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„Jugendliche sind heute immer online“

Smartphones in der Schule „Jugendliche sind heute immer online“

Wie viel Smartphone verträgt der Schulalltag? Mit dieser Fragestellung befasste sich am Samstag die erste Elternkonferenz des Kreiselternbeirates im Sitzungssaal der Kreisverwaltung.

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Ob im Unterricht oder auf dem Pausenhof – auf dem Smartphone spielt das Programm, wenn Handys nicht ausdrücklich verboten sind. Denn Jugendliche sind quasi ständig im Internet.

Quelle: Jens Kalaene

Marburg. „Das Smartphone ist für viele Kinder wie eine zweite Haut geworden. Sie können es kaum noch ablegen.“ Mit diesen Worten brachte Thomas Graf, Jugendschutzbeauftragter des Landkreises Gießen, das Problem auf den Punkt.

Das „nicht mehr ablegen können“ sei natürlich auch in der Schule ein Problem, da das Handy die Schüler über Gebühr ablenke. Doch was sollen die Schulen, Lehrer und Eltern dagegen tun?

Als ersten Schritt konnten sie sich auf der Elternkonferenz über die Problematik informieren, denn gerade Eltern, die selbst nicht viel mit einem Smartphone anfangen könnten, wüssten gar nicht, welche Potenziale, aber auch Gefahren darin liegen, so der Jugendschutzbeauftragte.

Nach einer Vorstellung des Kreiselternbeirates und der ersten Vorsitzenden Monika Kruse stellte Jutta Momberger, Mitarbeiterin des Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU), eine Umfrage zur Handynutzung in der Schule vor. „60 von 64 Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben uns ihre Daten übermittelt, alleine das zeigt, wie wichtig das Thema ist. Denn es gibt leider auch bei uns im Kreis Fälle von Cybermobbing und ähnlichem Missbrauch“, erklärte Zachow.

Die Ergebnisse einer anderen Umfrage thematisierte Thomas Graf in seinem Vortrag. „Im Jahr 2013 hatten laut einer Studie zum Medienumgang Jugendlicher 72 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein Handy. Für das Jahr 2014 gehen wir bereits fast von einer Vollversorgung mit den Geräten aus.“

Probleme ergäben sich vor allem durch die ständige Nutzung des Nachrichtenprogramms WhatsApp sowie der sozialen Medien wie Facebook. Dort würden unter anderem Bilder und Videos verbreitet, deren gewalttätiger oder pornografischer Inhalt nicht für Kinder und Jugendliche zugänglich sein sollte. Außerdem lenke ständige

Kommunikation über das Handy vom Unterricht und realen sozialen Kontakten ab.

Für die Schulen stelle sich nun die Frage, wie sie auf diese Entwicklung reagieren sollen. „Absolute Verbote halte ich nicht für die Lösung, da müssen wir uns den Realitäten stellen“, bekräftigte Graf. Dennoch gäbe es Schulen, die dieses Konzept verfolgten.

Als Alternative stellte er ein Programm vor, welches das Handy zum Beispiel in den Pausen unter Auflagen erlaubt, im Unterricht allerdings verbietet. Wichtig sei es auch, nicht nur über, sondern auch mit den Kindern und Jugendlichen über die Smartphone-Nutzung zu reden. Nur so sei ein nachhaltiger Konsens zu finden.

Eine generell Lösung für das Problem gebe es allerdings nicht, ergänzte Bernhard Drude vom staatlichen Schulamt Marburg. „Jede Schule muss für sich selbst ein Konzept und Regeln erarbeiten. Aber wenn es Fragen oder den Wunsch nach Hilfestellung gäbe, würden wir natürlich helfen. Allgemein gilt aber, die Eltern und Lehrer müssen auf uns zukommen, wenn sie Probleme haben.“

Dafür habe man vier Lehrkräfte, die auch als Medienberater tätig seien. Allerdings sei solch eine Veranstaltung wie die Elternkonferenz ein guter Ort, um ein Netzwerk aufzubauen und um solche Fragestellungen in Zukunft gemeinsam beantworten zu können, so Drude. Diesen Gedanken griff auch Zachow in seinem Schlusswort auf: „Die Vernetzung war Sinn dieser Konferenz und damit haben wir erfolgreich begonnen.“ Im nächsten Jahr sei wieder eine Konferenz geplant, es gebe also­ genug Zeit, weiterhin am verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien zu arbeiten und sich dann einem neuen Thema zu widmen.

Die erste Vorsitzende des Kreiselternbeirates, Monika Kruse, zog ebenfalls ein positives Resümee: „Ich denke, Thomas Graf hat in seinem Vortrag die Probleme sehr gut auf den Punkt gebracht. Für das nächste mal hoffen wir, dass noch mehr Eltern kommen werden, nur so können wir möglichst viele erreichen und für die Themen sensibilisieren.“

von Alexander Graf

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