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Kampf um mehr Sozialpädagogen

Bildung Kampf um mehr Sozialpädagogen

Die Schulen in der Stadt verlangen mehr sozialpädagogische Angebote. Der Betreuungsbedarf von Kindern und Jugendlichen ist massiv gestiegen. Problem: Die Stadt kann die steigenden Kosten kaum mehr stemmen.

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Prügel-Probleme machen nur einen Bruchteil der Arbeit von Sozialpädagogen an Marburgs Schulen aus. Ihr Expertenrat wird aber offenbar immer häufiger gesucht. Foto: www.polizei-beratung.de

Marburg. Das ist ein Ergebnis der Debatten aus dem Jugendhilfeausschuss. „Der Bedarf an Einzelfallhilfe in den Schulen ist massiv gestiegen“, sagt Stefanie Lambrecht vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie. Private, familiäre und schulische Sorgen treiben immer mehr Jungen und Mädchen in die Gesprächsrunden mit den Pädagogen. Auch die Elternberatung werde immer häufiger in Anspruch genommen. „Und unser Ziel ist die Weiterentwicklung des sozialpädagogischen Handelns an Schulen“, sagt sie.

Doch das kostet Geld, immer mehr Mittel muss die Stadt für die pädagogischen Dienste aufwenden. „Wir als Kommune können den wachsenden Bedarf samt steigender Kosten nicht mehr alleine auffangen“, sagt Bürgermeister Franz Kahle (Grüne). Sein Hilfeschrei: Es müsse mehr Geld von Land oder Bund her. Die Alternative: „Das Land sollte an Schulen Planstellen für Sozialpädagogen schaffen“, fordert er.

Rund 200 000 Euro muss die Stadt ab 2014 in die Schulen pumpen, um an den bisher acht Bildungsstätten mit Sozialpädagogen das Betreuungs-Niveau zu halten und gleichsam eine neue Versorgung an Grundschulen aufzubauen. „Die Kosten haben sich seit dem Startschuss 2008 und über die letzten fünf Jahre fast verdoppelt“, sagt Kerstin Weinbach (SPD). Die politische Diskussion, so schätzt sie, werde an diesem Punkt aufflammen - immerhin stehen ab Spätsommer die Haushaltsanmeldungen und die Beratungen an.

Hans-Werner Seitz (Grüne) warnte zugleich: „Bei den Kitas haben wir uns einst alleine finanziell weit nach vorne gewagt und vom Land erhalten wir daher wenig Hilfe. Wir müssen also jetzt bei den Schulen genau schauen, das wir als Stadt langfristig nicht der alleinige Zahlmeister sind“, sagt er.

Weinbach fordert daher, dass die Bildungseinrichtungen in Bezug auf die sozialpädagogischen Angebote selbst mehr finanzielle Verantwortung übernehmen und „auch kreative Möglichkeiten finden, um Landesmittel einzuwerben“.

Kaum eine Chance auf sozialpädagogische Gleichbehandlung haben aktuell die Gymnasien. „Die Jugendlichen dort werden aber doch von Sorgen und Nöten nicht verschont“, klagt Renate Oberlick. Birgit Kohl-Hofmann, Leiterin des Fachdiensts Schule entgegnet: Die Gymnasien seien keinesfalls von der Betreuung abgeschnitten, es gebe Hilfsangebote. Die Modelle seien anders - das führe jedoch in der Tat dazu, dass für die klassische Sozialarbeit, wie andere Marburger Schulen sie anbieten, weniger Zeit bleibe.

Soziale Träger wie Juko, bsj, Ikjg oder Bsf kooperieren bei diesem als „Marburger Modell“ bezeichneten Weg mit den Schulen. „Wir machen nicht einfach mehr Geld locker und die Schulen kaufen sich eine pädagogische Honorarkraft ein“, erklärt Lambrecht. Vielmehr nutze man die Stadtteil-Verwurzelung der Helfer für die jeweils im Umkreis ansässigen Schulen.

Der Vorteil, den die Projektverantwortlichen in ihrer Herangehensweise sehen: „Die personelle Kontinuität ist der entscheidende Grund dafür, dass die Hilfestellungen der Sozialpädagogen gesucht und angenommen werden“, sagt Lambrecht. Die Ausdehnung des sozialpädagogischen Handelns soll vor allem Grundschulen betreffen. Ganz oben auf der Liste: die Schwanhof-Schule.

von Björn Wisker

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