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Jugendamt verzeichnet Dutzende Gefährdungen

Kindeswohlgefährdung Jugendamt verzeichnet Dutzende Gefährdungen

In der Universitätsstadt sind in den vergangenen drei Jahren Dutzende ­Kindeswohlgefährdungen bekanntgeworden. Die Täter: vor allem Eltern.

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Vor allem Kinder zwischen null und fünf Jahren sind laut Statistischem Bundesamt Opfer von ­Kindeswohlgefährdungen.

Quelle: Roland Holschneider

Marburg. Insgesamt wurden 310 Fälle von Anhaltspunkten auf Kindeswohlgefährdung zwischen 2014 und Sommer 2016 festgestellt. Diese Zahlen hat der Magistrat veröffentlicht. Doch nicht alle Verdachtsfälle stellten sich nach eingeleiteten Untersuchungen des Jugendamts als begründet heraus. In je etwa einem Viertel aller Alarmierungen handelte es sich entweder maximal um einen festgestellten Hilfe- und Unterstützungsbedarf für die Eltern - oder generellen Fehlalarm.

Die meisten Kinder, bei denen sich der Gefährdungsverdacht bestätigte, litten demnach unter Vernachlässigung (83 Nennungen), 51-mal wurden körperliche, 62-mal psychische Misshandlungen festgestellt. An fünf Kindern ist sexuelle Gewalt ausgeübt worden. Der „überwiegende Teil“ der Täter findet sich nach Angaben der Behörden unter Eltern, Elternteilen oder deren Lebenspartnern.

Hilfsbilanz in Marburg: In 33 Fällen erfolgten Beratungen zur Förderung der Erziehung in der Familie. In 18 Fällen wurden ambulante Hilfen zur Erziehung eingeleitet, wohingegen in drei Fällen stationäre Jugendhilfe greifen musste. Inobhutnahmen zur Begegnung akuter Gefährdungslagen wurden in 20 Fällen durchgeführt und in einem Fall wurde das betroffene Kind in die Kinder- und Jugendpsychiatrie gebracht. Nach Angaben der Statistischen Ämter wurden hessenweit zuletzt mehr als 700 Kinder aus Problemfamilien gerettet. Die Zahl der sogenannten vorläufigen Schutzmaßnahmen ist in den vergangenen beiden Jahren massiv gestiegen - aufgrund der Einreise tausender unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Kaum Akzeptanz für körperliche Strafen

Körperliche Strafen in der Erziehung stoßen indes auf immer mehr Ablehnung. Die Akzeptanz eines „Klapses auf den Po“ sank von 76,2 Prozent im Jahr 2005 auf aktuell 44,6 Prozent, haben Experten für Kindeswohlgefährdung kürzlich herausfanden. Eine leichte Ohrfeige finden 17 Prozent in der Erziehung angebracht, elf Jahre zuvor waren es noch 53,7 Prozent. Eine Tracht Prügel mit Blutergüssen hielten damals noch 1,9 Prozent für angebracht, heute sind es nur noch 0,1 Prozent. Die Zahl der begründeten Kindeswohlgefährdungen steigt ungeachtet dessen an. So gab es 2015 ein zwölfprozentiges Plus bei „akuten“ (20800 Fälle) und einen siebenprozentigen Anstieg bei „latenten“ Gefährdungen (24200 Fälle).

von Björn Wisker

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