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Kakteen-Kenner hortet Stachelpflanzen

Hobby Kakteen-Kenner hortet Stachelpflanzen

Die stacheligste Sammlung in der Stadt: Rainer Rösch besitzt Hunderte Kakteen. Der Cappeler züchtet und pflegt die Gewächse, opfert für sie Zimmer im Wohnhaus. Warum nur? Ein Besuch bei einem Exoten.

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Gewächshaus im Garten: Rainer Rösch züchtet und pflegt entlang der Marburger Straße Hunderte Kakteen. Foto: Björn Wisker

Marburg. Krank, er ist krank. Rainer Rösch beugt sich hinunter, seine Augen werden schmal, sie scannen die Haut, untersuchen sie auf braune Stellen. Sekunden verrinnen - und tatsächlich, der Kaktus hat sich einen Sonnenbrand geholt. Jetzt heißt es handeln, ab in den Schatten mit der Pflanze. Die Rettung ist nah, in der Marburger Straße ist ein ganzes Zimmer für Kakteen, Hunderte von ihnen, reserviert. Andere, die mehr aushalten als das sonnenstichgeplagte Stachelgewächs - gar Frost bis Minus 20 Grad - haben ihre Heimat in einem von Rösch umgebauten Sandkasten gefunden.

„Ich bin in einem Dorf auf dem Land groß geworden. Pflanzen, Tiere, Natur sind für mich von Kindesbeinen an selbstverständlich gewesen“, sagt er. Als Jugendlicher habe er zu Hause einen kleinen Garten gepflegt, die Liebe zu Kakteen habe er von seiner Mutter geerbt. Damals, im Vogelsbergkreis, hätten viele große Exemplare am Haus gestanden. „Mich haben Kakteen irgendwie immer fasziniert. Sie sind viel mehr als nur stachelig. Sie blühen so schön, viel schöner als Blumen“, sagt der 58-Jährige. „Bei Hardrock-Musik wachsen sie gut. Viel besser jedenfalls als mit Beethoven oder solch lahmem Zeug.“

Sammlung ist international

Uruguay, Bolivien, Australien: Röschs stachelige Sammlung, deren Größe er angesichts der Menge gar nicht kennt, ist international. Irgendwann sei die Sammlung immer größer geworden, „weil ich überall nur Kakteen sehe“. Die Biologie interessiere ihn bei dem Hobby, das in Mittelhessen seines Wissens nach niemand sonst pflegt, kaum. „Namen und so kenne ich natürlich. Ich erfreue mich aber vor allem an den Farben. Auch die Zucht und Pflege machen mir Spaß. Aber dass ich nur nach seltenen, ausgefallenen Arten Ausschau halte, ist nicht so. Ich kaufe auch welche beim Discounter, wenn die mir gefallen.“ Sein aktueller Liebling ist so ein Fall - er blüht strahlend gelb und „wurde mir für ein paar Euro nachgeschmissen“.

Pflanzenmärkte wie im Botanischen Garten seien für ihn jedenfalls „ein wahres Fest“. Dann laufe er „mit Tunnelblick“ von Stand zu Stand auf der ­Suche nach Erweiterungen für seine stachelige Sammlung.

Zwischen Mai und September ist die Blütezeit. Die Arbeit, etwa das Umtopfen, beginnt für Rösch schon im März. „Stundenlang beschäftige ich mich dann mit dem Hobby, komme was wolle.“ Seine Ehefrau Anke Rösch stimmt zu: Selbst, wenn beide Urlaub haben, verbringe ihr Mann zwei von zweieinhalb Wochen mit den Pflanzen. „Für mich ist das Entspannung pur“, sagt der Elektriker.

Kakteen dienen ihm sogar als Geburtstagsgeschenke für Freunde, Familie und Bekannte. „Aber es ist schon bemerkenswert, dass manche von ihnen das Kunststück fertigbringen, Kakteen verdursten zu lassen“, sagt er. „Dann sollte man sich an Blumen gar nicht erst versuchen.“

von Björn Wisker

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