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Kassensturz: Komplettsanierung kostet 43,3 Millionen Euro

Stadthalle Kassensturz: Komplettsanierung kostet 43,3 Millionen Euro

Aus zunächst vorgesehenen 28,7 Millionen Euro sind inzwischen 43,3 Millionen Euro geworden: Die neue Stadthalle wird teurer und teurer.

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Einheitsfeier und Tag der kulturellen Vielfalt im Erwin-Piscator-Haus und KFZ Marburg Anfang Oktober: Die hohen Kosten für den Umbau wurden auch vom Bund der Steuerzahler gerügt (die OP berichtete).Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In einer Großen Anfrage an den Magistrat fragte der Stadtverordnete Dr. Hermann Uchtmann (FDP/MBL) nach den tatsächlichen Baukosten für die im Frühjahr wiedereröffnete Stadthalle. Die Antwort empörte den promovierten Chemiker: „Wieder einmal ist die Verschwendungssucht des Magistrats und des früheren Oberbürgermeisters Egon Vaupel belegt“, sagte Uchtmann.

Dabei sind die Baukosten gegenüber dem letzten „Sachstandsbericht“ des Ingenieurbüros Drees & Sommer noch nicht einmal gestiegen: Das Büro bezifferte die Kosten für die Stadthalle - einschließlich der Gastronomie, dem KFZ, der Marburger Tourismus- und Marketing GmbH und den Klassenräumen für die Martin-Luther-Schule - auf 37,6 Millionen Euro. Diese Summe steht auch heute noch.

Gegenüber der ursprünglichen und vom Stadtparlament Ende 2012 genehmigten Planung in Höhe von 28,7 Euro sind dies knapp neun Millionen Euro mehr. Die Kostensteigerung gegenüber dem genehmigten Etat liegt also bei knapp einem Drittel. Der Magistrat und auch das beauftragte Ingenieurbüro halten diese Steigerung - anders als die Opposition - für „im Rahmen“.

Die Ertüchtigung der Ersatzspielstätten

Gegenüber dem Sachstandsbericht vom Sommer kommt nun aber hinzu, dass der Magistrat auf die Große Anfrage von Uchtmann nun auch die Zahlen nannte, die zu den reinen Baukosten noch hinzukommen:

Zum einen sind dies die Kosten für die Gestaltung des Außengeländes, die nicht unter den Baukosten subsumiert sind: Für die Vorfläche an der Stadthalle, die angrenzenden Bereiche und die gegenüberliegende Seite der Biegenstraße sind noch einmal 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Zum anderen identifiziert die Verwaltung nun Kosten, die mit dem Bau respektive dem Umbau der Stadthalle zusammenhängen, aber in anderen Haushaltstiteln untergebracht waren: Darunter zählen neben Kosten für die Ertüchtigung von Ersatzspielstätten unter anderem die Einrichtung der Gastronomie (700.000 Euro), die Ergänzung der Tonanlage (55.000 Euro), eine Fotovoltaikanlage (470.050 Euro) oder die Kommunikationsinfrastruktur der Stadthalle (255.000 Euro). In der Summe lassen sich die Kosten auf rund 43,3 Millionen Euro aufaddieren - mindestens.

Damit ist die Zahl von 50 Millionen Euro, die namentlich die CDU immer in den Raum gestellt hat, noch nicht erreicht - aber man kommt ihr nahe. Dr. Franz Kahle argumentiert aber, dass man nicht „Äpfel mit Birnen vergleichen dürfe“. Die Mehrkosten für die Arbeiten am Außengelände seien zudem vom Parlament beschlossen worden, sagt der Baudezernent. Und fügt hinzu, aus heutiger Sicht würde man angesichts der aktuellen Finanzlage der Stadt das vielleicht nicht mehr tun. „Nice to have“ sei der im Entstehen begriffene Außenraum rund um die Stadthalle - aber eben nicht zwingend notwendig, zumal die Universität bei dem ursprünglichen Gedanken, den gesamten Bereich zwischen Hörsaalgebäude und Stadthalle zu einem zentralen Platz umzugestalten, abgewunken habe.

Das Eineinhalbfache des gesamten Bildungsbauprogramms

Die frühere Koalition aus SPD und Grünen verwies gerne darauf, dass mit der grundhaften Erneuerung der Stadthalle mitten im Zentrum ein Ort entstanden sei, der Bildung (Klassenräume für die Martin-Luther-Schule, alternative Kultur (neues KFZ), Tourismus (MTM) und Theater zusammenfasst. Das sei eine völlig neue und andere Qualität als der von der CDU geforderte Neubau einer Veranstaltungshalle auf der anderen Lahnseite, der lediglich großen Konzertveranstaltern weitergeholfen hätte, aber nicht „der Stadtgesellschaft“, wie der frühere Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) es gerne formulierte.

Uchtmann jedenfalls will die neuen Zahlen des Magistrats nochmals im Parlament zur Sprache bringen. 43,3 Millionen Euro - das sei immerhin das Eineinhalbfache des gesamten Bildungsbauprogramms.

von Till Conrad

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