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Kahle will zwei Windkraftanlagen bauen

Lichter Küppel Kahle will zwei Windkraftanlagen bauen

Die Stadtwerke Marburg können langsam damit rechnen, auf dem „Lichter Küppel“ auf den Lahnbergen Windkraftanlagen bauen zu können. Bürgermeister Kahle rechnet damit, dass die Marburger dagegen nicht groß protestieren werden. Wie sehen Sie das - die Kommentare sind geöffnet.

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Das Gebiet „Lichter Küppel“ ist bei Spaziergängern beliebt, jetzt sollen dort Windkraftanlagen gebaut werden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es bläst der Wind am „Lichter Küppel“, und zwar reichlich: Langzeitmessungen der Stadtwerke Marburg haben ergeben, dass die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten 5,82 Meter pro Sekunde in 100 Metern Höhe und 6,55 Meter pro Sekunde in 140 Metern Höhe betragen. Diese Zahlen nannte Bürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Franz Kahle in der letzten Stadtverordnetenversammlung auf eine Nachfrage des Abgeordneten und Ginseldorfer Ortsvorstehers Dr. Horst Wiegand (SPD).

Damit ist die Voraussetzung erfüllt, die das Hessische Wirtschaftsministerium an die Ausweisung eines Vorranggebiets für Windkraftanlagen stellt: eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 5,75 Metern pro Sekunde in 140 Metern Höhe über Grund.

Der „Lichter Küppel“ ist deswegen in der überarbeiteten Karte zur Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraft enthalten, die das Regierungspräsidium vergangene Woche der Regionalversammlung Mittelhessen zur parlamentarischen Beratung vorgestellt hat.

Kahle sagte der OP, man treibe nun die Vorbereitungen für den Bau voran:

  • Die avifaunistischen Gutachten (also die Gutachten, die sich mit der Gefährdung der Vogelwelt auseinandersetzen) seien „vielversprechend“, so der Bürgermeister – will heißen, derzeit sieht alles so aus, als gebe es keine konkreten Gefährdungen für bestimmte Vogelarten durch den Bau und den Betrieb von Windkraftanlagen am „Lichter Küppel“
  • Kahle rechnet mit der immissionsrechtlichen wie auch mit der artenschutzrechtlichen Genehmigung Anfang des kommenden Jahres.
  • Laut Auskunft des RP ist ein alter Flächennutzungsplan für das Gebiet noch in Kraft. Der Magistrat habe den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan ins parlamentarische Verfahren gegeben.

Statt der ursprünglichen geplanten drei Anlagen sollten aber nur zwei errichtet werden, sagte Kahle. Der Bürgermeister rechnet nicht mit erheblichem Widerstand in Marburg gegen den Bau: „Zustände wie in Holzhausen sind in Marburg nicht vorstellbar.“ Und im Parlament unterstütze zuletzt auch die CDU die Pläne des rot-grünen Magistrats.

Aus dem Mund des Marburger CDU-Chefs Matthias Range klingt das allerdings ein wenig anders: Das Ergebnis der Windmessungen müsse „mit einiger Vorsicht“ bewertet werden, sagt Range. Um einen verlässlichen Durchschnittswert zu ermitteln, müssten sie über mindestens zwei Jahre, besser sogar drei Jahre, erfolgen. „Nur dadurch können Schwankungen und einmalige Spitzenwerte ausgeschlossen werden“, so Range.

Generell sei zu berücksichtigen, dass zwei Drittel aller Windräder in Deutschland defizitär arbeiteten, sagte Range und verwies auf die Windkraftanlagen in Wehrda: Wenn die sich einmal drehen, also Strom produzieren, sei dies „eine Attraktion mit Seltenheitswert“. Um Stadt und Stadtwerke vor „erheblichen finanziellen Verlusten“ zu bewahren, solle man auf den Bau der vorgesehenen Windkraftanlagen verzichten, regt Range an.

Kahle sieht die Ergebnisse weniger skeptisch: Die Ergebnisse der Windmessungen seien eindeutig, sagt der Bürgermeister. Der Grenzwert sei deutlich übertroffen. Experten gingen davon aus, dass die Wirtschaftlichkeit doppelt so hoch sei, wenn der Wind nur 0,25 Meter pro Sekunde stärker blase.

Und: Die Firmen, die mit der Windmessung beauftragt würden, gäben die Garantie, dass die Ergebnisse mit einer Schwankungsbreite von etwa 5 Prozent auch im realen Betrieb erreicht werden.

Range fordert, die betroffenen Ortsteile – im Falle „Lichter Küppel“ sind dies vor allem Cappel und Moischt – vor einer endgültigen Entscheidung einzubinden. Gebaut werden dürfe nur mit „ausdrücklicher Zustimmung“ von Ortsbeiräten und Bevölkerung.

Hintergrund: Neue Windkraft-Standorte in Marburg

Neben dem Lichter Küppel sind zwei weitere Standorte in Marburg vom Regierungspräsidium als Vorranggebiete für Windkraft vorgesehen:

Die Bürgeler Gleiche auf den Lahnbergen gehört Hessen Forst. Hessen Forst teilt auf seiner Homepage mit, man führe regelmäßig Bieterverfahren zur Vergabe geeigneter Standorte im Staatswald durch. Wichtiges Kriterium: Wirtschaftlichkeit. Konkretere Verhandlungen finden zur Zeit nicht statt.

Am Görtshäuser Hof prüft nach OP-Informationen ein privater Investor den Bau von Windkraftanlagen.

von Till Conrad

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Auf dem „Lichter Küppel“ sollen zwei Windräder gebaut werden.

In ungewöhnlich scharfer Form hat Andreas Schulz (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Ebsdorfergrund, auf die Windkraft-Pläne der Stadt Marburg reagiert.

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