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Karten als Instrumente der Macht

Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv Karten als Instrumente der Macht

Eine Ausstellung im Staatsarchiv zeigt historische Dokumente, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Neben Originalen werden auch Fotografien nicht mehr erhaltener Karten sowie Herstellungs-­Instrumente ausgestellt.

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Marburg. Am Donnerstag wurde im Staatsarchiv die Ausstellung „Auf einen Blick – Karten als Instrumente von Herrschaft und Verwaltung“ eröffnet.

„Wir wollen mit dieser Ausstellung weniger auf den ästhetischen Wert alter Karten aufmerksam machen, sondern viel mehr zeigen, wie sie als Instrument der Macht genutzt wurden“, erklärte der Leiter des Archivs, Dr. Andreas Hedwig, vor dem Eröffnungsvortrag. Diesen hielt Professorin Ute Schneider, die als Historikerin im Bereich der Rechts- und Kulturgeschichte vor allem als Expertin auf dem Gebiet der Kartografie bekannt ist.

„Hinter jedem Ordnungsgedanken steht eine Vorstellung von der Welt, die viel über uns aussagt“, sagte Schneider. Dies demonstrierte sie unmittelbar mit einer bewusst umgedrehten (aber korrekt beschrifteten und angeordneten) Weltkarte, die Australien und nicht Europa in den Mittelpunkt stellte.

Historiker bedauern Verlust und Verfall

„Wir sind es gewohnt, uns in unserem Alltag blind auf Karten zu verlassen, etwa bei Navigationsgeräten. Dabei gab es zu allen Zeiten in der Geschichte auch immer Fehler oder bewusste Auslassungen vonseiten der Auftraggeber. Denken sie nur etwa an die luxuriösen Erholungsorte der SED-Eliten in der DDR, die waren nirgends verzeichnet, denn das Volk sollte davon natürlich nichts erfahren,“ erklärte die Professorin.

Auch heute noch ist selbst bei den modernsten Kartenprogrammen wie Google-Maps längst nicht alles so, wie es in der Realität zu finden wäre, wie etwa Militärstützpunkte. Für Historiker stellt im Umgang mit Karten aber sicherlich der Verfall oder Verlust der Originale das größte Problem dar, schließlich fiel im Laufe der Geschichte auf, dass ältere Exemplare oft grob ungenau oder vollkommen falsch waren, was oft zur Vernichtung führte.

Besonders tragisch ist der Fall der mit zwölf Quadratmetern riesigen Ebsdorfer Weltkarte, die im späten 13. Jahrhundert entstand. Diese so mächtige wie zeitlich bedingt falsche Karte hatte zwar wenig Wert als Orientierungsmittel, wohl aber als Kunstwerk und Quelle über das Weltverständnis dieser Zeit.

Leider wurde das mächtige Pergament zwar 1830 in einer Gerümpelkammer wiedergefunden, verbrannte aber während des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1943. Zum Glück sind Fotografien dieser Karte aber erhalten geblieben und zusammen mit vielen Originalen und alten Herstellungs-Instrumenten jetzt im Hessischen Staatsarchiv am Friedrichsplatz zu bewundern.

  • Die Ausstellung ist bis 30. September geöffnet: Montag und Freitag von 8.30 bis 16.30 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 8.30 bis 19 Uhr.

von Marcus Hergenhan

 
Professorin Ute Schneider von der Universität Duisburg hielt den Eröffnungsvortrag zur Ausstellung. Foto: Marcus Hergenhan
 
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