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Kein Neubau für Biologen und Juristen

Universität Kein Neubau für Biologen und Juristen

Im "Heureka II"-Programm der Landesregierung stehen für Bau­projekte der Uni Marburg von 2021 bis 2026 110 ­Millionen Euro zur Verfügung.

Das Savigny-Haus, Sitz der Rechtswissenschaften, ist dringend sanierungsbedürftig.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Summe von 110 Millionen Euro aus „Heureka II“ ist deutlich weniger als die Summe von 440 Millionen Euro aus dem ersten Heureka-Programm der Landesregierung und auch weniger als die 300 Millionen Euro, die die Marburger Universität beantragt hatten. „Mit dieser Summe lassen sich große Sanierungen oder Neubauten für die Natur- und Lebenswissenschaften, insbesondere aber ein Ersatz für das jetzige Gebäude des Fachbereichs Biologie nicht realisieren“, erklärt die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. Alleine ein Biologie-Neubau hätte laut Universitäts-Berechnungen bereits 120 Millionen Euro gekostet. Ungefähr dieselbe Summe wäre auch für eine Sanierung des Altbaus Chemie notwendig gewesen, wenn dieser als Alternativ-Ort für den Umzug genutzt worden wäre.

Jetzt geht es am Fachbereich Biologie vor allem um „Notmaßnahmen“ zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, erläuterte Uni-Baudezernent Dr. Eckart­ Diehl im Uni-Senat. Rund 20 Millionen Euro sollen für Neuberufungen und die Neugestaltung von Praktikumsplätzen zur Verfügung gestellt werden. Denn bei den Biologen steht ein ­Generationswechsel an: Bis 2025 wird es am Fachbereich Biologie die Neubesetzungen für 12 der 21 Professuren geben, erfuhr die OP auf Anfrage von Biologie-Dekan Professor Diethelm Matthies. In den einzelnen Abteilungen, die bisher noch Bestandsschutz genießen, gibt es einen Umrüstungsbedarf, vor allem wegen mangelhafter und veralteter Technik. „Wir hatten schon auf einen Neubau gehofft. Jetzt müssen wir schauen, wie wir mit dem bestehenden Gebäude zurechtkommen“, sagte Dekan Matthies.

Ebenfalls auf einen Neubau gehofft hatten bereits seit mehr als einem Jahrzehnt die Rechtswissenschaftler der Uni. Doch die Planungen, die die Integration eines Neubaus des Fachbereichs Jura in eine Mini-Mall an der Gutenbergstraße oder eine Verlagerung auf das Brauerei-Areal vorsahen, hatten sich zerschlagen.

Neubau für Anatomie

Jetzt plant die Uni-Leitung eine Sanierung des Savigny-Hauses für 16,5 Millionen Euro aus dem „Heureka II“-Budget. Das erläuterte Baudezernent Diehl im Uni-Senat. Auf OP-Anfrage sagte die Uni-Präsidentin, dass es noch keinen Zeitplan gebe. Die Sanierung könne aber nicht bei laufendem Betrieb erfolgen, erklärte Diehl. Als Ausweichstandort mindestens für die ­Bibliothek des Fachbereichs (Juristisches Seminar) ist der Lesesaal der Uni-Bibliothek an der Stadtautobahn im Gespräch, die schon ab Mitte kommenden Jahres wegen des Umzugs in die neue UB leerstehen würde.

„Besser spät als nie“: So kommentierte Jura-Dekan Professor­ Michael Kling auf OP-Anfrage­ die Entscheidung des Präsidiums, die er wohlwollend zur Kenntnis nehme. Die grundsätzliche Sanierung des Gebäudes vom Dach bis zum Keller sei überfällig, betonte er Dekan. So gebe es gravierende Nutzungseinschränkungen, so dass das fünfte Obergeschoss nur als Lagerstätte (Magazin) für die Bibliothek genutzt werden könne. Und den Alltagsbetrieb erschweren eine Reihe von Mängeln wie laute Lüftungen und schwer oder gar nicht zu öffnende Fenster.

Drei weitere Millionenprojekte, die auch über „Heureka II“ gestemmt werden sollen, betreffen den Fachbereich Medizin. Dabei handelt es sich um die Verlagerung des Anatomie-Institutes auf die Lahnberge sowie mögliche Sanierungen oder Neubauten für zwei Kliniks-Gebäude am Ortenberg: die Zahnklinik und die Uni-Psychiatrie (Erwachsenen- und Kinder- und Jugendpsychiatrie).

Das Anatomie-Institut befindet sich bisher in einem Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Gebäude im Lahntal. Zur Begrenzung der bundesweit für ­alle Anatomie-Institute neu geregelten neue Formaldehyd-Grenzwerte müsste eigentlich auch im Marburger Institut ­eine neue Technik eingebaut werden. Da dieses aber in dem Altbau nicht notwendig ist, muss ein Umzug erfolgen. „Möglichst bald“ sollen die dafür notwendigen Planungen starten, sagte die Uni-Präsidentin.

Die Forschungslabore und die Büros der Professoren und Mitarbeiter sollen dann in den freiwerdenden Modulbau von Synmikro auf den Lahnbergen untergebracht werden. Für die Präpariersäle, die auch eine Leichenkammer und Kühlräume enthalten sollen, soll daneben ein Neubau errichtet werden.

Abhängig von den Investitionsentscheidungen des UKGM ist die Finanzierung der Flächen für Forschung und Lehre in der Zahnklinik sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Erwachsenenpsychiatrie. Für die Zahnklinik würde das für die Universität eine Summe von 20 Millionen Euro bedeuten und für die Psychiatrie zehn Millionen. Dieses Geld müsste Anfang des kommenden Jahrzehnts jeweils entweder für eine Sanierung am bestehenden Standort am Ortenberg oder für einen Neubau (dann auf den Lahnbergen) ausgegeben werden.

Die darüber hinaus frei verfügbaren Finanzmittel sollen für kleineren Sanierungsvorhaben vor allem am Campus Firmanei dienen.

von Manfred Hitzeroth

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