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Jubiläumssingen an historischem Ort

Cäcilia Schröck Jubiläumssingen an historischem Ort

An historischer Stätte feiert der Gesangverein Cäcilia Schröck 1893 sein 120-jähriges Bestehen.

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Ein besonderes Erlebnis: Singen am Elisabethbrunnen – ob 1971 bei einem Konzert des Gesangvereins oder vor wenigen Tagen bei einer Probe für das Jubiläumskonzert am Samstag.

Quelle: Privatfotos

Marburg. Am neugestalteten Elisabethbrunnen lädt der Verein zu einem Open-Air-Konzert. „Ein traumhaftes Ambiente“ gebe der Elisabethbrunnen ab, befindet Chorleiter Hans-Joachim Scholz. Schon die Proben hätten die Sängerinnen und Sänger begeistert. Schon einmal, im Jahr 1971, gab der Gesangverein Cäcilia am Elisabethbrunnen ein Konzert, viele ältere Schröcker erinnern sich noch heute daran.

Der Abend beginnt mit einem Gottesdienst um 17.30 Uhr. Ab 19 Uhr beginnt das Open-Air-Konzert mit Beiträgen des Gemischten Chors Schröck, dem Liederkranz Wittelsberg, Eintracht Bracht, Kantorka Schröck, Männergesangverein Gladenbach, Liederkranz Betziesdorf, Syncopia Beltershausen, Gemischter Chor Schröck, Haste Töne Bauerbach, Sängerlust Roßdorf, Cantellina Roßdorf und Männerchor Schröck.

Zwischendrin werden langjährige Mitglieder geehrt.

Für alle, die aus Schröck zum Elisabethbrunnen kommen wollen, fährt jede halbe Stunde ein Pendelbus, Haltestellen im Ort sind die Gaststätte Balzer, das Bürgerhaus und die Bushaltestelle Reinse.

Natürlich, das räumt Vorsitzender Thomas Sprenger ein, liegt in dem Vorhaben ein gewisses Risiko: „Aber auf uns übt das Ambiente eine derart große Faszination aus, dass wir es in Kauf nehmen und feste die Daumen drücken.“

Musikalisch, da ist sich Chorleiter Scholz sicher, kann die Cäcilia stolz auf sich sein. Der Chor besteht aus etwa 35 Aktiven, die Beteiligung an den Singstunden liegt bei etwa 90 Prozent, berichtet Scholz stolz. Der Bogen reicht, so Scholz, vom traditionellen Liedgut bis hin zu aktueller Chorliteratur. Und, darauf ist man in Schröck besonders stolz, der Chor singt Lieder in sage und schreibe acht Sprachen, darunter in hessischer Mundart.

Der Chorgesang in Schröck hat seine Wurzeln im Jahr 1893. Am 26. März gründeten singbegeisterte Männer des Dorfes um den Lehrer Johann Josef Kräuter den „Männergesangverein Cäcilia“. Unter den 26 Gründern vermerkt die Chronik den Bäcker und Landwirt Heinrich Nau (Nummer 55), den Schmied Alois Braun (Nr. 39)den Gastwirt Konrad Nau (Nr. 69) oder den Zimmermann Konrad Viertelhausen (Nr. 80). Die Nummer hinter den Namen gaben die Adressen der Sänger an: Straßennamen gab es damals in Schröck ebenso wenig wie in anderen Orten.

Die Chronik berichtet, dass Lehrer Kräuter die Chorleitung übernahm und dass der erste geübte Chorsatz „Auf Matrosen, die Anker gelichtet“ war. Am Kirchweihfest am 8. Oktober sang der Chor beim Festgottesdienst mit, und an Weihnachten erfreute er die Dorfbewohner durch die Aufführung eines Theaterstücks.

„Mit dem erzielten Überschuss“, so heißt es in der Chronik, „wurde die Restschuld vom gekauften Tafelklavier getilgt.“

Zwei Weltkriege, die Inflation, die Heimkehr vieler Kriegsgefangener nach 1945, die Unterbrechung der sängerischen Tätigkeit wegen des von den Amerikanern verhängten Ausgehverbots bis 1948, die Fusion mit dem Kirchenchor nach dem Zweiten Weltkrieg waren Stationen der Cäcilia, ehe 1972 eine echte Zäsur stattfand. In der Generalversammlung am 14. Januar wurde beschlossen, den bisherigen Namen „Männergesangverein Cäcilia Schröck umzuändern in „Gesangverein Cäcilia Schröck“.

Weitere Höhepunkte der jüngeren Vereinsgeschichte waren die Gründung des Kinderchores durch den Vorsitzenden Gerhard Ruppenthal 1982. Dieser Kinderchor wurde 1986 durch Hans Joachim Scholz übernommen - ein Glücksfall für den Verein, denn Scholz leitet die Cäcilia noch heute. Mehr als 970 Singstunden hat der frühere Lehrer inzwischen geleitet.

Nachdem bereits 1994 wieder ein eigener Männerchor unter dem Dach der Cäcilia ins Leben gerufen wurde, wird, so schätzen Scholz und Sprenger, der Verein noch lange singen können. So wie am Samstagabend am Elisabethbrunnen.

von Till Conrad

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