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Ein Netzteil für alle Niedervolt-Geräte

Ein Netzteil für alle Niedervolt-Geräte

Philipp Jochum von der Elisabethschule ist ein Coup gelungen: Der 14-Jährige nimmt nach seinem Landessieg nun am Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ teil.

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Philipp Jochum zeigt stolz seine Erfindung, das „intelligente Universalnetzteil“.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Während des Landeswettbewerbs in Darmstadt setzte sich der Jungforscher erfolgreich gegen zahlreiche Teilnehmer aus ganz Hessen durch (die OP berichtete). Er ergatterte den ersten Preis im Bereich Technik sowie den Sonderpreis des hessischen Kultusministeriums für die schöpferisch beste Arbeit, womit er gleichzeitig als Hauptsieger aus dem Wettbewerb hervorging.  Darüber hinaus wurde er in das Auswahlverfahren des weltweit größten voruniversitären Forschungswettbewerbs „International Science and Engineering Fair“ aufgenommen, womit er die Chance bekommt zum Wettbewerb in die USA zu reisen.

Geboren wurde der Jungforscher in Marburg, lebt mit seiner Familie in der Marbach. „Ich bin wahnsinnig stolz auf ihn“, sagt seine Mutter, Silke Jochum. Schon als Kind habe der begabte Sohn nichts lieber getan als irgendetwas zu basteln, erinnert sich die Innenarchitektin. Mit fünf Jahren entwarf er schon ein Bewässerungssystem für den Garten der Familie, zeichnete einen Übersichtsplan mit Schläuchen und Düsen.

Theoretische Konzepte zu entwickeln liegt dem einfallsreichen Schüler im Blut, „planen macht einfach Spaß“, sagt Philipp und schmunzelt. Neben der Theorie liebt er auch das praktische Arbeiten, beschäftigt sich auch in seiner Freizeit gerne mit Projekten in seiner eigenen kleinen Werkstatt oder dem Chemielabor.

Die Idee für sein Universalnetzteil entwickelte er vor rund eineinhalb Jahren, nachdem er einen Artikel über die weltweit steigende Produktion von Elektroschrott gelesen hatte. „Da muss man doch was machen können“, betont Philipp.

Gesagt, getan: Umgehend absolvierte der damals 13-Jährige ein Elektronikpraktikum an der Philipps-Universität und entwickelte in den „Pull-out-Kursen“ der Begabtenförderung der Elisabethschule im vergangenen Jahr seine gerätesparende „intelligente Steckdose“, mit der er bei „Jugend forscht“ bereits 2014 Preise errang. Für den diesjährigen Wettbewerb entwickelte er seine Erfindung zu einem „intelligenten Universalnetzteil“ weiter. Wie er anhand seines Versuchsaufbaus erläutert, kann seine Erfindung anstelle einer üblichen Steckdose unter Putz angebracht und mit sämtlichen elektronischen Gerätschaften verbunden werden, ohne dass diese eigene Netzteile benötigen.

„Die ganze Schule ist stolz auf diese Leistung“

Über die neue Steckverbindung wird die individuell benötigte Spannung erkannt, der Strombedarf entsprechend verteilt. Nach aktuellem Stand seines Projekts eignet sich das universelle Netzteil für alle Niedervolt-Geräte – unter anderem sämtliche Ladegeräte für Akkus, etwa für Handys, Rasierer oder Werkzeuge, erzählt Philipp.

Seine Erfindung mache den Gebrauch individueller Netzteile, wie sie an zahllosen Alltagsgeräten zu finden sind, überflüssig. Diese benötigten nur noch Kabel und passende Stecker – die Anzahl von Netzteilen im Haushalt und damit der entstehende Elektroschrott reduziert sich auf ein Minimum.  Für diese innovative Lösung ist jedoch ein Umbau des bisherigen Systems und Austausch der handelsüblichen Steckdosen vonnöten. Mit seinem Projekt wird der gewitzte Schüler Ende Mai am Bundeswettbewerb in Ludwigshafen teilnehmen und gegen Jung-Forscher aus dem ganzen Land antreten.

Auch die Elisabethschule ist mehr als stolz auf ihren intelligenten Schüler. Eine solche Wettbewerbsplatzierung wie bei Philipp habe seiner Erfahrung nach in den vergangenen Jahren noch kein Marburger Schüler oder Student erreicht, „die ganze Schule ist stolz auf diese Leistung“, lobte Schulleiter Tobias Meinel den Neuntklässler überschwänglich.  „Es ist beeindruckend, was die Schüler in der Lage sind zu leisten“, weiß auch Dr. Stefan Purkl, einer der Betreuer der „Pull-out-Kurse“. Innerhalb der Projekte werden die Schüler von den Lehrkräften angeleitet, arbeiten jedoch relativ selbstständig.

Wichtig bei den schulischen Projekten sei neben dem freien Wirken durchaus auch die Erfahrung von Fehlentscheidungen, die Schüler lernten auf diesem Weg mit Enttäuschungen umzugehen und entwickelten sich weiter, erklärt der Physiklehrer. Das hat auch Philipp fest vor. „Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen“, weiß der Schüler, er ist jedoch überzeugt von seiner Idee und hofft auf deren Weiterentwicklung. Der nächste Schritt, sein Projekt weiter auszubauen, wäre die bereits vorhandene Kapazität auch auf leistungsstärkere Geräte wie etwa Beamer oder Groß-Rechner auszuweiten.

Schüler will Physik und Chemie studieren

Die Firma Bosch Thermotechnik habe bereits Interesse an seiner Idee bekundet, freut sich der 14-Jährige. Die Physik ist und wird wohl immer sein „Steckenpferd“ sein, für ihn eine der interessantesten Wissenschaften überhaupt, erzählt er. Nach seiner Schulzeit will Philipp auf jeden Fall Physik und auch gleich noch Chemie studieren und später in der Forschung arbeiten.

von Ina Tannert

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