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Kameradschaft beharrt auf ihrem Stein

Marburger Jäger Kameradschaft beharrt auf ihrem Stein

Die juristische Auseinandersetzung um das Kriegsdenkmal in Bortshausen geht weiter. Die Kameradschaft Marburger Jäger legte Widerspruch gegen die Abbauverfügung der Stadt ein.

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Auf einem Gartengrundstück in Bortshausen steht dieses Kriegsdenkmal. Die Kameradschaft Marburger Jäger wehrt sich gegen die Abbauverfügung der Stadt.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Pressesprecherin der Stadt, Sabine Preisler, teilte der OP auf Anfrage mit, dass die Kameradschaft den Widerspruch „formal“ eingelegt habe. Sie habe nun vier Wochen Zeit, den Widerspruch zu begründen.

Wenn die Stadt bei ihrer bisherigen Haltung bleibt, muss ein Gericht über die Zukunft des Kriegsdenkmals entscheiden - das könnte Monate dauern.

Das umstrittene Kriegsdenkmal in Bortshausen stand ursprünglich in der Knutzbach im heutigen Waldtal, später vor der Jägerkaserne und danach vor der Hessenkaserne in Neustadt. Mit der Schließung der Hessenkaserne im Jahr 2011 wurde das Denkmal von der „Kameradschaft Marburger Jäger“ erworben und auf einem privaten Gartengrundstück in Bortshausen wieder aufgestellt.

Untersuchung zeigt Kriegsverbrechen auf

Seitdem gibt es Proteste gegen dieses Denkmal, in Bortshausen gründete sich eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Aufstellung des Denkmals richtete ebenso wie gegen öffentliche Gedenkveranstaltungen. Die „Kameradschaft Marburger Jäger“ wurde Gegenstand einer Untersuchung der Geschichtswerkstatt Marburg. Ergebnis: Die „Marburger Jäger“ waren im Lauf ihrer Geschichte mehrfach in Kriegsverbrechen und andere Gräueltaten verwickelt.

Nach längeren Beratungen, unter anderem mit der Landesregierung und dem Regierungspräsidium, hat sich die Stadt die Auffassung zu eigen gemacht, dass die Beseitigung des Denkmals in Bortshausen der „Wahrung öffentlicher Belange“ dient.

Eine unkommentierte und unkritische Aufstellung des Kriegsdenkmals, werde „der zum Teil fatalen und mörderischen Rolle der Marburger Jäger in keiner Weise gerecht“, hatte Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle der OP im Juli zur Begründung für die Beseitigungsverfügung gesagt.

Die Marburger Jäger, seit 1866 in Marburg stationiert, waren im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach in Kriegsverbrechen und andere Gräueltaten verwickelt, unter anderem in das Massaker an der Zivilbevölkerung im belgischen Dinant am 23. August 1914 (die OP berichtete gestern).

Die Rolle von General Charles de Gaulle

In Dinant findet am 15. August eine Gedenkveranstaltung an den Ersten Weltkrieg statt. Der Festakt erinnert daran, dass am 15. August 1914 mehr als 1500 junge Soldaten ihr Leben bei der Verteidigung der Stadt gelassen hätten. Am 23. August beklagte Dinant inmitten von brennenden Mauern den Tod von 674 Zivilisten. Darunter waren auch Frauen und Kinder, die Opfer des Massakers durch deutsche Truppen wurden .

Aufgrund dieser Vorfälle sei Dinant auch als die „erste Märtyrer-Stadt“ in Belgien bekannt geworden, heißt es.

Anlässlich des 100. Jahrestags wird am 15. August in Dinant eine Kupferstatue zu Ehren von Charles de Gaulle enthüllt. Der spätere französische Präsident (1890 - 1970) war 1914 als Leutnant der französischen Armee an der verlustreichen Verteidigung der Marnebrücke in Dinant beteiligt und zog sich eine Verwundung zu.

Charles de Gaulle genießt in Dinant hohes Ansehen wegen seiner Beteiligung an der Verteidigung der Stadt gegen die deutschen Truppen.

Die Veranstaltung am 15. August will aber ausdrücklich auch an die Verdienste de Gaulles um die europäische Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Am 23. August schließt sich ein Gottesdienst im Gedenken an die getöteten Zivilisten in Dinant an.

von Till Conrad

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