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Kaum gute Jobs für gute Schülerinnen

Psychologie Kaum gute Jobs für gute Schülerinnen

Die Marburger Psychologie-Professorin Ricarda Steinmayr ergründet den Zusammenhang zwischen Geschlechterunterschieden und Leistungen in schulischen sowie akademischen Karrieren.

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Schüler der zweiten Klassen an der Humboldt-Schule in Berlin mit ihren Wunschbüchern:. Mädchen lernen gemeinsam mit den Jungen, aber sie erzielen im Durchschnitt die besseren Noten.

Quelle: Archiv

Marburg. Jungen werden als die neuen Sorgenkinder des deutschen Bildungssystems betrachtet. Tatsächlich wechseln Jungen weniger häufig als Mädchen auf Gymnasien, besuchen dafür aber häufiger Haupt- und Sonderschulen.

Weniger Jungen als Mädchen machen Abitur, und auch die Studienabschlüsse von Männern sind durchschnittlich etwas schlechter als die von Frauen. Nach dem Abschluss ihrer akademischen Ausbildung verlaufen die Karrieren von Frauen und Männern jedoch genau umgekehrt. Mehr Männer als Frauen promovieren und werden zu Professoren ernannt. Wie können diese paradoxen Entwicklungsverläufe erklärt werden?

Die Marburger Psychologie-Professorin Ricarda Steinmayr hat seit 2006 systematisch die Intelligenzunterschiede von Jungen und Mädchen analysiert. Demnach lassen sich kaum Geschlechtsunterschiede in der allgemeinen Intelligenz finden. Männer schneiden jedoch meist etwas besser in Aufgaben zur Erfassung von numerischer und räumlicher Intelligenz ab; Frauen sind besser in Aufgaben, die verbale Fähigkeiten wie Wortschatz oder Merkfähigkeit erfassen.

Gleichzeitig erfasst Steinmayr aber, wie die Schüler und Schülerinnen sich selber hinsichtlich ihrer Intelligenz beurteilen. Dabei stellte sie fest, dass sich Schüler selbst im Durchschnitt besser einschätzen als Schülerinnen, bei denen ein gleich hoher Intelligenzquotient gemessen wurde.

„Jungen sind einfach selbstbewusster und schätzen ihre Fähigkeiten in diesen Fächern höher ein“, erläutert Steinmayr. Dieser Befund ist klar, das haben auch einige andere Studien ergeben. Doch bei der Frage, wieso die Jungen sich selber als intelligenter einstufen, als sie sind, wird es interessant.

So könnten die Einflüsse aus der Gesellschaft wie Stereotype eine wichtige Rolle spielen. Denn immer noch gilt Mathematik eher als Schulfach, in dem die Jungen besser als die Mädchen sind. Diese gesellschaftliche Grundüberzeugung beeinflusst auch die Wahrnehmung von Eltern, die die Mathe-Fähigkeiten aber auch die numerische und räumliche Intelligenz ihrer Söhne fast durchweg zu hoch einschätzen und die der Töchter eher als zu niedrig.

von Manfred Hitzeroth

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