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Kein Frieden um Moischter Friedhof

Stiftung Kein Frieden um Moischter Friedhof

In Moischt schwelt seit Jahren ein Streit: Georg Menzel wollte eine Urnenwand stiften. Der Friedhofsausschuss wollte das Geschenk gerne annehmen. Doch über den Standort wurden sie sich nie einig.

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Georg Menzel und seine Frau wollten für den Friedhof in Moischt bereits 2011 eine Urnenwand stiften. Allerdings gab es Streit um den Standort der Wand. Die Urnenwand wurde daher bis heute nicht gebaut.Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Moischt. Eine Überdachung und eine Kühlmöglichkeit für den Friedhof in Moischt hat der 94-jährige Georg Menzel in den vergangenen Jahren gestiftet. Auch eine Urnenwand wollte er bereits 2011 auf seine Kosten errichten lassen – doch wegen eines Streits um den Standort kam das nie zustande. Bis heute schwelt der Ärger darüber bei Menzel: „Ich habe dem Pfarrer mehrere Briefe geschrieben. Ich wollte einige Fragen beantwortet haben, und das hat er bis heute nicht gemacht.“ Das finde er entwürdigend. Pfarrer Frank Miege erklärt auf Nachfrage der OP, dass er zusammen mit Ortsvorsteher Horst Mania bereits bei Menzel gewesen sei und das Gespräch gesucht habe. „Die Gespräche waren schwierig. Die Situation ist traurig, denn wir könnten alle unsere Lebenszeit besser verbringen.“

Was ist geschehen? Laut Menzel habe er zusammen mit dem Friedhofsausschuss 2011 einen Platz für die neue Urnenwand ausgewählt – auf einer Wiese zwischen der Überdachung und drei großen Fichten am Rande des Geländes. „Die Friedhofsverwaltung hat einen Standort fünf Meter weiter vorne empfohlen“, erklärt Menzel. „Der ursprünglich vorgeschlagene Standort wurde für nicht geeignet erachtet, da sich an dieser Stelle das Wurzelwerk der Fichten befunden hat“, erklärt Bürgermeister Dr. Franz Kahle auf Nachfrage der OP.

Das Fundament wurde also näher an der Überdachung gegossen. „An dem Standort, den Herr Menzel ursprünglich wollte, und ohne Rücksprache mit dem Friedhofsausschuss oder der kirchlichen Friedhofsverwaltung“, betont Miege. Denn die städtische Verwaltung sei nicht zuständig – werde aber bei Entscheidungen immer einbezogen. „Die städtische Friedhofsverwaltung war damals nur über die Pläne informiert worden, aber nicht bei der Umsetzung beteiligt“, bestätigt auch Kahle. Eine einvernehmliche Lösung zwischen Menzel, dem Ortsbeirat und dem Friedhofsausschuss in Moischt sei nicht zustande gekommen. Schließlich habe Menzel das Entfernen des Fundaments veranlasst. Seither gibt es laut Miege den Konflikt.

Menzel ärgert sich darüber, dass ihn das 1600 Euro gekostet habe. „Da wurden Schenkungsgelder verschwendet. Ich habe für den guten Zweck Geld gespendet, und das wird unter fadenscheinigen Argumenten mit Füßen getreten.“ Als Grund sei ihm etwa genannt worden, dass die Urnenwand an dieser Stelle den Blick auf die Amöneburg versperre. „Was haben wir mit der Amöneburg zu tun?“, fragt Menzel.

„Urnenwand würde dort wie eine Mauer wirken“

Miege erklärt die Sicht des Friedhofsausschusses: „An der Stelle würde eine Urnenwand wie eine Mauer wirken und die Sicht in die Weite nehmen.“ Mit der Amöneburg habe das nichts zu tun, aber mit dem Raumgefühl. „Wir waren uns da im Ausschuss alle einig, und am Ende muss man Mehrheiten akzeptieren und kann nicht eigenmächtig anders handeln.“ Über das Angebot, eine Urnenwand zu stiften, habe der Ausschuss sich laut Miege sehr gefreut. Leider sei die Umsetzung gescheitert.

Die Bäume, die durch die Versetzung der Urnenwand geschützt werden sollten, wurden laut Menzel übrigens kurze Zeit später „in einer Nacht- und Nebel-Aktion gefällt“. Die hätten nicht nur den Hang stabilisiert, sondern jedes Jahr wundervoll geblüht – was dem Imker besonders wichtig war.

Auch hier erklärt Pfarrer Miege, dass die Kirche mit den entsprechenden Ämtern der Stadt vorab Gespräche geführt habe, etwa über Ersatzpflanzungen. „Wir sind korrekt vorgegangen, bevor wir die Bäume gefällt haben“, so Miege.

Das Thema Urnenwand ist für den Stifter heute vom Tisch. Das dafür beiseite gelegte Geld hat er für Bethel und für krebskranke Kinder gespendet. Mit der Überdachung und der Kühlung hatte er insgesamt 55000 Euro stiften wollen. Seine Antworten von Pfarrer Miege möchte Menzel dennoch schriftlich haben. „Das liegt mir schwer im Magen, dass er mir nicht erklärt, warum er sich so quergestellt hat.“ Miege betont, dass er das im persönlichen Gespräch getan habe.

Die Stadt hingegen wolle laut Kahle prüfen, ob sie die Urnenbestattung in den östlichen Stadtteilen ermöglichen könne – etwa mit Urnenwänden auf den Friedhöfen in Schröck und Bauerbach. „In den nächsten Jahren ist vorgesehen, bei entsprechender Nachfrage nach und nach weitere Friedhöfe mit Urnenwänden auszustatten.“

von Patricia Grähling

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