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Jung-Uhu zieht alle Blicke auf sich

Vogelbeobachtung Jung-Uhu zieht alle Blicke auf sich

Ob Verkehrslärm, Glockengeläut oder Krähenattacken - den Jung-Uhu bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

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Der Jung-Uhu beäugt vom Wasserspeier auf der Elisabethkirche aus seine Beobachter, die auf der Deutschhausstraße stehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie alle haben sich um ihn herum versammelt, ihn praktisch eingekreist. In Lauerstellung versuchen ihn die Krähen mit ihren bizarren Lauten einzuschüchtern. Vereinzelt attackieren sie ihn. Doch als der Jung-Uhu seine Flügel ausbreitet und die Krähen anschreit, fliegen diese weg, und der Uhu bringt sich in Sicherheit. Die von der schauspielähnlichen Szene gefesselten Zuschauer können beruhigt aufatmen.

So geschah es am Donnerstagabend. Szenarien wie diese sind aber keine Seltenheit. Die Marburger Attraktion auf der Elisabethkirche zeigt sich zu fast jeder Tageszeit den Stadtbewohnern, um seine Flugkünste zu verbessern oder sein prächtig wachsendes Gefieder zu präsentieren.

Dabei lässt sich der Jung-Uhu auch von dem Verkehr auf der Deutschhausstraße, dem lauten Glockengeläut, Leuten auf dem Dachstuhl oder den Krähen nicht stören. „Das Geschehen dynamisiert sich. Der Jung-Uhu wird selbstbewusster und macht Dinge, die er sonst nicht tut. Tagsüber fliegt er zum Beispiel auf benachbarte Dächer. Dieses Verhalten ist für Uhus total unnormal“, sagt Axel Wellinghoff von der „Marburger Vogelwelt“.

Uhus sind keine Seltenheit in Marburg

Normalerweise bekommt man Uhus kaum zu sehen, da sie nachtaktiv sind und sich zudem nicht an Orten aufhalten, wo sich Menschen befinden. Beim Marburger Uhu ist dies allerdings anders, ein Phänomen, das Wellinghof erklären kann: „Das gleiche Problem sieht man auch andernorts mit Waschbären, Füchsen und Wildschweinen. Waldtiere kommen zunehmend mehr in Stadtgebiete. Zurückzuführen ist das auf viele Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen“, erklärt Wellinghoff.

Uhus sind keine Seltenheit in Marburg. Am Stadtwald und an der Kirchspitze hört man sie oft. Jener an der Elisabethkirche ist dagegen schon eine Besonderheit. „Er zeigt auch eine gewisse Anpassungsleistung. Aber der Uhu wird sich noch ändern und einiges an seinem Verhalten hat sich auch schon geändert. Es wird die Zeit kommen, da wird er sich der Bevölkerung nicht mehr so offen präsentieren. Er muss halt noch dazulernen und dann wird er ein normales Verhalten annehmen“, schlussfolgert Wellinghoff.

Die Marburger Bürger zeigen auf jeden Fall großes Interesse am heranwachsenden Federtier. Fast jeden Abend beobachten Leute das Dach der Elisabethkirche, um einen Blick auf den jungen Vogel werfen zu können. „Bis Oktober wird der Jung-Uhu garantiert noch von seiner Mutter versorgt, bis dahin bleibt er auch noch auf dem Dach der Kirche.

Und wie bei jedem Vogel, hat sein Geburtsort auch eine besondere Bedeutung für ihn, weshalb er so schnell nicht von dort wegfliegen wird“, sagt Wellinghoff. Die Marburger und ihre Gäste wird es freuen.

von Matthias Weber

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