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„Kein Sauerstoff mehr in Europa“

Varoufakis spricht in Marburg „Kein Sauerstoff mehr in Europa“

Der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis sprach am Donnerstagabend im Marburger Technologie- und Tagungszentrum (TTZ). „Europa vom Kopf auf die Füße stellen“ lautete der Titel der Veranstaltung, die die Bundestagsfraktion Die Linke orga­nisiert hatte.

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Der Ökonom und Politiker Yanis Varoufakis sprach am Donnerstagabend in Marburg.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es kamen rund tausend Menschen und damit weit mehr als erwartet: Ein Teil der Besucher musste die Übertragung im Foyer hören, ein anderer Teil draußen vor der Tür. Zwei Tage zuvor hatte Varoufakis in Berlin eine neue linke „Bewegung zur Demokratisierung Europas“ gegründet, am Dienstagabend trat er als Talk-Gast in der ARD-Show von Sandra Maischberger auf.

Das Kapital kam wie ein „Tsunami nach Griechenland“: Menschen, die bislang keine Kreditkarten kannten, liehen sich Geld bei den Banken, um Häuser oder – deutsche – Autos zu kaufen. „In Griechenland gab es mehr Porsche Cayenne als in Deutschland“, sagt Yanis Varoufakis. Die Zuhörer lachen. Kein Scherz, erklärt der Ex-Finanzminister. Er wiederholt den Satz und geht immer wieder auf die Rolle der Banken im Zusammenhang mit der Finanzkrise und drohenden Staatspleite ein. Die Banken, sie haben sein Land und Europa in den Ruin gestürzt.

"Umwälzende Reform" gefordert

Dass die Veranstaltung der Bundestagsfraktion Die Linke in Marburg stattfindet und damit nicht weit von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, sei symbolisch, so Landesvorsitzende Heide Scheuch-Paschkewitz. Auch mithilfe der EZB sei die Verarmung Griechenlands vorangetrieben worden. „Europa vom Kopf auf die Füße stellen“ lautet der Titel des Vortrags von Yanis Varoufakis, der am Dienstag in Berlin die neue Demokratiebewegung „Democracy in Europe Movement 2025“ (DiEM25) gegründet hat. Das neue Netzwerk sieht der 54-Jährige als Alternative zu einem „Re-Nationalisierungs-Irrweg“ und einer Unterwerfung unter „anti-demokratische EU-Institutionen“. In Europa sei kein Sauerstoff mehr da, betont er in Marburg mehrmals.

Der linke Ökonom fordert eine umwälzende Reform der EU-Institutionen – von unten an. Die alte Politik sei tot, sagt er auf Englisch vor rund 350 Zuhörern im Saal, weitere 250 oder mehr hören seine Rede im Foyer. Weitere stehen draußen und hören per Lautsprecherübertragung die Rede. Der Andrang ist groß, es gibt viele Fragen an Yanis Varoufakis aus dem Publikum. Seit Jahrzehnten habe die Linke in Marburg bei Veranstaltungen nicht mehr so viele Besucher gehabt, sagt Landesvorsitzender Jan Schalauske. Im OP-Interview sagt Varoufakis, dass seine Vision überall in Europa auf fruchtbaren Boden stoßen können.

von Anna Ntemiris

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