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Kanzleramtschef: Jugendorganisation soll polarisieren

Junge Union Hessen Kanzleramtschef: Jugendorganisation soll polarisieren

Viel politische Prominenz kam am Samstag nach Marburg: Schließlich war fast jeder CDU-Spitzenpolitiker in Hessen selbst einmal Mitglied der Jungen Union. Und die feierte ihren 70. Geburtstag.

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Stefan Gruhner, Landeschef der JU Thüringen, machte ein Foto mit sich und Ministerpräsident Volker Bouffier (von links), JU-Bundesvorsitzendem Paul Ziemiak sowie dem hessischen JU-Landesvorsitzenden Dr. Stefan Heck.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er hatte schon viele politische Ämter und viele Wahlerfolge. Seine erste Nieder­lage holte er sich aber bei der Jungen Union ein: Friedrich Bohl kandidierte 1970 für den Landesvorsitz der Jungen Union und „verlor kläglich“, wie der frühere Kanzleramtschef am Samstag vor mehr als 200 Zuhörern berichtete. „Ich schaffte es nur bis zum Bezirksvorsitzenden von Mittelhessen“, berichtete Bohl und sprach den Nachwuchspolitikern Mut zu: Eine Wahlniederlage gebe Kraft für weitere Kämpfe.

Viel politische Prominenz kam am Samstag nach Marburg: Schließlich war fast jeder CDU-Spitzenpolitiker in Hessen selbst einmal Mitglied der Jungen Union. Und die feierte ihren 70. Geburtstag.

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Der Marburger Polit-Promi sprach während des Festakts anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Jungen Union Hessen nicht nur als Ehrengast, sondern auch als Gastgeber. Die Veranstaltung, an der viele Minister, Abgeordnete und Bürgermeister aus Hessen teilnahmen, fand im Kongressgebäude der Deutschen Vermögensberatung statt - Bohl ist dort Aufsichtsratsvorsitzender. Bohl erinnerte auch daran, dass Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl zur Eröffnung des DVAG-Gebäudes in Marburg gekommen war.

Dass der Festakt in Marburg stattfand, liege nicht an der Tatsache, dass die Region sein Wahlkreis sei, sondern dass hier in den vergangenen Jahrzehnten viele „politische Schlachten geschlagen“ wurden, sagte der Landesvorsitzende der JU, der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck. Mit rund 11 000 Mitgliedern hat sich die Junge Union nach eigenen Angaben zur mitgliederstärksten politischen Jugend­organisation in Hessen entwickelt.

„Plakatklebegruppe“ und „Salz in der Suppe“

Die Laudatio auf die JU Hessen hielt ein Saarländer: Kanzleramtschef Peter Altmaier. In einer launigen Ansprache streifte er mehrere Themen, ging besonders auf die JU ein; diese habe die Aufgabe der Polarisierung und der Entwicklung neuer Ideen, sagte er. „Und wenn jemand sagt, Sie seien eine Plakat­klebe­gruppe, entschuldigen Sie sich nicht, sondern seien Sie stolz darauf“, so Altmaier in Anspielung auf die aktuell niedrigen SPD-Umfragewerte. Zur schwarz-grünen Landesregierung sagte Altmaier, der früher zur sogenannten schwarz-grünen „Pizza-Connection“ gehörte, die sich geheim in Pizzerien traf: Wenn damals jemand gesagt hätte, Schwarz-Grün werde erstmals von der CDU Hessen mit Volker Bouffier geführt, „wir hätten ihn zum Amtsarzt geschickt“. Wenig später sagte er lachend - auch an die Gäste von der Grünen Jugend: „Fundamentalistische Grüne gibt es wahrscheinlich gar nicht mehr in Hessen.“

Erwartungsgemäß verteidigte der Kanzleramtsminister und Flüchtlingskoordinator die aktuelle Politik der Bundesregierung. Deutschland habe eine humanitäre Visitenkarte abgegeben. Zur Debatte um den TV-Satiriker Jan Böhmermann und die Türkei sagte er: „Politik hat nicht das Recht, zu entscheiden, wo Kunstfreiheit aufhört und wo nicht.“ Die Bundesregierung hatte am Freitag entschieden, dass die Justiz die Ermittlungen gegen den TV-Satiriker Böhmermann aufnehmen kann. Die türkische Regierung hatte ein Strafverlangen bei der Bundesregierung gestellt, um eine Strafverfolgung des deutschen Satirikers wegen der Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts zu ermöglichen. Der Fall werde von deutschen Gerichten geprüft, es gelte die Unschuldsvermutung, so Altmaier.

Bouffier fordert mehr Zusammenhalt

Bouffier setzte den Schwerpunkt seines Grußwortes auf die JU. „Die JU ist das Salz in der Suppe“ der CDU, sagte er. Der Ministerpräsident, der von 1978 bis 1984 Landeschef der JU war, erinnerte an Zeiten, in denen der Rückhalt in der Bevölkerung geringer war als heute, die Jugendorganisation kein Veranstaltungslokal bekam. Das habe herausgefordert und Spaß bereitet. Heute müsse die JU „sich viel stärker und intensiver um den Zusammenhalt der Gesellschaft kümmern“. „Mit meiner Zustimmung wird es keine Rückabwicklung der Riester-Rente geben“, sagte er. Und: Integration gelinge, „wenn aus Flüchtlingen Mitbürger werden“.

von Anna Ntemiris

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Von Redakteur Anna Ntemiris

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