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Jeder Tag im Mutterbauch zählt

Geburt Jeder Tag im Mutterbauch zählt

Es gibt immer mehr Frühgeborene. Das liegt unter anderem daran, dass deren Überlebenschancen gestiegen sind, sagt Professor Rolf Felix Maier, ­Direktor der Kinderklinik.

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Eine hochschwangere Frau fasst sich mit beiden Händen an ihren Bauch. Immer mehr Kinder kommen früher als erwartet zu Welt. Ein Frühchen hat heutzutage aber gute Chancen, um sich ganz normal zu entwickeln.Archivfoto

Quelle: Felix Heyder

Marburg. Etwa 9000 Kinder werden in Deutschland jährlich vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren. Vor zwei Jahren waren es noch 8000 Kinder - die Zahl der Frühchen steigt. Das liegt unter anderem daran, dass die Überlebenschancen gestiegen sind, erklärt Professor Rolf Felix Maier, Direktor der Kinderklinik, am Universitätsklinikum Marburg. Er ist einer der Experten, die am Donnerstag den OP-Lesern Rede und Antwort stehen. Bereits ab der 22. Woche gibt es für Frühchen eine Überlebenschance. Früher verstarben die meisten Kinder, die vor der 24. Woche zur Welt kamen. Dank intensivmedizinischer High-Tech-Versorgung können sich heute aber auch die Kleinsten zu gesunden Kindern entwickeln.

Grundsätzlich gilt: Jeder Tag im Mutterbauch zählt, jedes Gramm Körpergewicht ist überlebenswichtig. 90 Prozent der Babys unter 1500 Gramm überleben, nur 10 bis 20 Prozent von ihnen haben Entwicklungsstörungen. Bei einem Gewicht unter 500 Gramm wird es aber kritisch.

Alter als Risikofaktor

Frauen unter 18 und über 35 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, sagt Maier. Zu den Risikofaktoren gehören auch Schwangerschaftsdiabetes oder hoher Blutdruck. Die zunehmende Rate an künstlichen Befruchtungen ist ein weiterer Faktor, der die steigende Fallzahl der Frühgeburten erkläre. Doch Statistiken sagen noch nichts über den persönlichen Einzelfall aus. „Man muss bei Risikofaktoren aufmerksamer sein“, sagt Maier. Er wird am Donnerstag individuelle Fragen von Leserinnen und Lesern der OP beantworten. Denn anlässlich des Weltfrühchentags am Samstag bietet die OP ihren Lesern in einer Telefonaktion Informationen aus erster Hand zum Thema Schwangerschaft und Geburt an.

Am OP-Telefon wird auch Professorin Dr. Maritta Kühnert Auskunft zur Geburt geben. Die Ärztin leitet den Kreißsaal im Universitätsklinikum. Professor Dario Zovko, Kommissarischer Direktor der Klinik für Kinderchirurgie, kann unter anderem Fragen zu angeborenen Fehlbildungen bei Kindern beantworten. Ein weiteres Thema, das viele werdende Mütter und Väter beschäftige, sei das Infektionsrisiko, weiß Maier. Grundsätzlich haben Frühgeborene immer ein größeres Infektionsrisiko, weil ihr Immunsystem unreif ist. Wichtig sei, dass Frühgeborene in einem Perinatalzentrum zur Welt kommen. Dort, wo Frauenklinik und Abteilung für Neonatologie der Klinik unter einem Dach zusammenarbeiten - wie auf den Lahnbergen -, gibt es laut Forschung die besten Chancen zum Überleben. Frühchen verbringen die ersten Wochen ihres Lebens außerhalb des Bauchs im Inkubator - flapsig wird das Gerät auch Brutkasten genannt. Auch über dieses High-Tech-Gerät können die Ärzte Auskunft geben.

  • Professor Maier, Leiter der Kinderklinik und Neonatologe, ist am Donnerstag von 14.30 bis 16 Uhr, unter Telefon 06421/409-363 erreichbar.
  • Professorin Maritta Kühnert, Leiterin des Kreißsaals, ist unter 409-360 zu sprechen.
  • Der Kinderchirurg Professor Zovko ist unter 409-310 zu sprechen.

von Anna Ntemiris

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