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Junkies überfallen Dealer im Südviertel

Gerichtsprozess Junkies überfallen Dealer im Südviertel

Sie schlugen mit Fäusten auf ihren Drogendealer ein, entwendeten drei Plomben Heroin - und müssen sich nun wegen schweren Raubes vor Gericht verantworten. Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

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Quelle: Boris Roessler

Marburg. Auf der Anklagebank sitzen drei ehemalige Junkies, zwei Männer und eine Frau, die jahrelang der Marburger Heroin-Szene angehörten und offen­kundig immer noch Kontakte pflegen. Beide Männer machen umfangreiche Angaben, schieben sich den Großteil 0der Tat aber gegenseitig in die Schuhe.

Die Frau hüllt sich derweil noch in Schweigen, und das Opfer ist weit davon entfernt, glaubwürdig zu wirken.

Es sind insgesamt überschaubare Erkenntnisse, die der Prozessauftakt für Richter Gernot Christ und die Erste Große Strafkammer am Marburger Landgericht bringt. Auch Staatsanwalt Holger Willanzheimer stellt danach fest: „Die Geständnisse passen nicht zusammen. Sie werden noch zu prüfen sein, wenn alle Äußerungen getroffen sind.“

Aussagen gehen auseinander

Zunächst einmal räumen die zwei Männer fast alle Vorwürfe der Anklageschrift ein: Ja, sie haben im vergangenen Sommer gemeinsam die Wohnung des späteren Opfers im Marburger Südviertel aufgesucht. Ja, sie kamen mit der Intention, den gesamten Heroinbestand des 54-Jährigen mitzunehmen und ja, sie haben ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen, um dieses Ziel zu verwirklichen.

Opfer war früher selbst drogenabhängig gewesen

Einer der beiden Männer, 40 Jahre alt, gesteht, dass die Idee von ihm ausgegangen sei. Er und die Angeklagte, die damals noch seine Lebensgefährtin gewesen war, hätten am Tag der Tat dringend Heroin gebraucht. „Ich habe schon geschwitzt und mir war übel“, berichtet der Beschuldigte von ersten Entzugserscheinungen.

Er bat den Mann, der nun links neben ihm auf der Anklagebank sitzt, um Unterstützung. Wohl deshalb, weil dieser deutlich kräftiger gebaut ist und durch einige markante Tätowierungen erheblich einschüchternder wirkt. Mit der Ankunft an der Wohnung gehen die Schilderungen der beiden aber markant auseinander.

Der Angeklagte mit den Tattoos behauptet, er habe sich zurückgehalten. Seine Komplizen hingegen hätten ihr Opfer mit Schlägen ins Gesicht traktiert, die Frau sogar mithilfe eines metallischen Gegenstands. Er selbst sei geflohen, als der überraschte Mann um Hilfe rief. Eine umgekehrte Version legt der Initiator der Aktion dar. „Ich wollte ihm nur verbal Angst machen, aber die beiden anderen haben sofort auf ihn eingeschlagen.“

Frau soll heute aussagen, Urteil noch nicht erwartet

Dem Opfer, früher selbst heroin- und alkoholabhängig, hat der Drogenkonsum erkennbar zugesetzt. 54 Jahre ist der Mann alt, wirkt aber deutlich älter. Er humpelt durch den Gerichtssaal und seine leise Stimme ist kaum zu verstehen. „Ich weiß nicht, worum geht es?“, fragt er am Anfang seiner Aussage. Er habe andere Probleme, sei bald obdachlos.

Häufig verweist der Drogendealer auf seine Polizeiaussage, doch auf Nachfrage deckt sich die kaum mit dem, was er im Gericht von sich gibt. Den Tathergang scheint er nicht mehr im Gedächtnis zu haben.

Am Montag, 16. März, ist der zweite von drei angesetzten Prozesstagen.

Dann sollen unter anderem die Sachverständigen zu Wort kommen - und wohl auch die bislang schweigende Angeklagte.

von Yanik Schick

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