Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
"Jeder kann Lebensweise überprüfen"

Planetview-Vortrag mit Reinhold Messner "Jeder kann Lebensweise überprüfen"

Reinhold Messner kommt mit seiner neuen Lichtbildshow nach Marburg, und die OP verlost Tickets für den Vortrag am 19. November.

Voriger Artikel
Vielschichtige Entwicklung der Uni-Medizin
Nächster Artikel
Biblischer Gott als Konstante in einer verrückten Zeit

Um Bergsteigen in eisigem Terrain (großes Foto) geht es auch beim Lichtbild-Vortrag von Reinhold Messner am 19. November im Audimax.

Quelle: Hans-Joachim Bittner

Marburg. Er ist eine Bergsteigerlegende: Die OP sprach zum Auftakt der 16. „Planetview“-Lichtbildshow-Saison in einem Telefon-Interview mit dem Südtiroler Reinhold Messner.

Oberhessische Presse: Mit welchen thematischen Schwerpunkten sind Sie zurzeit unterwegs?
Reinhold Messner: Mein aktueller Vortrag heißt „Über Leben“. Dabei geht es nicht ums Überleben, sondern um das Leben. Ich nehme die Position des Stellvertreters meiner Zuhörer ein, die ja in der Regel nicht wie ich die Möglichkeit haben, in die Wildnis zu gehen und dort ihre Erfahrungen zu machen. Ich berichte aus einer Welt, in der man umkommen kann und zeige so einen nackten Zugang zum Menschen.

OP: Sie sind politisch hochaktiv. Welche konkreten umweltpolitischen Forderungen stehen auf Ihrer Agenda?
Messner: Ich stelle keine Forderungen. Aber ich weiß aus meiner Perspektive, dass es zuerst die Berge und Wüsten sind, die unter dem leiden, was wir in den Städten anrichten. Wir haben in den zurückliegenden 100 Jahren fast all unsere fossilen Brennstoffe verbraucht - das kann man mit Verträgen allein nicht korrigieren, weil unsere Autos immer noch nicht sauber genug sind und unsere Industrie immer mehr Energie verbraucht. Ich bin nicht zynisch, es ist gut, dass es für diese Probleme ein Bewusstsein gibt. Wir dürfen in Europa nicht unsere umweltpolitische Führungsrolle verlieren und darum darf Europa auch nicht zerbröseln. Jeder einzelne kann seine Lebensweise und seine Ansprüche überprüfen und sich etwa fragen, ob man im Sommer alles kühlen und im Winter alles heizen muss.

OP: Ist Ihr großangelegtes Museumsprojekt mittlerweile abgeschlossen?
Messner: Ja, baulich und organisatorisch ist das Bergmuseum, an dem wir 15 Jahre gearbeitet haben, abgeschlossen. Aber ein Museum bleibt natürlich immer ein Prozess mit neuen Teilausstellungen, neuen Teilprojekten. Ich selbst ziehe mich aus dem Museum etwas zurück, das meine große Tochter als Vorstandschefin übernimmt. Ich selbst möchte mich verstärkt auf Filmprojekte konzentrieren und gestaltend hinter der Kamera arbeiten.

OP: Viele Südtiroler haben historisch bedingt ein schwieriges Verhältnis zu ihrer politischen Heimat Italien - Sie auch?
Messner: Wir hatten ja keine andere Chance. In meinem Tun stehe ich natürlich auch in der Geschichte. Südtirol hat im Faschismus unter Mussolini stark gelitten. Heute sind wir Südtiroler auf die EU vielleicht besser vorbereitet als Menschen in vielen anderen Regionen Europas. Wir sind durch die Summe unserer Kulturen ein starkes Bindeglied zwischen Nord und Süd, sind wirtschaftlich erfolgreich. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich sehe, wie in bestimmten Kreisen das Nationalistische, ja: das Völkische wieder betont wird - das war in der Vergangenheit der Ursprung großer Katastrophen.

OP: Planen Sie weitere Expeditionen?
Messner: Ja, Filmexpeditionen, aktuell geht es mal wieder nach Nepal.

OP: Macht ein Reinhold Messner auch einmal so einen richtigen Relaxurlaub am Swimming Pool mit einem Drink in der Hand?
Messner: Nein. Das gibt es nicht und wird es auch nicht geben.

Gewinnspiel
Für Reinhold Messners Lichtbildshow am Samstag, 19. November, ab 20 Uhr im Audimax verlost die OP zehn mal zwei Karten. Wer gewinnen will, sollte eine E-Mail mit dem Stichwort „Messner“ bis zum Mittwoch, 16. November, um 14 Uhr an die OP (Adresse: marburg@op-marburg.de) schicken. Die Gewinner geben wir in der Donnerstagsausgabe bekannt, die Karten können an der Abendkasse abgeholt werden.

von Carsten Beckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr