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Jetzt ist Schluss mit der Bescheidenheit

Streikaktion in Marburg Jetzt ist Schluss mit der Bescheidenheit

800 Mitarbeiter von Einrichtungen der Behindertenhilfe, von Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern der Jugendhilfe in Hessen kamen gestern in Marburg zusammen, um für mehr Anerkennung, sprich Lohn zu streiken.

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Es herrschte eine zuversichtliche Aufbruchstimmung unter den Streikenden, die gestern nach Marburg gekommen waren.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mit Bussen reisten die gewerkschaftlich organisierten Streikenden nach Marburg an. Vom Parkplatz des Georg-Gaßmann-Stadions ging es dann zu Fuß als Demonstrationszug durch die Schwanallee Richtung Innenstadt zur zentralen Kundgebung auf dem Marktplatz in der Oberstadt. Dort wurden sie von streikenden „Gastgebern“ aus Marburg gebührend empfangen.

 

„Wir arbeiten für die Zukunft - Aufwerten jetzt“ schallte es immer wieder über den Platz. „Die Arbeitgeber sehen keine grundsätzliche Notwendigkeit für eine Aufwertung“, sagte Sylvia Bühler, Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Soziale Dienste und Wohlfahrt, die extra aus Berlin angereist war. „Aber wir sehen sie!“, schloss sie sogleich an und zeigte sich begeistert davon, dass es erstmals in der Geschichte der Sozial- und Erziehungsdienste einen unbefristeten Erzwingungsstreik gebe. „Das zeigt, dass ihr das Selbstbewusstsein habt, für einen gerechten Lohn auf die Straße zu gehen und euch nicht mehr moralisch unter Druck setzen lasst - denn niemand als ihr selbst wisst, wie hart ihr arbeitet“, rief sie der zustimmenden Menge zu.

Kritik: Zu viele Teilzeitstellen

Und sie forderte nicht nur mehr Anerkennung durch bessere Bezahlung, sie forderte auch ein Ende der vielen Teilzeitstellen, die nur dazu da seien, Personal flexibel einsetzen zu können. „Wir wollen einen Job und ein Entgelt, von dem wir leben können. Eine Erhöhung um zehn Prozent ist alles andere als bescheiden, aber ihr habt es euch verdient“, sagte sie entschlossen.

Es gehe bei diesem Streik auch darum, den Weg zu ebnen für gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, egal bei welchem Arbeitgeber man arbeite. Es müsse Schluss sein, sich mit Einsparungen beim Personal Wettbewerbsvorteile erschleichen zu wollen.

Streikende kommen aus allen Teilen Hessens

Aus allen Regionen Hessens waren die Streikenden zu dem Aktionstag angereist, um ein Zeichen zu setzen, dass es um weit mehr geht, als nur um Kita-Erzieherinnen. Georg Schulze-Ziehaus, Landesfachbereichsleiter Gesundheitswesen beim Verdi-Landesbezirk Hessen, freute sich, neben dem streikenden „Stammpersonal“ neue Gruppen begrüßen zu können, wie etwa die Behinderteneinrichtungen Vogelsberg und Erbach im Odenwald. Jürgen Süß, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Waldeck-Frankenberg, zeigte einige Beispiele auf, wie anspruchsvoll, verantwortungsvoll und auch zeitintensiv die Arbeiten sind, wenn man beispielsweise als Betreuer in einer Wohngruppe arbeitet. „Das heißt Dienst rund um die Uhr, an den Wochenenden und auch Feiertagen.“ Dr. Thomas Spies (SPD) und Jan Schalauske (Die Linke) sprachen kurze Grußworte. Beide zeigten sich vom Engagement der Streikenden beeindruckt und sicherten ihre Unterstützung im Arbeitskampf zu.

Und auch hier klang heraus, neben der Erhöhung des Lohnes, müsse es wieder einen verbindlichen Flächentarif geben.

von Götz Schaub

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