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Kampfansage an die Inkontinenz

Krankheiten Kampfansage an die Inkontinenz

Hoffnung für Patienten: Eine neue Behandlungsmethode scheint bei Inkontinenz erfolgversprechend zu sein. Marburger Mediziner geben morgen auch darüber Auskunft.

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Axel Hegele (l) , Hans-Werner Biehn und Rainer Hofmann informieren morgen über das Thema Inkontinenz. Foto: Björn Wisker

Marburg. Er teilt viele ihrer Leiden, doch nicht das schamvolle Schweigen: Hans-Werner Biehn (63) ist einer von Hunderten in Marburg, die mit einer Inkontinenz leben - doch geht er offensiv mit dem Problem um. Er engagiert sich seit Jahren in einer Selbsthilfegruppe, 50 Männer zählt diese. Einlagen oder Windeln tragen - ständig von der Angst geplagt, keine Toilette in der Nähe zu haben. „Nach meiner Prostata-Operation stand auch ich oft stundenlang in einem Einkaufscenter vor der Toilette“, sagt er. Bummeln in der Stadt? „Das trauen sich viele Inkontinente erfahrungsgemäß nicht“, sagt der 63-jährige pensionierte Lehrer. Doch sich zuhause verkriechen sei für ihn keine Option gewesen. „Ich will und kann weiter am Leben teilnehmen.“

Der soziale Druck ist die eine, die medizinische Hilfe die andere Seite beim Blick auf das Thema. Ärzte unterscheiden zwischen Harndrang- und Belastungs-Inkontinenz. „Bei Ersterer spüren die Betroffenen, dass sie Urin verlieren, schaffen es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette“, sagt Professor Rainer Hofmann (58), Leiter der Urologie am Marburger Universitätsklinikum. Bei der Belastungsinkontinenz sei es anders, „da merkt man Urinverlust nicht, etwa beim laufen, springen oder husten.“

Doch Inkontinenz, sagt Professor Axel Hegele (43), sei keine Krankheit. „Es ist ein Symptom für ein anderes, dahinter liegendes Leiden“, sagt er. Stoffwechselstörungen, etwa Diabetes sei eine häufig Ursache. Auch nach Operationen oder Bestrahlungen - im Kampf gegen Krebs - trete die Inkontinenz oft auf.

Eine neue Therapiemethode scheint im Kampf gegen den unkontrollierten Urinverlust zu helfen: Ein Faltenmittel in die Blase spritzen. „Mit Botox behandeln wir derzeit etwa 100 Patienten in Marburg“, sagt Hegele. Zwischen acht und zwölf Monate hält die Verschlussmasse, dann müsse sie erneuert werden. Bislang habe es nur Tabletten - die bei einigen nicht wirken - oder komplizierte Operationen, etwa die Blasenentfernung gegeben um die Inkontinenz in den Griff zu bekommen. „Das Ziel ist es, die Lebensqualität zu steigern“, sagt Hegele.

Morgen von 9.30 Uhr bis 13 Uhr sprechen Experten zum Thema Inkontinenz im Technologie- und Tagungszentrum, Softwarecenter 3.

von Björn Wisker

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