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Jugendliche erziehen, nicht bestrafen

Juko-Projekt Jugendliche erziehen, nicht bestrafen

Zehn straffällig gewordene Jugendliche haben einen Teil ihrer Sozialstunden bei einem Zirkus-Projekt abgeleistet. Unterstützt wurden sie von zwei jungen Männern der Juko-Weiterbildung.

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Zirkusvorstellung der Bettina-von-Arnim-Schule. Ein Teilnehmer der Juko-Weiterbildungsaktion Aqua sieht backstage dem Treiben zu.Foto: Yannic Bakhtari

Marburg. Kriminelle Jugendliche „müssen Respekt und Toleranz lernen“, sagte Maria Flohrschütz bestimmt. Die Geschäftsführerin der Jugendkonflikthilfe (Juko) Marburg sei „froh und stolz“, dass die Jugendlichen, die am Zirkus-Projekt teilnahmen, so gut mitgearbeitet haben. „Es ist eine sinnvolle Ausgestaltung und Arbeit“, sagte Flohrschütz.

Auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zogen zum Ende des Projekts ein positives Fazit.

Der 18-jährige Leon habe sich gefreut, mit Kindern zu tun zu haben, es „war interessant“. Artur (21) wollte, „dass alle zufrieden sind und ihren Spaß haben“. Alle sollten sich wohlfühlen. Er hatte wegen Diebstahls Arbeitsstunden abzuleisten. Als Einziger des Projekts schien er allerdings nicht begriffen zu haben, weswegen seine Straftat ein Vergehen war, denn er „würde es wieder tun“, wie er im Gespräch mit der OP erzählte. Doch insgesamt würden die Jugendlichen „sich selbstwirksam erleben“, sagte Denny Engler von der Abteilung Jugendstraffälligenhilfe. „Am Ende haben sie ein Ergebnis, die Jugendlichen werden offener, vertrauenswürdiger.“ Am Anfang hätten sie dem Projekt noch skeptisch gegenübergestanden.

„Aus am Anfang zwei zögerlichen Gruppen ist eine tolle Gemeinschaft geworden“, wusste auch Florian Bessel zu berichten. Der Juko-Mitarbeiter beim Projekt „Ableistung von Arbeitsstunden“ betreute die Frauen und Männer eine Woche lang und stellte dabei fest: „Die jungen Leute haben freiwillig Überstunden gemacht. Das zeigt ihr Interesse und ihre Selbstidentifikation mit dem Projekt.“ Das fand Bessel „sehr bemerkenswert“. Es sei eher untypisch, dass alle an einem Strang gezogen haben.

Pro Jahr werden 120 Jugendliche betreut

Die Juko versteht solche „ambulanten“ Arbeitseinsätze als „in sich abgeschlossene Bildungsprojekte, in denen vielfältige Lernchancen im künstlerisch-kreativen Bereich geboten und handwerklich ausgerichtete Qualifikationen erworben werden können“, heißt es in einem Informationsschreiben.

Flohrschütz betonte zudem immerzu, dass mit diesem „handlungsorientierten Ansatz eine Positivspirale in Gang gesetzt wird“. Wenn Jugendliche immer öfter straffällig würden, „beschreiten sie eine Negativspirale mit allen Folgen“. Ihr Mantra: „Erziehen, nicht bestrafen.“

Pro Jahr betreut Juko etwa 120 Jugendliche. Insgesamt arbeiten dort 70 Hauptberufliche. Das Bühnenbild-Projekt war eingebettet in ein Gesamtvorhaben: Die Stadt fördert zusammen mit dem Landkreis im Rahmen von „Inklusion bewegt“ unter der Leitung von Julia Burk derzeit fast 30 Projekte mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit in Freizeitaktivitäten. Jedes Projekt wird mit bis zu 4500 Euro unterstützt. Finanziert wird „Inklusion bewegt“ vom Hessischen Ministerium für Soziales und Jugend.

Ein 21-Jähriger, der seinen Namen unerwähnt lassen möchte, sei wegen Besitzes illegaler Rauschmittel beim Projekt gewesen. Er empfand seine Strafe sogar als „milde“. Die Teamarbeit fand er interessant, aber es „war manchmal anstrengend zu gucken, dass jeder zu Wort kommt“. Die größte Schwierigkeit „war es, die Mitte zu finden“. Doch „wir haben uns auch gegenseitig geholfen, mit unseren Strafen umzugehen“.

von Yannic Bakhtari

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