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Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren

Deutsche Pokermeisterschaften Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren

Er gehört zu den verbliebenen neun. Neun von ursprünglich 986 Spielern. Am letzten Tisch wird es sich entscheiden: Kommt der tiefe Fall oder gelingt die Sensation? Hartmut Pitz durchlebt eine nervenaufreibende Zeit.

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Aug in Aug mit dem Gegner:
Am Pokertisch fühlt sich Hartmut Pitz besonders wohl.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Es ist tiefste Nacht und eigentlich müsste Hartmut Pitz todmüde ins Bett fallen. Der Tag war lang und anstrengend. Es war ein wahres Auf und Ab der Gefühle. Irgendwann am Mittag waren es nur noch ein paar Chips, die vor ihm auf dem Spieltisch lagen. Die Niederlage und das Ausscheiden bei der „deutschen Bracelet Meisterschaft“ schien unabwendbar. Und das wäre auch keine wirkliche Überraschung gewesen, denn Hartmut Pitz bezeichnet sich selbst als Anfänger beim Pokern.

Pitz wollte hier in Leipzig nur mal „reinschnuppern“. Einmal ein großes Turnier spielen. Sich eventuell etwas von den anderen abschauen, also von den „besseren Spielern lernen“, wie er sagt. Die 50 Euro Startgeld war ihm die Erfahrung wert. Doch dann widerfuhr ihm das, was auch Poker-Profis ab und an benötigen: Hartmut Pitz hatte eine echte Glückssträhne. Runde für Runde entpuppten sich die Karten in seiner Hand als die besseren, gegenüber denjenigen seiner Gegner. Die gewonnenen Chips stapelte er zu kleinen Türmen vor sich. Und es sollte noch nicht das Ende sein.

Platz drei in der Rangliste

Am ersten Turniertag waren es fast 1000 Spieler, die sich an den verschiedenen Tischen des Hotels „The Westin Leipzig“ eingefunden hatten. An diesem zweiten Tag, an dem die Glückssträhne einsetzte, waren es dann nur noch knapp die Hälfte. Das Ausscheidungsrennen erstreckte sich bis in die Abendstunden. Mann um Mann, Tisch um Tisch wurde es leerer im Hotelfoyer, bis nur noch ein letzter Tisch übrig blieb. Die letzten Neun aus 986. Gemessen an der Wertigkeit der Chips belegte Hartmut Pitz dabei sogar den dritten Rang. Was für ein Erfolg.

Weiter ging es an diesem Tag aber nicht. Zusammen mit den anderen acht Endrundenteilnehmern hatte Hartmut Pitz dann noch an der Hotelbar gesessen und den Einzug ins Finale gefeiert.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Nun, mitten in der Nacht kann der 41-Jährige aber immer noch nicht schlafen. Aufgeregt wälzt er sich hin und her. Immer wieder tauchen Spielsituationen vor seinem inneren Auge auf. Buben, Damen, Asse. Der Schreinermeister analysiert, welches Blatt er wie gespielt hat. Er bemerkt Fehler in seinen Aktionen. Und er weiß das Glück zu schätzen, das ihn an diesem Tag so weit gebracht hat. Irgendwann verschwimmen die Bilder und Zahlen, das Grübeln geht in einen tiefen Traum über.

Wieder zurück in seiner Heimat trifft der Großseelheimer, wie an jedem Montagabend seine Vereinskameraden vom Poker-Club Marburg. Sie gratulieren ihm höflich, klopfen ihm auf die Schulter oder feixen mit ihm.

In dieser geselligen Runde hat alles vor fast genau drei Jahren angefangen. Per Internet hat Hartmut Pitz nach einer Möglichkeit gesucht, mit anderen Interessierten Poker zu spielen. Zuvor hatte er schon einige TV-Übertragungen des Kartenspiels auf diversen Sportsendern gesehen. „Ich bin dann an einem Abend hierher gekommen und habe auf Anhieb gewonnen. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Auf jeden Fall war ich dann dabei“, sagt Pitz über seine Anfangszeit.

Mittlerweile treffen sich die Pokerfreunde im Tanz-Zentrum Dance Sports im Marburger Nordviertel. Dort, in den Räumen einer ehemaligen Diskothek, spielen sie kleinere Turniere. „Ich mag dieses Spiel Mann gegen Mann“, sagt Pitz, der sich selbst als eher abwartender Spieler sieht: „Ich bin eher der ruhige und gelassene Typ. Ich hoffe, das wird mir auch beim Finale weiterhelfen“.

Besagtes Finale ist am kommenden Samstag in Rozvadov, einer kleinen tschechischen Ortschaft direkt hinter der deutschen Grenze. „Ich hoffe, dass mich meine Nerven nicht im Stich lassen und ich keine gravierende Fehler mache“, gibt sich Pitz zurückhaltend.

Live im Internet dabei

Da aber alle Endrundenspieler ihre bereits gewonnen Chips aus den beiden ersten Turniertagen mit an den „Final Table“ nehmen, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass sich der Großseelheimer einen der vorderen Plätze erringt. „Natürlich würde ich es gerne gewinnen“, sagt Pitz. Die Vorbereitung auf den großen Tag beginnt an diesem Abend mit seinen Pokerfreunden. Hier ist die Stimmung gelöst, es geht um kleine Beträge und der Spaß am Spiel steht im Vordergrund.

Da das Finale am Samstag sogar per Live-Stream im Internet gezeigt werden soll, gibt es auch für die Pokerfreunde die Chance, das Spiel ihres Vereinskollegen mitzuverfolgen. Die Tatsache, dass Kameras vor Ort sind, sorgt nicht unbedingt dafür, dass die Aufregung geringer wird, scherzt Pitz. Am Ende wird er auch wieder ein gutes Blatt und ein Quentchen Glück benötigen.

von Dennis Siepmann

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