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Kein Raum für rechte Verbindungen

Marktfrühschoppen Kein Raum für rechte Verbindungen

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass der Marktfrühschoppen am ersten Julisonntag auch in diesem Jahr nicht stattfindet.

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Der Marktfrühschoppen 2010.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wie Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) der OP sagte, ist er nach gegenwärtigem Erkenntnisstand nicht gewillt, dem Marktfrühschoppenverein eine Sondernutzungsgenehmigung für den Marktplatz zu erteilen.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Oberbürgermeister die Genehmigung nicht erteilt. Dagegen hat der Marktfrühschoppenverein Klage vor dem Verwaltungsgericht in Gießen eingereicht, wie Vaupel mitteilte. Vor einer endgültigen Entscheidung wolle er das Urteil noch abwarten, deutete er an.

Nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Marktfrühschoppenvereins forderte das Stadtoberhaupt schriftlich ein Sicherheitskonzept beim Veranstalter an, das ihm bis heute nicht vorliege. Zudem sei das Fest längst kein Fest mehr der Marburger Bürgerschaft oder der Marburger Studenten.

Der Veranstalter des Festes, der Marburger Marktfrühschoppenverein, sei nach dem Rückzug der Stadtteilgemeinden ein deutlich anderer Verein geworden, sagte Vaupel. Er sieht den Marktfrühschoppen deswegen als eine „gewerbliche Veranstaltung“ an.

Das einst „kürzeste Volksfest der Welt“ war im vergangenen Jahr nach einigen Jahren der Ruhe in die Schlagzeilen geraten, weil extrem rechte Burschenschaften dahin mobilisiert hatten und die Stadt daraufhin wegen Sicherheitsbedenken die Genehmigung nicht erteilte.

Vaupel schätzt, dass beim Stattfinden des Marktfrühschoppens kosten von etwa 40000 Euro für den Sicherheitsdienst anfallen würden. Das Stadtoberhaupt hält es nicht für gerechtfertigt, eine solche Summe für eine Veranstaltung auszugeben, die nur noch einen Bruchteil der Studierendenschaft und der Marburger Bürgerschaft anspreche.

Hinzu kommen politische Bedenken: Wenn rechte Verbindungen am Marktfrühschoppen teilnehmen wollten, dürfe man ihnen keinen „Präsentationsraum“ geben. „Ich weiß, dass der Vorwurf des Rechtsextremismus nur an einen ganz kleinen Teil der Marburger Burschenschaften und Verbindungen geht“, sagt Vaupel, „aber keine Stadt kann es sich leisten, über rechte Tendenzen hinwegzusehen.“

Parlament befasst sich mit Burschenschaften

Grüne und SPD bringen einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung ein, dass der Marktfrühschoppen nicht stattfinden soll. Auch die Marburger Linke will mit einem Antrag den Druck auf den Marktfrühschoppen verstärken.

Wer heute immer noch von einem Fest „der“ Bürger mit „den“ Studierenden rede, verschließe die Augen vor der Realität und den Entwicklungen, die der Frühschoppen genommen hat, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Dietmar Göttling (Grüne) und Steffen Rink (SPD). „Nicht mehr tragbar und schädlich für das Ansehen der Stadt Marburg wird der Marktfrühschoppen allerdings erst durch die Instrumentalisierung durch rechtsextremistische Organisationen“, fahren Rink und Göttling fort.

Auch die Marburger Linke bringt einen Antrag in die kommende Stadtverordnetenversammlung ein, die sich mit der Rolle der Burschenschaften auseinandersetzt. Sie will, dass das Stadtparlament beschließt, politische und öffentliche Aktivitäten studentischer Verbindungen und ihrer Angehörigen, die dem Dachverband Deutsche Burschenschaft angehören, seien in Marburg nicht erwünscht. Die Linken vermissen eine Abgrenzung der Deutschen Burschenschaft zum neo­faschistischen Lager. Sie halte weiterhin an rassistischen Aufnahmekriterien fest, nach denen nur „deutschstämmige“ Männer, ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit, Mitglieder werden können, begründet die Fraktion.

von Till Conrad

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