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Kanzlerin und Partei atmen durch

Merkel im O-Ton Kanzlerin und Partei atmen durch

Angela Merkel hält in Karlsruhe eine ihrer stärksten Reden. Und die CDU-Basis stimmt für einen Kompromiss, der auch Kritiker überzeugt.

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Motto: „Erde, Wasser, Luft und Feuer“

Hat überzeugt: CDU-Chefin Angela Merkel in Karlsruhe.

Quelle: Uwe Anspach

Karlsruhe/Marburg. Der Schulterschluss zwischen Partei und Kanzlerin ist gelungen, die Stimmung bei den Delegierten ist wieder gut. „Es ist ein Gefühl des gemeinsamen Durchatmens nach einer Debatte, die die Partei beschäftigt und den einen oder anderen auch belastet hat“, sagt Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Der CDU-Kreisvorsitzende ist einer der Delegierten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf - neben dem Bundestagsabgeordneten Dr. Stefan Heck sowie Dr. Christean Wagner, Friedrich Bohl und Frank Gotthardt.

Die Kanzlerin ist mit einem Kompromiss in den Kongress gegangen. Die Junge Union zog ihren Antrag zu einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen zurück, nachdem ein Passus in den Leitantrag des Bundesvorstands zur Gefahr der Überforderung Deutschlands aufgenommen wurde. „Ein klares Signal in die Partei“, konstatiert Schäfer. Stefan Heck als Vertreter der Jungen Union sieht die überwältigende Zustimmung zum Leitantrag als Beweis dafür, „dass im Vorfeld ein kluger Kompromiss gefunden wurde“. Merkels Rede bezeichnet er als „eindrucksvoll“. „Sie hat ihren Satz ‚Wir schaffen das‘ erstmals ausführlich erläutert.“

„Langweilig war der CSU-Parteitag nicht“

Es ist eigentlich nicht Angela Merkels Stärke. Aber diesmal macht sie all das, was ihren Reden oft fehlt. Sie kämpft, erklärt, baut Brücken, dankt. Und bittet. Die Physikerin hält beim CDU-Parteitag gestern in Karlsruhe eine freie, aufrüttelnde, auch emotionale Rede. 73 Minuten lang. Die CDU-Vorsitzende kann ihrer Partei nicht viel Neues zu ihrer Flüchtlingspolitik berichten, weil sie alles schon viele Male gesagt hat. In Bürgerversammlungen, auf CDU-Regionalkonferenzen, im Bundestag, in Brüssel. Und nun sagt sie es alles noch einmal. Aber anders. Am Ende applaudieren die Delegierten im Stehen. Neun Minuten.

Merkel zieht alle Register. Sie erinnert an die CDU-Kanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Helmut Kohl. Sie hätten Superlative als Ziel für Deutschland ausgegeben. Freiheit, Wohlstand für alle, Wiedervereinigung und „blühende Landschaften“. Sie dankt Finanzminister Wolfgang Schäuble, Innenminister Thomas de Maizière, der Jungen Union, der Mittelstandsvereinigung der Union, den Kommunalpolitikern - mit allen hatte sie in den vergangenen Wochen viel Trubel. Nun schreibt sie ihnen Erfolge der Partei zu. Auch Kohl dankt sie wieder. Und den Helfern bei der Versorgung der Flüchtlinge, den Polizisten, den Soldaten. Applaus. Applaus.

Merkel fordert Delegierten zum Klatschen auf

Sie beschwört die Schwesterparteien: „Es kommt auf CDU und CSU an, egal, was es mal für einen Parteitag gibt.“ Und scherzt: „Langweilig war der letzte nicht.“ Damit reicht sie - zumindest nach außen - CSU-Chef Horst Seehofer, der sie bei seinem Parteitag in München wegen ihres Neins zur Obergrenze abgekanzelt hatte, die Hand. Seehofer soll am heutigen Dienstag auf dem CDU-Parteitag sprechen. Sie dankt ihm und der CSU-Landesgruppenvorsitzenden Gerda Hasselfeldt ausdrücklich - und als kein Applaus kommt, wirbelt Merkel einmal mit den Armen und fordert die Delegierten zum Klatschen auf. Sie tun es.

Sie schöpft aus den Erfolgen der CDU und des Landes. Alles geschafft: Freiheit, Einheit, Wohlstand. Und nicht die Integration von Flüchtlingen? „Dann würden wir feststellen, dass wir uns nicht mal vier Monate Zeit gelassen haben. Unsere Vorfahren hatten Jahrzehnte Geduld und wir nicht einmal ein paar Monate“, mahnt die 61-Jährige.

In Bewegung bleiben um Balance halten

Sie stellt das C im Namen der CDU heraus. „Jeder Mensch hat die Würde, die ihm von Gott geschenkt ist. Es kommen keine Menschenmassen, es kommen einzelne Menschen zu uns.“ Immer wieder fordert sie Mut. Zur Veränderung. Als Physikerin beruft sie sich auf Albert Einstein: Man muss vorwärts fahren, um das Gleichgewicht zu halten. Merkel ruft: „Wir müssen immer in Bewegung bleiben, immer nach vorn, um die Balance zu halten.“

Als Zugeständnis an ihre Kritiker wiederholt sie auch noch einmal den Satz, der auf deren Druck in den Leitantrag geschrieben wurde. Auch ein so starkes Land wie Deutschland könnte auf Dauer überfordert werden. „Deshalb wollen wir und werden wir die Zahl der Flüchtlinge spürbar reduzieren.“ Das sei im Interesse aller. Auch der Flüchtlinge. Viele wollten wieder in ihre Heimat. Einige müssten abgeschoben werden. Aber auch denen solle man ein freundliches Gesicht zeigen. Das klingt in dem Moment fast zynisch.

"Deutschland ist ein starkes Land"

Sie ruft: „Wenn wir jetzt tatsächlich zweifeln würden, dass wir das nicht schaffen, dann wären wir nicht die Christlich Demokratische Union Deutschlands. Aber wir sind sie, und deshalb werden wir das schaffen.“ Und „Deutschland ist ein starkes Land. Wir schaffen das.“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagt mit einem Seitenhieb auf die SPD, die am Freitag ihren Vorsitzenden Sigmar Gabriel abgewatscht hat: „Wir können beides: Wir stehen hinter unserer Vorsitzenden und geben konkrete Antworten auf Fragen, die Menschen in unserem Land haben.“

„Wichtig ist, dass wir uns deutlich von der SPD abgrenzen, die die Tore weit öffnen will“, sagt auch Christean Wagner. Mit Merkel sei er in der Flüchtlingsfrage nicht einig - er hätte es gerne gesehen, wenn sich Junge Union und Mittelstandsvereinigung mit ihrer Forderung nach einer Obergrenze durchgesetzt hätten. Der Kompromiss auf dem Parteitag gehe aber in die richtige Richtung.

Für Merkel ist der Tag erfolgreich verlaufen. Doch ein Parteitag bewältigt noch keine Flüchtlingskrise. Auf die Frage, ob das Thema Flüchtlingspolitik für die CDU nun abschließend behandelt ist, antwortet Finanzminister Schäfer: „Die Grundproblematik bleibt - und sie wird uns weiter beschäftigen.“

von Kristina Dunz und Stefan Dietrich

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