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Kampf gegen Mindestlohn-Missbrauch

Maikundgebung Kampf gegen Mindestlohn-Missbrauch

Zeit für mehr Solidarität“ lautete das Motto der Maikundgebung: Bei Sonnenschein gingen dafür mehr als 300 Menschen in Marburg auf die Straße.

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Mehr als 300 Menschen zogen durch Marburg, um am Tag der Arbeit für die Rechte der Arbeitnehmer zu demonstrieren

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ausgerechnet AfD-Politiker Björn Höcke hat sie zusammengebracht: Jugendliche und junge Erwachsene aus neun verschiedenen Bündnissen, die sich am 1. Mai erstmals gemeinsam als Gruppierung lautstark der DGB-Kundgebung anschlossen.

Beim Protest gegen einen geplanten Auftritt von AfD-Politiker in Marburg – der letztendlich abgesagt worden war – hatten sich verschiedene Lager zusammengetan und seitdem weitere Veranstaltungen geplant, erklärte DGB-Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt im OP-Gespräch. So verdanke man Höcke, dass unter den Kundgebungsteilnehmern deutlich mehr junge Menschen als in den Jahren zuvor waren, sagte Immelt.

YKK-Betriebsrat informiert

Insgesamt versammelten sich nach Angaben der Polizei mehr als 300 Menschen auf den Kundgebungen, die vor dem DGB-Haus in der Bahnhofstraße, auf dem Marktplatz und auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz stattfanden. Der Protestzug verlief durch die Oberstadt. Hauptredner war Armin Schild von der IG Metall. Auch er stellte seine Rede unter dem bundesweiten Motto der Erste-­Mai-Aktionen: „Zeit für mehr Solidarität“.

Demonstration und Kundgebung am 1. Mai in Marburg. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Der Gewerkschafter ging dabei auf gesellschaftspolitische Fragestellungen ein, erteilte Fremdenhass eine deutliche Absage und warnte davor, das Flüchtlingsthema mit anderen Themen zu vermischen. Er sprach von „Flüchtlingen als Reservearmee, um den gerade eingeführten Mindestlohn wieder außer Kraft zu setzen.“ In der Bildung sei Deutschland schlecht aufgestellt. Die baulichen Zustände der Toiletten, Schulbusfahrer, die schlecht bezahlt seien: Das alles habe nichts mit Flüchtlingen zu tun, sagte er und erhielt dafür Applaus. Zum Tarifstreit der IG Metall sagte er, dass noch vor Pfingsten ein Ergebnis vorliegen müsse, sonst werde es Warnstreiks geben.

Spies: Auszubildende weiter beschäftigen

Gewerkschafts-Vertreter aus verschiedenen Berufsbranchen, darunter aus der Diakonie und der Politik warben ebenfalls für Tariflöhne und den Kampf gegen Mindestlohnmissbrauch.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bekräftigte, dass die Stadt Marburg trotz schwieriger Haushaltslage öffentliche Institutionen nicht privatisieren werde sowie daran festhalte, Auszubildende mindestens 18 Monate nach dem Abschluss weiter zu beschäftigen.

Wie sich globale Wirtschaftsentwicklungen auf die Region auswirken, ist am Beispiel des Reißverschluss-Herstellers YKK zu sehen, der in Wenkbach produziert. YKK-Betriebsratsmitglied Benjamin Becker berichtete den Teilnehmern, dass die Mehrzahl seiner Kollegen von Tarifsteigerungen nicht mehr profitieren werden, da das Unternehmen in die Mitgliedschaft ohne Tarifbindung des Arbeitgeberverbands gewechselt ist. „Der Maßstab sind Löhne aus Südeuropa, das Argument ist Standorterhaltung“, so Becker.

von Anna Ntemiris

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