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Kampf gegen Karies in der Mongolei

Zahnhygiene Kampf gegen Karies in der Mongolei

Gabriella Schmidt-Corsitto zeigt Waisenkindern in der Mongolei, wie sie ihre Zähne richtig putzen ­können. Zwei Mal im Jahr kommt sie aber auch noch nach Marburg zurück, um hier Parodontosebehandlungen zu übernehmen.

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Die Probleme kamen mit dem Zucker: In der Mongolei zeigt Gabriella Schmidt-Corsitto Waisenkindern, wie sie ihre Zähne richtig ­putzen. Vor 1990 gab es in dem Land keinen Zucker und auch kein Karies.

Quelle: Privatfoto

Marburg. In keinem Land der Welt haben mehr Menschen Karies als in der Mongolei - das berichtet Gabriella Schmidt-Corsitto aus Rosenthal, die seit 2013 mit ihrer Familie in Ulaanbaatar lebt. Für sie gibt es in der Mongolei daher viel zu tun: Die 53-Jährige ist Dentalhygienikerin, zeigt den Menschen, wie sie sich richtig die Zähne putzen können und klärt sie über Mundhygiene und die Bekämpfung von Parodontitis-Erkrankungen auf. Mit ihrem Wissen setzt sie sich vor allen Dingen für Waisenkinder in der Mongolei ein.

„Die Mongolei war ursprünglich ein Nomadenvolk und ernährte sich fast ausschließlich ohne Zucker“, erklärt Schmidt-Corsitto. Auf dem Speiseplan standen überwiegend Fleisch, Milchprodukte und gesalzener Milch-Tee. „Eine traditionelle Zahnhygiene gab es hier also nicht und war damals auch nicht notwendig.“

1990 wandelte das Land sich politisch - und auch die Ernährung der Menschen wurde komplett umgekrempelt: „Wirtschaftswachstum, Wohlstand und in der Folge Importe von Süßigkeiten und gesüßten Getränken hat zur höchsten Karies­prävalenz weltweit geführt.“

Schmidt-Corsitto zog mit ihrem Ehemann 2013 in die Mongolei - er arbeitet dort als Berater für nachhaltige Forstwirtschaft im Umweltministerium. Die geborene Schweizerin, die in Zürich ihre Ausbildung zur Dentalhygienikerin abschloss, wurde schon kurz nach ihrem Umzug in das neue Land um Unterstützung bei der Ausbildung mongolischer Dentalhygieniker gebeten. Mit Studenten untersuchte sie dann kostenlos Kinder aus Waisenhäusern in Ulaanbaatar und unterrichtete diese in der Mundhygiene.

Schmidt-Corsitto organisiert Reittouren durch Mongolei

Schließlich gründete Schmidt-Corsitto zusammen mit Gleichgesinnten die „Misheel Kids Foundation“, um auch genügend Geld für die Projekte in den Waisenhäusern zu sammeln. Nicht nur Firmen in der Mongolei, sondern auch Firmen aus Marburg, der Rotary Club Bad Wildungen und einige private Spender hätten ihre Arbeit bislang finanziell unterstützt. „Damit haben wir bereits bei den ersten 74 Waisenkindern vollständige Zahnsanierungen durchgeführt“, erklärt sie. Teilweise seien bis zu zwölf Zähne pro Kind saniert worden. Erklärtes Ziel der Stiftung sei es, zeitnah 424 Kinder zu behandeln.

Doch Schmidt-Corsitto und das Team der Stiftung wollen noch mehr: „Wir wollen die Arbeit auf weitere Waisenhäuser in der Mongolei ausweiten“, erklärt sie. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen in Schulen - so wie das Gesundheitsamt in Marburg sie auch anbietet - wolle sie ermöglichen. Zudem wolle sie allgemein Werbung für gesunde Ernährung und Mundhygiene machen.

Zweimal im Jahr ist Schmidt-Corsitto in Marburg. „Ich behandle dann langjährige Patienten parodontitisch“, erklärt sie. Hier findet sie aber auch Unterstützung, etwa bei Spendern oder beim Gesundheitsamt. Die zweifache Mutter kümmert sich aber nicht nur um gesunde Zähne. In der Mongolei übernimmt sie auch schon mal die Reiseleitung: „In meiner Freizeit unterstütze ich einen lokalen Pferdezüchter bei der Organisation von Reittouren, insbesondere für ausländische Touristen.“ Dann reitet sie durch die mongolische Wildnis - bis zu 700 Kilometer an bis zu zwölf Tagen. „Wir hatten auch schon Gäste aus Marburg“, verrät sie.

Bevor die Familie aus Rosenthal in die Mongolei zog, war Schmidt-Corsitto schon im Ausland unterwegs: Auch in Westafrika kümmerte sie sich schon um Zahngesundheit. Bereits 1988 ging sie für drei Monate nach Gabun, half dort einem deutschen Zahnarzt dabei, die Zahnstation einer Klinik wieder aufzubauen. In der berühmten Albert-Schweitzer-Klinik in Lambarene sammelte sie wertvolle Erfahrungen, die sie später für den Aufbau einer mobilen Zahnstation in Gabun nutzte.

Erfahrungen auf der ganzen Welt gesammelt

„Es hatte sich gezeigt, dass man mit der stationären Zahnbehandlung in Lambarene vor allem die ärmsten Kinder nicht erreicht“. In Gabun lernte Schmidt-Corsitto auch ihren späteren Ehemann kennen - der leitete dort ein Forstprojekt. Schon als die zweifache Mutter das erste Mal vom Beruf der Dentalhygienikerin hörte, wusste sie, was sie werden will. Anfang der 80er-Jahre sei dieses Berufsbild erst aus Amerika in die Schweiz gekommen.

1984 begann sie schließlich ihre Ausbildung und arbeitete danach nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika. Überall bildete sie Zahnhygieniker aus, die vor allen Dingen in der Mongolei dringend benötigt würden. Sie beriet Institutionen bei der Einrichtung von Zahnkliniken. Neben der Behandlung setzt sie heute in der Mongolei aber vor allem auf Aufklärung, um Waisenkinder vor Karies und Parodontitis zu schützen. Die Unterstützung für ihre Foundation durch Sponsoren stimmt sie zuversichtlich.

von Patricia Grähling

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