und anstrengender sein würde. „Das ist ein Vollzeitjob“, sagt Neuwohner im Gespräch mit der OP. Zudem bringt dieser Posten die ungeschriebene Verpflichtung mit, an den Wochenenden bei Veranstaltungen der Stadt, der Vereine oder Initiativen präsent zu sein. Dennoch würde sie versuchen, diesen Posten anders auszufüllen. „Ich glaube, dass man auch als Oberbürgermeister das Anrecht hat, einen halben Tag am Wochenende frei zu haben“, sagt Neuwohner.

Denn zuviel Politik ohne Pause kann auch krank machen. So pocht sie auf ein neues Politikverständnis, wonach Kommunalpolitiker in einer solch herausgehobenen Position nicht unbedingt rund um die Uhr präsent sein müssten.

Über ihre Kandidatur hat sie vorab auch in der Familie mit dem Ehemann und ihren größeren Kindern gesprochen: Jetzt wird sie von der gesamten Familie unterstützt.

Bereits seit 17 Jahren wohnt Elke Neuwohner in Marburg. Aufgewachsen in Ostwestfalen hatte sie vorher zunächst zwei Jahre in Köln studiert, bevor es sie zusammen mit ihrem Mann nach Hessen zog. Mittlerweile hat sie sich sehr gut eingelebt in der Stadt. Das liegt auch daran, dass sie einen Arbeitsplatz als Landärztin vor den Toren von Marburg gefunden hat, der ihr viel Freude bereitet. „Man muss hier Verantwortung übernehmen“, berichtet sie von ihrer ärztlichen Arbeit, die selbstbestimmter als beispielsweise im Krankenhaus sei.

Realistische Einschätzungder "Stichwahl-Chance"

Spannend findet sie daran, dass Patienten aus einem großen Altersspektrum von Jung bis Alt in die Praxis kommen. „Man kennt dann bei vielen Patienten die ganze Familie“, erzählt Elke Neuwohner. Prinzipiell sieht sie das grüne Stimmenpotenzial in Marburg als durchaus hoch an. „Wir haben gute Themen und gute Arbeit gemacht“, gibt sie sich selbstbewusst. Jedoch räumt sie ein, dass es in der speziellen Konstellation des OB-Wahlkampfs schwierig sei, sich durchzusetzen. Da gebe es einerseits das bürgerliche Lager, das geschlossen hinter dem CDU-Bamberger steht. Und zudem gebe es noch ein breites Spektrum an Bewerbern aus dem links-alternativen Spektrum.Ihre Chancen, nach dem ersten Wahltermin am 14. Juni in eine zwei Wochen später avisierte Stichwahl mit dann nur noch zwei Bewerbern zu gelangen, schätzt sie deswegen realistisch ein.

„Das kann passieren. Es ist denkbar und möglich, aber es kann auch nicht klappen“, sagte sie der OP. Als einen persönlichen Erfolg ihrer Bewerbung würde sie schon ein Ergebnis bewerten, das besser ist als das Abschneiden ihres Parteikollegen, Bürgermeister Dr. Franz Kahle, bei der vergangenen OB-Wahl. Damals erzielte Kahle im ersten und einzigen Wahlgang, den bekanntlich Egon Vaupel (SPD) mit der absoluten Mehrheit der Stimmen für sich entschied, einen Stimmenanteil von 12 Prozent und landete somit auf Platz drei hinter Vaupel und Wieland Stötzel (CDU).

"Miteinander" als Lieblingsvokabel

Woran es liegt, dass die Grünen bei Personen-Wahlkämpfen in anderen Universitätsstädten wie Tübingen oder Darmstadt sehr viel erfolgreicher sind und dort sogar jeweils den Oberbürgermeister stellen, das kann auch Neuwohner nicht auf Anhieb erklären. „Vielleicht haben wir unsere Themen nicht selbstbewusst genug vermarktet“, versucht die Grünen-Kandidatin eine Erklärung.

Andererseits setzt sie in ihrem Wahlkampf, bei dem sie vorwiegend von einem Team von fünf Personen unterstützt wird, bewusst auf einen Kurs jenseits von harter Konfrontation und einem aggressiven Politikstil. Beides hat sie in der aktuellen Debatte in Marburg eher als Hindernis bei der Umsetzung von grünen Vorzeigeprojekten wie Windrädern oder einer Seilbahn auf die Lahnberge angesehen. Ganz persönlich verweist sie darauf, dass sie viel Herzblut in das Schaffen einer neuen Struktur für die Marburger Altenhilfe investiert hat. Als ihr „Herzensthema“ sieht Elke Neuwohner aber noch etwas anderes. „Man kann in Marburg schon gut gemeinsam und friedlich leben“, meint sie. Diese aus ihrer Sicht auch von den Marburger Grünen in den vergangenen Jahren mitgeschaffene Struktur mit einem guten Angebot in Sachen Kultur, Klimaschutz oder Radwegen gelte es zu bewahren und eventuell noch auszubauen. Dafür setzt sie auf ein „Miteinander“ der Marburger, eine Lieblingsvokabel in ihrem Wahlkampf.

von Manfred Hitzeroth

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