Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Kassels Antrag brauchte langen Atem

Weltkulturerbe Kassels Antrag brauchte langen Atem

In Sachen Weltkulturerbe ist die Stadt Kassel schon sehr viel weiter als die Stadt Marburg: Im Sommer 2013 soll über die Anerkennung des Bergparks Wilhelmshöhe entschieden werden.

Voriger Artikel
Große Pläne rund ums Uni-Jubiläum
Nächster Artikel
Wenn er nachts nicht mehr sägt

Der fast 300 Jahre alte Kasseler Herkules und die Wasserkaskaden im Bergpark Wilhelmshöhe gehören vielleicht schon bald zum Unesco-Weltkulturerbe.Foto: Elke Bremer/Stadt Kassel

Marburg. Rund 35 Zuhörer ließen sich von Hardy Fischer, Kasseler Kunsthochschul-Professor und Vorsitzender des 2001 gegründeten Vereins „Bürger für das Welterbe“, interessante Fakten der Kasseler Weltkulturerbe-Bewerbung und Hintergründe des seit mehr als zwölf Jahren laufenden Bewerbungsprozesses schildern.

Fischer berichtete, dass bei ersten Vorüberlegungen zu Kassels Bewerbung im Jahr 2000 als schützenswertes Gut für das Welterbe die drei Parkensembles Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal vorgeschlagen wurden. Fast gleichzeitig gab es auch erste Überlegungen zur für die Bewerbung notwendigen Bürgerbeteiligung. Der Professor stellte sich spontan als Ansprechpartner zur Verfügung. Eine entsprechende Bürgerinitiative entstand. Bereits 2001 wurde daraus der Verein „Bürger für das Welterbe - Park Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal“. Unter dem Motto „Drei Parks, drei Schlösser“ nahmen die Bemühungen um eine Welterbe-Bewerbung schon bald Fahrt auf. Doch bis zum endgültigen offiziellen Nominierungsantrag der Bundesrepublik Deutschland im Fe­bruar 2011 in Paris, „Wasserkünste und Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe“ in die Welterbeliste aufzunehmen, war es noch ein weiter Weg.

Eindrucksvoll schilderte Fischer, wie schwierig und zugleich langwierig sich der Prozess gestaltete, für Kassels Bewerbung das zentrale eigene Alleinstellungsmerkmal zu finden, ohne das eine Welterbe-Bewerbung keinerlei Aussichten auf Erfolg hätte. Beispielsweise standen im Zentrum der Überlegungen des Landes anfangs unter dem Schlagwort „Museumslandschaft Kassel“ (ab 2004) viel eher die Bauwerke, die Museen oder auch die Besucherzahlen. Frühzeitig warnte der Bürgerverein, dass eine solche einseitige Schwerpunktsetzung zu Lasten des Gartendenkmals in seiner Gesamtheit eine Gefahr für die Welterbe-Bewerbung darstelle. Er intervenierte auch dagegen, dass der Bau eines neuen, modernen Besucherzentrums direkt in der Sichtachse Schloss Wilhelmshöhe - Herkules geplant wurde.

„Aber erst 2007 kam eine echte Wende“, so Fischer rückblickend. Der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts lud ein internationales Expertengremium nach Kassel ein, um gemeinsam mit den lokalen Akteuren - darunter Fischer als Vereinsvorsitzender - ergebnisoffen zu diskutieren. „Gleich in der allerersten Sitzung wurde der Siegerentwurf des Wettbewerbs für das neue Besucherzentrum als gefährdend für die Weltkulturerbe-Bewerbung eingestuft und war damit vom Tisch“, erzählte der Referent und stufte diesen Zeitpunkt als Beginn der ernsthaften Planungen ein. Die bis heute zentrale Idee vom „Bergpark Wilhelmshöhe im Einklang von Kunst, Natur und Technik“ als besonders schützenswertes Kulturgut wurde geprägt und entwickelte sich zum tragenden Pfeiler der Welterbe-Bewerbung.

Trotz eines gewissen Bedauerns darüber, dass die ebenfalls bedeutenden Parks und Schlösser Karlsaue und Wilhelmsthal nun aus der Bewerbung herausfielen, zeigte sich Fischer absolut überzeugt davon, dass die Zentrierung der Bewerbung auf das Bergpark-Ensemble Wilhelmshöhe mit seiner romantischen barocken Wasserkunst die einzig richtige Entscheidung war. Er berichtete von einer spürbaren Begeisterung der offiziellen Unesco-Begutachtungskommission, die im September 2012 den Bergpark Wilhelmshöhe besichtigte und auch ein Gespräch mit dem Verein „Bürger für das Welterbe“ führte. Dass die langjährigen Kasseler Erfahrungen insbesondere in Sachen Bürgerbeteiligung ein hervorragendes Beispiel sind, aus dem Marburg sicher einiges lernen kann, machte Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner klar. Ebenso wies Laufner darauf hin, dass es am 15. Februar ein weiteres Stadtforum extra mit dem Thema „Marburg und Tübingen - gemeinsame Bewerbung, unterschiedliche Profile“ geben wird.

von Kristina Lieschke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr