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Jedes Kind, das die Schule besuchen kann, zählt

Hilfsprogramm für Addis Abeba Jedes Kind, das die Schule besuchen kann, zählt

Seit vier Jahrzehnten besteht das Hilfsprojekt „Straßenkinder in Addis Abeba“. Den langjährigen humanitären Einsatz feierten die evangelischen Kirchenkreise Kirchhain und Marburg gemeinsam mit Gästen aus Afrika.

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Kirchenvertreter, Beiratsmitglieder und Gäste aus Äthiopien feierten das 40-jährige Hilfsprojekt: Dekan Hermann Köhler (von links), Bischof Professor Martin Hein, Stefan Aumann, Pastor Abraham Mengesha, Christa Beck, Aman Ababu, Dörle Wilke, der äthiopische Projektleiter Taye Gemeda, Dr. Claudia Kuhnhen, Vorsitzende Pfarrerin und Projektbeauftragte Bettina Mohr und Walter Christ. Rechts: Eine Straßenszene aus Addis Abeba. Kinder suchen Schatten in einem Kanalrohr.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Volles Haus im Evangelischen Gemeindezentrum in Niederweimar. Über 100 Gemeindemitglieder, Kirchenvertreter und Gäste waren gekommen um das jahrzehntelange Projekt zu würdigen. Mit einem Festgottesdienst und anschließendem Kuchenbuffet feierte die Gemeinde die erfolgreiche Initiative und humanitäre Zusammenarbeit in Äthiopien. Der Kirchenchor sang Lieder „für die Geschwister in Äthiopien“. Delegierte des Projektes erzählten über ihre Afrika-reisen und Einsätze vor Ort in einem der ärmsten Länder der Welt.

Dabei stand nicht nur der Festgedanke, sondern auch eine nachdenkliche, realistische Einschätzung der Lage in dem von Armut und Unruhen gebeutelten Land im Mittelpunkt der Veranstaltung. „Vier Jahrzehnte, das ist eine lange Zeit - und doch schreien die Verhältnisse weiterhin zum Himmel“, rief Bischof Professor Martin Hein während seiner Predigt den Gläubigen in Erinnerung. Insgesamt 150000 Euro fließen von den Projektträgern, den Kirchenkreisen Marburg und Kirchhain, jedes Jahr für bedürftige Kinder in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba.

Trotzdem sei dies nur der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“, so das Kirchenoberhaupt. Und doch haben von anfänglich 17, heute rund 1000 von Armut bedrohte Kinder genügend zu Essen, medizinische Versorgung und eine Schulausbildung. Dies sei mit Recht ein Grund zu feiern. Wenigstens diese Kinder erhalten die Chance auf ein besseres, erfülltes Leben, so der Bischof.

Zahlreiche Vertreter aus Kirche und Politik gratulierten an diesem Tag der humanitären Initiative zum Jubiläum. Auch Klaus Weber, Mitglied des Kreisausschusses, überbrachte Grüße vom Landkreis.

„Das Projekt ist eine Erfolgsstory“, lobte der Kreisbeigeordnete. Gerade die Gesellschaften denen es gut gehe, müssen Sorge für andere tragen und besonders die Situation der Kinder verbessern. Den Erfolg von Unterstützung und Bildung sehe man an dem Äthiopien-Projekt. Nicht nur die Anzahl der Kinder, auch das enge Band, das sich zwischen den beiden entfernten Ländern entwickelte, werde mit jedem Jahr größer. Niemand konnte vor 40 Jahren ahnen, dass „der Funke der Unterstützung dermaßen überspringen würde“, freuten sich die anwesenden Initiatoren rund um Projektbeauftragte und Pfarrerin Bettina Mohr.

Dies zeigte auch die Anwesenheit der Delegation der evangelischen Mekane Yesus Kirche, die das Projekt in Äthiopien betreut. Die Ehrengäste des Tages waren Pastor Abraham Mengesha, Taye Gemeda und Aman Ababu. Gemeinsam mit den deutschen Projektpartnern berichteten sie aus ihrer Heimat und über die Hilfseinsätze in Afrika. Das Projekt „Straßenkinder in Addis Abeba“ entwickelte sich im Jahr 1973 aus anfangs kleinen Spendenaktionen zu einem groß angelegten, regelmäßigen Hilfseinsatz. Ziel ist es, die Kinder der äthiopischen Hauptstadt vor einem Leben auf der Straße zu bewahren. Viele verarmte Familien sind durch ihre prekäre wirtschaftliche Situation, durch Hunger, Dürrekatastrophen und Bürgerkrieg nicht in der Lage ihre Kinder zu ernähren.

Schätzungen zufolge leben über 20000 Kinder alleine in der Hauptstadt auf der Straße. Ohne Schulbildung verdienen diese sich ihren Lebensunterhalt durch Schuheputzen oder anderen Dienstleistungen und drohen in Kriminalität und Prostitution abzurutschen.

Das ausschließlich durch Spenden finanzierte Projekt ermöglicht es den Kindern in Addis Abeba und anderen Landesteilen, durch eine monatliche finanzielle Förderung, bei ihren Familien zu bleiben, eine Schule zu besuchen und eine alternative Perspektive zu erhalten.

von Ina Tannert

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