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Kein Platz unterm Baum für Hund und Katz'

Tipps rund um den Weihnachtsbaum Kein Platz unterm Baum für Hund und Katz'

Folgt man den vielen Anregungen, Ratschlägen und Anweisungen von Institutionen und Verbänden, dann kann der Weihnachtsbaum zu einer regelrechten Herausforderung werden.

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Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ rät, auf Christbaumbehang in Katzen- oder Hundehöhe zu verzichten.

Quelle: Hartmut Berge

Marburg. Bald steht er wieder in den Wohnstuben und kündet, mit Lichtern oder Kerzen, glitzernden Kugeln und selbst gebastelten Figuren geschmückt, von der Geburt Jesu. Der Weihnachtsbaum gehört seit Jahrhunderten in weiten Teilen der christlichen Welt zu den weihnachtlichen Festbräuchen.

Gegen den Vorwurf, angesichts des Waldsterbens solle man auf Weihnachtsbäume verzichten, denn auch das schade dem Waldbestand, mussten­ sich Land- und Forstwirte in den 1980er-Jahren wehren.

Damals gab es noch jede Menge Privat- und Kleinprivatwaldbesitzer im Landkreis, die auf ihrem Hof oder an eher kleinen Verkaufsständen Weihnachtsbäume verkauften. In den vergangenen Jahren ist ihre Zahl stark zurückgegangen. Ein diesmal eher ernst zunehmender Vorwurf führt womöglich zu ­einer Renaissance des Verkaufs heimisch gewachsener Christbäume.

Viele Weihnachtsbäume stammen aus extra angelegten Kulturen, mancherorts wurde dafür Ackerland genutzt. Vor allem in den skandinavischen Ländern gibt es riesige Monokulturen, die ohne Pflanzenschutzmittel nicht denkbar wären. Zigtausende von Bäumen stehen dicht an dicht, wären ein gefundenes Fressen für Insekten und Pilze, die Weihnachtsbäume schädigen oder für Krankheiten verantwortlich sind.

Gespritzt wird vom Hubschrauber oder Flugzeug oder vom Boden aus. Darüber hinaus werden bei vielen ausländischen Massenproduzenten die Bäume sehr früh geerntet, dann in sehr großen Kühlhallen gelagert und nicht selten gegen verfrühten Nadelfall besprüht.

Beim Handel giftfreie Bäumchen verlangen

Kleine Betriebe verzichten auf die chemische Keule, sie könnten sich darüber hinaus die – bei Abnahme kleiner Mengen – sehr teuren Präparate nicht leisten.
„Die meisten Weihnachtsbäume stammen aus einförmigen Plantagen, die durch den massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden Boden, Grundwasser und Lebewesen enorm ­belasten“, gibt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Hessen (Nabu) zu Bedenken.

Der Nabu fordert die Verbraucher auf, beim Handel giftfreie Bäumchen zu verlangen und damit die Nachfrage zu erhöhen. Als gute Alternative sieht der NABU Weihnachtsbäume aus Durchforstungen oder von forstlichen Sonderstandorten wie Hochspannungstrassen an. Diese Bäume seien in der Regel unbehandelt und müssten sowieso gefällt werden.

Wer den Baum auf seinem Auto nicht ordentlich sichert, riskiert eine Geldbuse und einen Punkt in Flensburg. Foto: Thosten  Richter

Der Biologe warnt vor möglichen Gesundheitsschäden durch giftbehandelte Weihnachtsbäume: „Mit einem Baum aus dem Ökoanbau oder aus Durchforstung erspart man sich und seiner Familie eine mögliche Belastung der Raumluft mit Pestizid-Ausdünstungen während der Feiertage.“

Laut statistischem Bundesamt in Wiesbaden hat Deutschland im vergangenen Jahr deutlich weniger Weihnachtsbäume­ importiert. Rund 2,5 Millionen Exemplare im Wert von 28 Millionen Euro kamen 2015 aus dem Ausland. Das entsprach einem Rückgang um 14,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014, als noch insgesamt 2,9 Millionen Stück eingeführt worden waren.

96 Prozent der eingeführten Christbäume kamen demnach aus Dänemark (2,4 Millionen Stück). Aus Deutschland exportiert wurden 2015 demgegenüber etwa 670 000 Weihnachtsbäume. Größter Abnehmer waren nach Angaben der Statistiker die Niederlande mit einem Anteil von 49 Prozent (328 000 Stück).

Pieksige Christbäume halten Haustiere fern

Bei den Hessen sind in diesem Jahr nicht nur Nordmanntannen als Weihnachtsbäume begehrt: HessenForst spricht von einem Trend zu eher traditionellen Bäumen wie Kiefer oder Blaufichte. „Kiefer und Fichte­ riechen eben wie ein richtiger Weihnachtsbaum“, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs in Kassel.

Während die Kiefer dem Weihnachtsbaum einen völlig anderen Look verleihe, eigne sich die Blaufichte vor allem bei Eltern mit Kindern: „Der Baum ist derart pieksig, dass Kinder nur ein einziges Mal an den Schmuck gehen“, scherzte der Sprecher.

Auf Haustiere wirkt der ­geschmückte Weihnachtsbaum faszinierend. Deswegen wird er genau untersucht, die Dekoration abgeleckt und angenagt. Weil das aber schnell gefährlich werden kann, rät die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, die Tiere erst gar nicht in das Weihnachtszimmer zu lassen. Denn die Dekoration könne giftig sein oder leicht zerbrechen.

Pieksige Christbäume halten in der Regel Haustiere fern. Vor allem Katzen spielen gern mit Christbaumkugeln, Lametta, Geschenkband oder Engelshaar. Lametta enthält giftige Stoffe und kann für Katzen und Hunde­ tödlich sein, wenn sie es ungewollt verschlucken. Dann helfe­ nur noch eine Not-Operation.
 Christbaumbehang aus Glas stellt eine besondere Gefahr dar, da die Kugeln mit Bällen verwechselt werden können.

Nordmanntanne hält Nadeln am längsten

Gehen sie beim Spiel zu Bruch, kann dies zu ­Schnittverletzungen führen.
Sprühschnee und das Harz von Weihnachtsbäumen­ enthalten für Haustiere giftige Stoffe wie ätherische Öle, warnen die Experten.
Und sie raten: „Sorgen Sie für einen festen Stand Ihres Weihnachtsbaums, falls die Katze­ doch einmal versucht, hinaufzuspringen.“ Christbaumschmuck aus Plastik ist eine gefahrlose Alternative, aber nicht jedermanns Sache.

Wer Haustiere habe, tue gut daran, keine echten Kerzen zu verwenden, da Verbrennungsgefahr bestehe. Und man sollte auf die Stromkabel der Weihnachtsbaumbeleuchtung achten. Sie sollten für das Haustier unerreichbar sein. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, sicherheitshalber auf Christbaumbehang in Katzen- oder Hunde­höhe zu verzichten.

Der Preis für eine Nordmanntanne erster Wahl liegt in diesem Jahr erneut zwischen 18 und 23 Euro pro laufendem Meter. Bei den eher selten angebotenen Blaufichten liegt der Preis zwischen 11 und 14 Euro. Am günstigsten als Weihnachtsbaum ist nach wie vor die gemeine Fichte, auch gewöhnliche Fichte oder Rotfichte genannt. 2016 rangiert der laufende Meter bei sechs bis neun Euro. Die Fichte nadelt recht schnell, sie sollte erst kurz vor dem Fest geschlagen werden.

Die Nordmanntanne hält die Nadeln recht lange. Wenn der Verkäufer nicht genau sagen kann, wann der Baum geschlagen wurde, ist ein Blick auf die Schnittstelle ein möglicher Hinweis. Ist sie frisch und hell, ist in der Regel der Baum noch frisch.

Die Haltbarkeit eines Baumes kann man positiv beeinflussen, indem er nach dem Kauf an einem kühlen und wind- und sonnengeschützten Platz lagert, im Keller oder auf dem Balkon, noch besser im Garten. Wer ihn jetzt kauft, sollte ihn in einen Wassereimer stellen und vom Transportnetz befreien.

Allerlei Frischhaltemittel im Gießwasser

Wer einen Weihnachtsbaumständer mit Wassertank hat, füllt diesen am besten mit normalem Leitungswasser, damit der Baum nicht nadelt. Häufig­ wird noch der Zusatz von ­Zucker empfohlen. Darüber hinaus werden jede Menge anderer „Frischhaltemittel“ angeboten. Aber Obacht: Haustiere sollten nicht aus dem Wassertank trinken.

Den Wasserstand sollte man täglich kontrollieren, vor allem, wenn der Baum in stark beheizten Räumen, auf Fußbodenheizung oder in der Nähe eines an der Wand angebrachten Heizkörpers steht.

Viele nutzen für den Baumtransport das Auto. Deshalb weist der AvD darauf hin, dass ein Baum auf dem Autodach weder seitlich noch nach vorn über den Wagen hinausragen sollte. Lediglich hinten darf er maximal 1,5 Meter überstehen, muss dann aber mit einem roten Schild, einer roten Fahne oder bei Dunkelheit mit einem roten Licht gekennzeichnet werden.

Der AvD empfiehlt, Spanngurte oder Schnüre nicht nur um den Stamm zu wickeln, sondern auch zwischen den Zweigen festzuzurren, damit der Baum nicht rutscht und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet. Wer seinen Weihnachtsbaum selbst abholt, sollte den Baum mit einem Netz versehen lassen und mit der Spitze nach hinten auf den Dachträger schnallen.

Falls Ladung verloren geht, drohen Geldbußen von 35 bis 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Auch wenn der Baum bei geöffneter Heckklappe im Kofferraum mitfährt, sollte er gut gesichert sein. Kennzeichen, Blinker, Brems- und Rücklichter dürfen keinesfalls verdeckt werden.

Wem das „Abholzen“ von Weihnachtsbäumen ein Dorn im Auge ist, der kann auf ein „lebendes“ Exemplar zurückgreifen. Die kauft man vorzugsweise in Baumschulen oder Gärtnereien. Das Ausgraben und Eintopfen – etwa bei einem Waldbesitzer – ist aufwendig und es ist deutlich komplizierter, einen frisch eingetopften Baum großzuziehen als einen bereits im Topf angewachsenen.

Den Container-Christbaum sollte man kräftig wässern, bevor man ihn in die Wohnung stellt. Um einen Temperaturschock zu vermeiden, stellt man den Baum bei sehr kaltem Winterwetter nicht direkt ins ­geheizte Zimmer, sondern zunächst in einen kühlen, luftigen Raum. Gut zurecht kommen die Bäumchen später mit Temperaturen um 20 Grad.

Regelmäßiges Gießen ist die Voraussetzung dafür, dass man die Containerpflanze im nächsten Jahr etwa auf dem Balkon weiter genießen kann. Nicht vergessen: Ein Weihnachtsbaum mit Wurzelballen wächst weiter und sollte irgendwann in die Freiheit entlassen werden.

von Hartmut Berge

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