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Junkie-Prozess steht vor dem Abschluss

Landgericht Junkie-Prozess steht vor dem Abschluss

Am dritten Verhandlungstag endet die Beweisaufnahme gegen drei Ex-Junkies wegen schweren Raubes. Die Angeklagten warten nun auf ihr Urteil, das am Donnerstag verkündet wird.

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Drei Ex-Junkies stehen wegen schweren Raubes vor Gericht. Am Donnerstag wird das Urteil gesprochen.

Quelle: Archiv

Marburg. Prozessakt Nummer drei von vier war schnell vorüber. Als einzigen Zeugen an diesem Tag hat die Strafkammer am Landgericht den Polizeibeamten geladen, der als Erster nach der Tat mit dem Opfer, einem langjährigen Drogendealer, sprach. Richter Gernot Christ hoffte, noch mehr Details darüber zu erfahren, was sich im Zuge des Überfalls im Südviertel abgespielt hat. Schließlich offenbarte das Opfer selbst vor Gericht einige Gedächtnislücken und konnte kaum etwas Dienliches beitragen. „Er war damals sehr aufgeregt, sein T-Shirt war blutverschmiert und zerrissen“, erinnert sich der Polizeibeamte, „aber er konnte sich auch sehr verständlich ausdrücken und die Täter beschreiben.“

Zeugin entlastet einen der Angeklagten

Noch einmal schildert der Polizist den verwüsteten Zustand, den er mit seinem Kollegen in der Wohnung vorfand. Dann endete die Beweisaufnahme. Die Plädoyers werden am Gründonnerstag vorgetragen, im Anschluss werden laut Gericht die Urteile folgen.

Womit ist zu rechnen? Am mildesten wird wohl der auffällig tätowierte Angeklagte, der von Anfang an lediglich zur Einschüchterung mitgekommen war, bestraft werden. Das Gericht hob schon am Ende des zweiten Prozesstags den Haftbefehl gegen ihn auf.

Denn nach der Aussage einer Hausmeisterin war klar geworden, dass der Mann die Wohnung bereits früher als die beiden Mittäter verlassen hatte und somit nicht nachweisbar an den Verletzungen des Dealers beteiligt war. Den 49-Jährigen erwartet einem rechtlichen Hinweis der Kammer zufolge eine Verurteilung wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung. Gegen ihn sprechen mehrfache Vorstrafen wegen des Handels mit Betäubungsmitteln, Diebstahls und der Körperverletzung.

Den anderen beiden Angeklagten stehen demnach Verurteilungen wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung bevor. Die Kammer ist davon überzeugt, dass das Opfer die drei Plomben Heroin von sich aus herausgerückt hat und nicht dazu genötigt wurde.

Maßregelvollzug gilt als wahrscheinlich

Deshalb handelt es sich wohl auch nicht um das Delikt des schweren Raubes. Die Angeklagte verwendete dazu offenbar einen spitzen metallischen Gegenstand, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. In ihr Urteil wird außerdem der Spuck-Angriff im vergangenen Mai auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn einfließen. Für beide Beschuldigte kommt derweil der Maßregelvollzug, also die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, in Betracht. Sie sind ebenfalls jeweils mehrfach vorbestraft.

von Yanik Schick

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