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Katholiken spüren: Wir müssen reden

Zukunft der Kirche Katholiken spüren: Wir müssen reden

Wie die Zukunft der katholischen Kirche in Marburg aussieht, wollen die Katholiken nicht allein unter sich ausmachen. 130 namhafte Vertreter des öffentlichen Lebens der Stadt sind eingeladen, diesen Weg mit Impulsen zu begleiten.

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Wohin führt der Weg der katholischen Kirche in Marburg? Die Kirchengemeinden und die katholischen Verbände und Einrichtungen wollen dazu mit Vertretern aller Bevölkerungsgruppen der Stadt ins Gespräch kommen. Irmgard Skott und Stefan Bug leiten das Projek

Quelle: Ingo Wagner

Marburg. Die Briefe hatten das katholische Pfarramt St. Peter und Paul erst wenige Tage verlassen. Einladungen an 130 ausgewählte Persönlichkeiten, sich mit ihrer Sicht an einem Zukunftsprozess der katholischen Kirche in Marburg zu beteiligen. Eine Bitte an die wichtigsten Vertreter aller gesellschaftlichen Kreise.

Da verlieh der historische Rücktritt von Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. der Einladung zum Dialog urplötzlich eine besondere Note. Eine Kirche, die in der Breite an Relevanz verliert und ohne Reformprozess endgültig zu einem geschlossenen Club der voll Überzeugten zu werden droht, muss ihren Standort neu bestimmen.

Die Gläubigen knüpfen dabei hohe Erwartungen an den nächsten Pontifex. Wohin führt der neue Papst die Weltkirche, die durch den sexuellen Missbrauch vieler Kinder und Jugendlicher durch Geistliche, eine rigide Sexualmoral, das veraltete Frauenbild, umstrittene Normen, die Ablehnung von künstlicher Empfängnisverhütung und Homosexualität massiv an Bedeutung eingebüßt hat?

Die Initiatoren des breit angelegten Dialogs in Marburg weisen mit zurückhaltender Genugtuung darauf hin, dass sie sich mit ihrem Wunsch nach Öffnung früher als die Kurie der Gesellschaft vor Ort zugewandt haben. „Das Selbstbewusstsein an der Basis ist ziemlich am Boden. Die aktiven Katholiken befinden sich in einer permanenten Verteidigungs-Haltung. Das haben wir satt“, sagt Irmgard Skott aus eigener Erfahrung. Der Umgang mit den jüngsten Missbrauchs-Fällen habe das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, stellt sie fest: „Wie sollen wir etwas verteidigen, was nicht zu verteidigen ist?“ Die Sehnsucht ist groß, sich aus der Defensive zu befreien. Die Mitarbeiterin des Caritas-Ortsverbandes und Stefan Bug, Leiter der Marburger Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, regten in Gesprächen zwischen Vertretern der Marburger Kirchengemeinden, der katholischen Verbände und Einrichtungen an, den Blick zu heben und um Eindrücke von außen zu erweitern. Anfänglich herrschte Skepsis, ob der Einladung überhaupt jemand Folge leisten würde. Am Ende hatten sie mit ihrem Vorschlag Erfolg: „Es bringt uns doch nichts, nur im eigenen Saft zu schmoren“, meinen Skott und Bug.

Die Projektleiter verweisen auf ein vergleichbares, erfolgreiches Projekt in Bad Kreuznach. „Dort hat eine Zukunfts-Werkstatt wichtige Impulse ausgelöst, es sind wertvolle Anregungen zusammengetragen worden und neue Netzwerke entstanden“, sagt Bug. Und er schildert damit zugleich die Ziele für das Vorhaben in Marburg.

Drei frei wählbare Termine zum Austausch und zur Diskussion bietet die Basis-Bewegung in Marburg den Multiplikatoren an: Am 11., 15. und 24. April suchen Dechant Franz Langstein, Pfarrer Klaus Nentwich zusammen mit Stefan Bug und Irmgard Skott jeweils zwischen 19.30 und 21.30 Uhr den Dialog. Die Moderation der Treffen im Theologischen Seminar in der Deutschhausstraße 24 übernehmen Fachleute des Pastoralen Instituts in Mainz.

Dabei gehe es weniger darum, was die katholische Kirche bereits mitten in einer modernen Stadt zu bieten habe, so Skott: „Wir wollen in erster Linie erfassen, was von uns erwartet wird und wie wir wahrgenommen werden.“

von Christoph Linne

Hintergrund

Die katholische Kirche ist in Deutschland nur noch knapp die größte Religionsgemeinschaft. Rund ein Drittel der Bürger bekennt sich zum katholischen Glauben. Aber diese Zahl sinkt kontinuierlich. Vor zwanzig Jahren lebten noch 28 Millionen Katholiken in Deutschland, heute sind es noch 24 Millionen – bei etwa gleich vielen Protestanten. Zum Pastoralverbund Marburg, der auch Fronhausen und Lohra einschließt, zählen nach Angaben von Dechant Franz Langstein fast 15000 katholische Christen.

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