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Kein Champagnerbahnhof in Marburg

Vortrag im Staatsarchiv Kein Champagnerbahnhof in Marburg

Der ehemalige Marburger Stadtarchivar Dr. Ulrich Hussong hält am Donnerstag, 5. März, ab 19 Uhr im Staatsarchiv einen Vortrag über den Bau des Marburger Hauptbahnhofs.

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Die Fassade des Bahnhofs um 1850.

Quelle: Stadt Marburg

Marburg. Nachdem der Marburger Bahnhof erfolgreich saniert worden ist, lohnt es sich, auf die Anfänge des Hauptbahnhofs zu schauen. Der ehemalige Marburger Stadtarchivar Dr. Ulrich Hussong berichtet darüber in einem Vortrag des Marburger Geschichtsvereins am Donnerstag, 5. März, ab 19 Uhr im Staatsarchiv am Friedrichsplatz 15. Der Titel des Vortrags lautet: „Kein ‚Champagnerbahnhof‘. Der Streit um den besten Standort für den Bahnhof von Marburg.“

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erwartete man in Marburg sehnsüchtig das neue Verkehrsmittel Eisenbahn. Der Bahnhof sollte das jeweils eigene Stadtviertel entwickeln helfen. Entsprechend heftig tobte der Streit zwischen Oberstadt, Weidenhausen und dem Nordviertel. Die Entscheidung über den endgültigen Standort soll beim Champagnertrinken im „Neuen Ritter“ in der Ketzerbach gefallen sein. Der Referent will anhand der historischen Dokumente nachweisen, dass diese Erzählung erst viele Jahre später aufkam. Was die wirklichen Gründe für die Standortwahl waren, soll in dem Vortrag geklärt werden.

Zunächst waren mehrere Standorte im Gespräch

Wie kam es nun allerdings zu dem Gerücht von dem „Champagner-Bahnhof“? Darüber geben die einleitenden Passagen in dem Buch „150 Jahre Eisenbahn in Marburg“ Auskunft. Dieses erschien im Jahr 2001 - also 151 Jahre nach der Eröffnung des Marburger Bahnhofs - als Band 71 der Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur unter der Schriftleitung von Ulrich Hussong. Ausgangspunkt für dieses Buch war eine vom städtischen Kulturamt organisierte Ausstellung zur Marburger Eisenbahn-Geschichte, die im Jahr 2000 in der alten Kantine am Marburger Hauptbahnhof gezeigt wurde.

Gefunden werden sollte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Haltepunkt für die geplante Main-Weser-Bahn als wichtigste Station auf der Strecke zwischen Kassel und Gießen. Als mögliche Standorte für diesen Bahnhof waren zunächst vier unterschiedliche Punkte im Gespräch, heißt es in der Stadtschrift. Zwei mögliche Standorte - die untere Gutenbergstraße und die Schwanallee auf Höhe des Schwanhofs - waren schon bald nicht mehr im Rennen. Übrig blieben dann als Alternativ-Möglichkeiten zwei Vorschläge: ein Haltepunkt an der Marburger Südwestseite vor Weidenhausen oder ein Bahnhof hinter dem Elisabethtor, am später gefundenen Ort.

Entscheidung sorgt für Skandal

Im großen Ausschuss des Stadtrats sprach sich eine Mehrheit für einen Bahnhof vor Weidenhausen aus. Doch das zuständige Ministerium „entschied gegen das Marburger Votum und für den Vorschlag der Oberbaudirektion, welche die Lage im Norden der Stadt für geeignet hielt und den Bau des Bahnhofs an dieser Stelle festlegte“, schreibt Theresia Jakobi in der Stadtschrift über die Eisenbahngeschichte.

Die getroffene Entscheidung habe daraufhin zum Korruptionsvorwurf gegen den Großgrundbesitzer Hoffmann geführt, auf dessen Grundstück der Bahnhof entstehen sollte.

„Das Wort vom ‚Champagnerbahnhof‘ machte die Runde“, heißt es in der Stadtschrift. „Erzählte man sich doch, Hoffmann habe die für ihn positive Entscheidung durch ein üppiges Mahl mit viel Champagner mit dem maßgeblichen Oberingenieur des Eisenbahnbaus, dem Belgier Splingard, herbeigeführt.“

Jedoch seien vor der Festlegung auf einen Standort umfangreiche Geländeprüfungen durch die Bahn unternommen worden. Und deren Ergebnisse seien ausschlaggebend dafür gewesen, dass der heutige Standort gefunden worden sei.

von Manfred Hitzeroth

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