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Jetzt ist es amtlich: Zeitung bildet!

News to use Jetzt ist es amtlich: Zeitung bildet!

Im Frankfurter Cinemax Metropolis ging gestern Abend die erste Auflage des Projekts „news to use“ zu Ende. Wissenschaftler attestieren
den Absolventen bessere Allgemeinbildung und Sprachkompetenz.

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Auszubildende und Ausbildungsleiter verschiedener Betriebe waren nach Frankfurt gereist (von hinten li.): Franziska Wagner (OP), Ljubinla Cigoja, Vera Payer (Uni Marburg), Rene Raabe (HOPPE-AG), Steffi Anderwald, Thorben Schultheiss, Thomas Kretzer, Hans-Jürgen Schneider (elektroplan-schneider, Stadtallendorf), Sascha Schneider (Kanzlei Preusse - Friauf - Schneider, Marburg), (vorne von re. nach li.) Lydia Fribich, Hannah Schlang, Jasmin Wolf, Sören Drusel.

Quelle: Thomas Strothjohann

Frankfurt. Ihnen als Zeitungslesern berichten wir nichts Neues, wenn wir schreiben, dass Zeitunglesen schlau macht. Oder zumindest förderlich ist, wenn man an Diskussionen über Politik, Wirtschaft oder auch Klatsch teilnehmen möchte. Wenn man die wichtigen Persönlichkeiten aus seiner Region beim nächsten Theaterbesuch erkennen will.
Um die Vorteile des Zeitunglesens Menschen näher zu bringen, die bislang keine Zeitung lesen, unternehmen Zeitungsverlage wie „Hitzeroth Druck und Medien“, in dem die OP erscheint, einiges. Dabei verfolgen sie, wie Dr. Wolfgang Maaß, der Vorsitzende des Hessischen Zeitungsverlegerverbandes (VHZV), gestern in seiner Rede sagte, nicht nur wirtschaftliche Interessen. Es gehe ihnen auch um ihren Auftrag zur Meinungsbildung.

Größerer Wortschatz, längere Sätze

Weil zurzeit nur rund 40 Prozent der Deutschen im Alter von 14 bis 29 Jahren Zeitung lesen, konzentrieren sich Projekte wie „Schüler lesen die OP“ oder sogar „Zeitunglesen in der Kita“ auf junge Leute.
In dem Projekt „news to use“ haben 700 hessische Auszubildende von August 2012 bis Juni
2013 die Zeitungen aus ihrer Region frei Haus geliefert bekommen. Davon sollten gleich drei Seiten profitieren: Die Auszubildenden, weil sie sich kostenlos informieren und fort­
bilden konnten. Ihre Ausbildungsbetriebe, weil ihre Auszubildenden besser Bescheid wussten. Und natürlich die 40 teilnehmenden Zeitungen. Weil sie die Chance hatten, die Zeitungs-Novizen als Fans und Abonnenten zu gewinnen.
Wer von den drei Gruppen den besten Deal gemacht hat, konnten die Wissenschaftler des Gießener Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) gestern nicht sagen. Zufrieden waren die Professoren Dr. Katrin Lehnen und Dr. Henning Lobin und ihr Auftraggeber, der VHZV, dennoch mit den Ergebnissen:

  • Von den 400 Auszubildenden, die den Einstiegstest und den Abschlusstest mitgemacht haben, sagten 70 Prozent, dass sie die Zeitung als Medium schätzen gelernt haben.
  • Im Wissenstest verbesserte sich die Durchschnittsnote dieser 400 Azubis im Projektverlauf von 3,16 auf 2,8 (beste Note 1, schlechteste 6).
  • Die begleitenden Wissens- und Sprachkompetenz-Tests führten dazu, dass die Auszubildenden intensiver lasen.
  • Die 40 Auszubildenden, die im Projektverlauf sämtliche zehn Tests absolvierten, haben – so das Urteil des ZMI – auch ihre Lese- und Schreibkompetenz deutlich verbessert. Ihre Erörterungen und auch die einzelnen Sätze seien länger geworden. Im Schnitt waren die zuletzt eingereichten Aufsätze rund 500 Wörter länger. Ihre Sätze näherten sich mit durchschnittlich 18 Wörtern dem Niveau professioneller Schreiber (über 20) und ihr Wortschatz erweiterte sich.
  • 81 Prozent der 400 Teilnehmer stimmten außerdem im Abschlussfragebogen (teilweise) der Aussage zu, dass sich ihre Allgemeinbildung durch die Zei­tungslektüre verbessert habe.

Ob vereinheitlichte Tests und die angewandten wissenschaftlichen Methoden die besten Mittel sind, um herauszufinden, ob das Zeitunglesen nützt, sei dahingestellt. Der Kommentar des Juristen Sascha Schneider (Marburger Kanzlei Preusse Friauf Schneider) spricht aber auf jeden Fall für das Projekt: „Wir haben viele Mandanten aus der Wirtschaft und uns ist wichtig, dass unsere Auszubildende deren Namen einordnen kann und dass sie weiß, was lokal passiert.“

Urkunden und Kinospaß für die Azubis

Für die Auszubildenden der VR-Bank HessenLand eG in Alsfeld gehören vor allem Wirtschafts- und Finanznachrichten sowieso zur täglichen Lektüre. Während Mareike Loos (21) lieber online liest, ist ihr gleichaltriger Kollege Fan des gedruckten Wortes: „Da habe ich was in der Hand und kann auch mal was unterstreichen oder rausreißen“, sagt Jonas Korell. Beide lesen vor allem, was überregionale und Wirtschaftszeitungen zu bieten haben – und Jonas auch morgens beim Frühstück den Lokalsport in der Regionalzeitung.
Nachdem die Reden geschwungen, drei iPads und ePaper-Abos verlost, der Snack verspeist und die Urkunden überreicht waren, gab es für die Azubis schließlich noch echt großes Kino. Gezeigt wurde – um die Moderatorin Evren Gezer (Hit Radio FFH) zu zitieren:  „darf ich das hier ohne ‚Piep‘ sagen?“ – „Fack ju Göhte“.

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