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Katzenjammer in den Hinterhöfen

Tierschutzverein schlägt Alarm Katzenjammer in den Hinterhöfen

Sie klettern in Mülltonnen, streunen durch Hinterhöfe und vermehren sich unkontrolliert: der Landkreis hat ein Problem mit wildernden Katzen.

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Diese Katze hat sich eien aussichtsreiche Position in der Marburger Oberstadt gesucht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Tierschutzverein schlägt Alarm. Durch den gesamten Landkreis zieht sich das Streuner-Problem. Ausgeräumte Mülltonnen und verdreckte Hinterhöfe sind die Folge. Wie mustergültig mit den ungebetenen Gästen umgehen wird, zeigt das Beispiel der Firma Winter aus Stadtallendorf. In einem „Katzenhotel“ werden die Vierbeiner versorgt, können so eingefangen und kastriert werden. Eigentlich eine Aufgabe der Kommune.

Dank dieses Eingreifens ist eine weitere Vermehrung in Stadtallendorf ausgeschlossen. Ein ähnliches Projekt wird aktuell an der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain angestrebt. Das Ziel ist klar: Nur wenn die Wildtiere gesammelt zum Fressen an einen Ort kommen, können sie auch eingefangen werden. Die Tiere in freier Wildbahn zu schnappen, ist nahezu unmöglich.

Die Futterplätze sind im gesamten Kreis verteilt

Auch in Marburg gibt es Futterplätze. Mitglieder der Tierschutzvereins machen sich ehrenamtlich tagtäglich auf den Weg, um die Wildtiere zu versorgen. 180 Katzen, geschätzt, bekommen Futter vom Team um die Vorsitzende Siegrid Schmeer.

Aber warum werden die Samtpfoten nicht eingefangen und ins Tierheim gebracht? Schriftführer Elmar Altwasser erklärt: „Erstens sind die Tierheime schon jetzt überfüllt. Zweitens gehören die wildlebenden Tiere nicht ins Heim.“ Aufgabe müsse es sein, die Populationen zu kontrollieren. „Wildernde Katzen gehen in kein Wohnzimmer und lassen sich auch nur sehr schwierig für den Menschen zivilisieren. Daher macht es keine Sinn, sie zu vermitteln“, sagt Altwasser.

Städte sind verantwortlich für streunende Tiere

Und so versorgen die Tierschützer auch weiterhin die Streuner dort, wo sie leben. Am Waldesrand, in Hinterhöfen, auf brachliegenden Industrieflächen. Jede Katze wird dabei gelistet und mit einem Tattoo versehen. So wissen die Pfleger genau, welches Tier kastriert und untersucht wurde.

Eigentlich sind Streuner nicht Aufgabe des Tierschutzvereins. Die jeweiligen Gemeinden sind zur Kontrolle, Kastration und Versorgung verpflichtet. Das gilt für den Igel ebenso wie für den Hund und die Katze. Oftmals aber wird das Problem vernachlässigt. Dabei, so erklärt Schmeer, seien die Streuner längst auch in dicht besiedelten Städten angekommen. Aus einfachem Grund: Die Tiere zieht es auf der Suche nach Futter vermehrt in die Stadt. Der Hunger ist größer als die Scheu vor Menschen.

Richtsberg: Hochburg der wilden Katzen

Wozu das führt, das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Michelbach. Ein Katzenbesitzer will seinen Freigänger trotz mehrfacher Hinweise durch den Tierschutzverein nicht kastrieren lassen. Die Folge: Gleich mehrfach kam Nachwuchs auf die Welt. Unkontrolliert. Ein Ärgernis nicht nur für die Nachbarn. Weitere Hotspots dieses Wildwuchses habe es am Richtsberg und am botanischen Garten gegeben. Durch das Eingreifen der Tierschützer wurde das unkontrollierte Ausbreiten gestoppt.

Solange es aber keine gesetzliche Regelung gebe, sagt Siegried Schmeer, fehle die Handhabe. „Wir fordern eine Kastrationspflicht, damit das Problem nicht weiter überhand nimmt“, sagt die Vorsitzende. „Mittlerweile ist dieser Wildwuchs ein akutes Problem.“

Der Tierschutzverein alleine könne das für den Landkreis nicht stemmen. Er braucht die politische Unterstützung. Anderen Kommunen, die eine solche Vorgabe bereits erlassen haben, machen gute Erfahrungen mit der Reglementierung. „Warum dann nicht auch Marburg?“, sagt Altwasser fragend.

  • Mit Rat und Tat stehen die Tierschützer zur Seite. Haben Sie Fragen zum Thema, können Sie sich jederzeit unter 06421 / 97 12 37 melden.

von Carsten Bergmann

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