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Kandidaten kämpfen um das Rathaus

OB-Wahl Kandidaten kämpfen um das Rathaus

Am Sonntag sind 57.585 Wahlberechtigte dazu aufgerufen, den neuen Oberbürgermeister zu wählen. Zur Wahl stehen fünf Kandidaten und eine Kandidatin. Gewählt wird in 74 Wahlbezirken. Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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Treten am Sonntag bei der OB-Wahl an: Dirk Bamberger (CDU), Dr. Thomas Spies (SPD), Dr. Elke Neuwohner (Grüne), Jan Schalauske (Linke), Marius Beckmann (Die Partei) und Rainer Wiegand (parteilos).

Quelle: Sven Geske

Marburg. Vieles spricht dafür, dass die Marburger erst in zwei Wochen, am Sonntag, 28. Juni, endgültig über ihr neues Stadtoberhaupt entscheiden.

Um eine Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten zu verhindern, müssten die Bürger bereits diesen Sonntag einem der Bewerber einen Zuspruch von mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen geben.

Nach der Wahlumfrage, die die OP unter 1000 Marburgern durchführte, erscheint dies jedoch unwahrscheinlich. Der Kandidat der SPD, Dr. Thomas Spies, liegt demnach mit 34 Prozent knapp vor Dirk Bamberger (CDU) mit 31 Prozent. Es folgen Dr. Elke Neuwohner (Grüne) mit 18 Prozent, Jan Schalauske (Linke) mit 10 Prozent, Marius Beckmann (Die Partei) mit 5 Prozent und der parteilose Rainer Wiegand mit 2 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei den vergangenen Oberbürgermeisterwahlen bei rund 50 Prozent. 57.585 Wähler sind in diesem Jahr berechtigt, ihr Kreuz bei einem der OB-Anwärter zu machen. 5746 Bürger, also fast genau 10 Prozent der Wahlberechtigten, haben Briefwahl beantragt. Wahlberechtigte, die ihr Wahllokal aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig nicht aufsuchen können, haben die Möglichkeit, einen Wahlschein noch bis Sonntag um 15 Uhr zu beantragen. Das Wahlamt hat auch am Wahltag von 7.30 bis 18 Uhr und am Samstag, 13. Juni, von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Bamberger wird nicht nur von CDU unterstützt

Amtsinhaber Egon Vaupel (SPD) hatte angekündigt, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen zum Jahresende zurückziehe. Vaupel hatte im Oktober 2013 einen Herzinfarkt erlitten. Sein Nachfolger wird das Amt am 1. Dezember 2015 antreten. Vaupels Amtszeit wäre regulär bis 2017 gelaufen.

Auch Vaupels ursprünglicher Nachfolgekandidat bei der SPD, Matthias Acker, musste seine Kandidatur aufgrund von schweren Herz-Kreislaufproblemen überraschend wieder aufgeben. Der Landtagsabgeordnete Spies übernahm schließlich die Kandidatur für die SPD, während der grüne Koalitionspartner im Stadtparlament mit Neuwohner eine Gegenkandidatin aufstellte. Bürgermeister Dr. Franz Kahle verzichtete nach der deutlichen Niederlage vor vier Jahren auf eine erneute Bewerbung. Mit Schalauske geht zudem ein weiterer Kandidat aus dem politisch linken Spektrum an den Start.

Bamberger wird bei seiner Kandidatur nicht nur von der CDU, sondern noch von drei weiteren Parteien aus dem bürgerlichen Lager (FDP, MBL, BfM) unterstützt. Hinzu kommen Beckmann als Satire-Kandidat und Wiegand als parteiunabhängiger Bewerber.

Traditionell gilt Marburg eher als sozialdemokratische Hochburg, vor Vaupel regierte mit Dietrich Möller aber zwölf Jahre lang ein christdemokratischer Oberbürgermeister im Rathaus. Unabhängig davon, welche beiden Kandidaten in die mögliche Stichwahl einziehen - es würde am 28. Juli auf die Stimmen ankommen, die zuvor auf die vier anderen Bewerber entfielen.

Die OP informiert am Sonntag online live

Ausgezählt wird am Sonntag ab 18 Uhr, mit den Ergebnissen aus den ersten Wahlbezirken wird gegen 18.20 Uhr gerechnet. Die OP präsentiert gemeinsam mit dem Wahlamt der Stadt die Ergebnisse im Saal der Stadtverordnetenversammlung in der Barfüßerstraße 50. Chefredakteur Christoph Linne wird die Ergebnisse, die per Beamer auf eine Leinwand übertragen werden, im Laufe des Abends gemeinsam mit den Kandidaten einordnen. Den Getränkeverkauf übernimmt die Arbeitsgemeinschaft der Stadtteilgemeinden.

Eine komplette Übersicht der Ergebnisse finden Sie am Montag in der OP. Am Sonntag berichtet die Oberhessische Presse auch live auf ihrer Homepage. Unter dem Hashtag #obmr15 sind die Marburger zudem eingeladen über Facebook und Twitter über ihre Eindrücke vom Wahlabend zu berichten.

von Peter Gassner

Nur wer wählt, hat Recht zur Kritik

von Björn Wisker

Die am Sonntag anstehende Oberbürgermeisterwahl ist keine Pflicht für Staatsbürger, schon gar keine lästige. Sie ist ein Teil im Mosaik unserer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft. Wer glaubt, mit Nichtwählen ein Signal zu setzen, etwa weil „die da oben ja eh machen was sie wollen“, lügt sich selbst in die Tasche und höhlt langfristig die Basis des Zusammenlebens aus.

Der Verweigerungshaltung wohnen erstmal andere Dinge inne: Trägheit, Selbstgefälligkeit, Faulheit sich zu informieren. Wer sich mit dem, was Politik im Kern ist – Ideenwettstreit, Gestaltungswille, Zukunftsentwicklung – auseinandersetzt, erkennt sehr wohl Unterschiede in Personen, Programmen, Positionen. Auch in Marburg.

Selbst der bisweilen lasche Wahlkampf hat es jedem, der sich damit beschäftigen wollte, ermöglicht, Gegensätze festzustellen. Das geht bei den Charakteren Thomas Spies, Dirk Bamberger, Jan Schalauske, Elke Neuwohner, Marius Beckmann und Rainer Wiegand los und endet bei der Grundsatzfrage nach gewünschter Kontinuität, Kurswechsel oder Klamauk.

Spott ist vom (Nicht-)Wähler jedenfalls schnell gesprochen, Hohn zügig herausposaunt, Wut immer wieder wortgewaltig entladen. Doch wer künftig die Stadtpolitik kritisieren möchte, sollte am Sonntag in Vorleistung gehen – mit so etwas Simplem wie einem Kreuz auf einem Wahlzettel. Fünf Minuten Fußweg zur Urne kostet das jeden Marburger; anderswo kostet Menschen schon das Verlangen nach einem Wahlzettel das Leben.

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