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Kampf den multiresistenten Keimen

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Sie sind nach Einschätzung der Europäischen Gesundheitsbehörde die bedeutendste Krankheitsbedrohung Europas: Multiresistente Erreger (MRE).

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Dr. Martin Just (von links), Dr. Karsten McGovern, Professor Reinier Mutters und Professor Thomas Eikmann zeigen jeweils die zehn häufigsten Überträger von Keimen: die Hände.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. So werden Krankheitserreger bezeichnet, die gegen unterschiedliche Antibiotika unempfindlich sind. Jährlich machen diese Erreger in Europa rund drei Millionen Menschen krank, dabei kommt es zu geschätzten 50000 Todesfällen.

„Wenn es zu einem Krankheitsausbruch im Landkreis kommt, sehen wir uns zum einen damit konfrontiert, diesen Ausbruch einzudämmen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern. Doch damit alleine sei es nicht getan. Vielmehr komme auch der Prävention eine hohe Bedeutung zu. Und dieser hat sich das MRE-Netz Mittelhessen verschrieben. Die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Gießen, Lahn-Dill und Vogelsberg sind ebenso beteiligt wie das Regierungspräsidium Gießen und das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Die Ziele des im Februar 2011 gegründeten Netzwerks fasst der Vorsitzende Professor Thomas Eikmann zusammen: „Wir vernetzen alle Akteure des Gesundheits- und Pflegewesens und erarbeiten gemeinsam einheitliche und verbindliche Verfahren im Umgang mit MRE“, sagt er. Das Netzwerk sieht sich als Plattform für Informationsaustausch und Fortbildung, will eine praktische Hilfestellung anbieten. Und dabei sei es wichtig, den Akteuren nicht einfach „ein fertiges Konzept überzustülpen, sondern Lösungen, die stark an der Praxis orientiert sind, gemeinsam zu erarbeiten“.

Für Patienten und deren Angehörige stellt das MRE-Netz Informationen und praxisbezogene Hygieneempfehlungen bereit. Somit könnten unnötige Ängste abgebaut werden.

Wie wichtig dies ist, verdeutlicht Eikmann an einem Beispiel: „Ein Klinik-Patient mit MRSA wurde behandelt, der Keim ist aber noch vorhanden. Jetzt wird er entlassen, kommt in ein Pflegeheim. Dort müssen die Zuständigen wissen, was er hat - die Information muss fließen. Außerdem müssen die Verantwortlichen wissen, wie sie mit dem Betroffenen umgehen und wie die weitere Therapie verläuft.“ Genauso stelle es sich in Bezug auf den Rettungsdienst, den ambulanten Pflegedienst oder auch den Zahnarzt dar. „Alle Bereiche des Gesundheitswesens müssen vernetzt werden“, stellt der Professor klar. Denn bisher sei die Informationsweitergabe „sehr lückenhaft“ gewesen.

Doch nicht nur der Informationsaustausch sei mangelhaft - sondern auch die Unterstützung. Denn wie immer geht es ums liebe Geld. „Für die Betreuung im ambulanten Bereich können keine Kosten geltend gemacht werden“, beklagt Eikmann. „Es sind noch viele Fragen offen. Bekommt der niedergelassene Arzt seine Abstriche bezahlt? Welche Heil- und Hilfsmittel werden den ambulanten Pflegekräften bezahlt?“, zählt der Vorsitzende zwei Beispiele auf.

Doch wie kommt es zu der Resistenz der Erreger? „Die ist vor allem der falschen Anwendung von Antibiotika geschuldet“, macht Professor Reinier Mutters vom Uni-Klinikum Marburg deutlich.

Denn durch den zu frühen und zu häufigen Einsatz des Medikaments würden Krankheitserreger für dieses unempfindlich. „So werden die Multiresistenzen erst generiert“, sagt er. Am Klinikum gibt es daher ein Patientenscreening. Mutters verdeutlicht: „Risikopatienten und alle Patientin, die auf die Intensivstation oder in den Operationssaal gehen, werden auf MRSA untersucht.“ Alleine dieses Jahr seien bereits 19000 Patienten untersucht worden.

„Denn in 80 Prozent aller Fälle werden die Erreger von außen ins Krankenhaus eingeschleust.“ Für ihn ist klar: „Es ist nicht nur wichtig, einen Patienten zu behandeln. Sondern es ist genauso wichtig, zehn andere vor einer Infektion zu schützen.“

von Andreas Schmidt

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